Sinustachykardie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Als Sinustachykardie wird eine Herzfrequenz von mehr als einhundert Schlägen pro Minute in Ruhe bezeichnet. Maßgebend ist dabei, dass die Erregung vom Haupttaktgeber, dem Sinusknoten im rechten Vorhof ausgeht und das elektrische Signal dem normalen Erregungsleitungssystem des Herzens folgt. Es wird zwischen der primären Form, bei der keine erkennbaren organischen Ursachen vorliegen, und der sekundären Form der Sinustachykardie unterschieden, die häufig mit einer kompensatorischen Reaktion des Herzens auf eine Grunderkrankung erklärt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Sinustachykardie?

Die Sinustachykardie ist eine Arrhythmie des Herzens, bei der die elektrische Abfolge des Schlagrhythmus von der Erregung im Sinusknoten und der Weiterleitung zu den Kammern über den AV-Knoten dem normalen Reizweiterleitungssystem des Herzens entspricht. Eine Herzfrequenz von mehr als einhundert Schlägen pro Minute in Ruhe wird als Sinustachykardie eingestuft.

Das trifft nicht für einen physiologisch bedingten schnellen Herzrhythmus zu, weil die Schlagfrequenz des Herzens bei entsprechender Leistungsanforderung und bei Babys und Kleinkindern auf über einhundert Schläge pro Minute ansteigen kann, ohne dass eine krankhafte Sinustachykardie vorliegt. Es wird zwischen einer primären und einer sekundären Sinustachykardie unterschieden. Um eine primäre Form der Tachykardie handelt es sich, wenn keine organischen oder exogenen Ursachen für die hohe Herzfrequenz vorliegen.

Die sekundäre Form beruht meist auf einer kompensatorischen Erhöhung der Schlagfrequenz aufgrund bestimmter Sollparameter wie zu geringe Sauerstoffsättigung oder aufgrund einer Blutarmut (Anämie). Der schnelle Herzrhythmus kann auch auf einer hormonellen Störung beruhen oder als unerwünschte Nebenwirkung von Medikamenten verursacht werden. Beispielsweise kann eine Hyperthyreose, eine Überfunktion der Schilddrüse, eine Sinustachykardie verursachen.

Ursachen

Definitionsgemäß sind die Ursachen der primären Sinustachykardie nicht erkennbar, wohl aber die der sekundären Form der Krankheit. Faktoren, die den schnellen Herzrhythmus außerhalb der als physiologisch angesehenen Frequenzsteigerungen verursachen können, sind sehr vielschichtig und liegen im Herzen selbst oder es handelt sich um Anomalien oder Erkrankungen außerhalb des Herzens.

In vielen Fällen handelt es sich um eine kompensatorische Reaktion des Herzens, um eine resultierende oder eine sich abzeichnende Minderversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen auszugleichen. Typische Verursacher dieser Kategorie sind Sauerstoffmangel (Hypoxie), Blutarmut (Anämie) und anormal niedriger Blutdruck (Hypotonie), der beispielsweise durch einen Flüssigkeitsmangel (Dehydration) verursacht sein kann. Als bedingt kompensatorisch oder bedingt physiologisch können fiebrige Erkrankungen eingestuft werden.

Eine Erhöhung der Körpertemperatur um jeweils ein Grad Celsius bedingt einen Anstieg der Herzfrequenz um circa zehn Schläge pro Minute. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Vorsorgemaßnahme des Körpers, um einer drohenden Unterversorgung mit Sauerstoff vorzubeugen. Stoffwechselvorgänge werden mit Erhöhung der Körpertemperatur exorbitant beschleunigt.

Typische Verursacher einer Sinustachykardie, die nicht mit kompensatorischen Vorgängen erklärt werden können, sind Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und Reaktionen auf Arzneimittel (Sympathomimetika), Genussmittel oder Drogen (Koffein, Ecstasy). Weitere Auslöser einer krankhaften Herzfrequenzerhöhung können im Herzen selbst begründet sein. Es handelt sich dabei meist um Krankheiten wie Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine primäre oder sekundäre Sinustachykardie verursacht zunächst nur wenige spezifische Beschwerden. Das gilt besonders bei einer permanenten Erhöhung der Herzfrequenz. Eine nur zeitweilig auftretende Tachykardie wird meist durch spürbares Herzklopfen und hohem Puls begleitet.

Zeitweilig und plötzlich auftretende Tachykardien haben häufig konkrete Auslöser wie Stress, Angst oder körperliche Anforderungen. Eine permanente Sinustachykardie macht sich nicht zwangsweise durch spürbares Herzklopfen bemerkbar, sondern eher durch allgemeine Abgeschlagenheit und durch eine Leistungseinschränkung bei Belastung. Der Puls bleibt auch in Ruhephasen unnatürlich hoch.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die wichtigsten Hilfsmittel zur Abgrenzung einer Sinustachykardie von anderen Herzrhythmusstörungen wie das häufig vorkommende Vorhofflimmern sind Elektrokardiogramm (EKG) und Echokardiografie, die von außen oder als transösophageale Ultraschalluntersuchung (TEE) durchgeführt wird. Bei der TEE wird das Ultraschallgerät unter leichter Sedierung des Patienten in die Speiseröhre (Ösophagus) eingeführt.

Die Ultraschalluntersuchung am schlagenden Herzen liefert wertvolle Daten über das Volumen der Vorhöfe und der Kammern sowie über die Wanddicke des Myokards wie auch Hinweise über die Funktionsfähigkeit der einzelnen Herzklappen. Das EKG-Muster lässt Rückschlüsse auch auf möglicherweise vorliegende kardiovaskuläre Erkrankungen zu. Beide Diagnostiken ergänzen sich bestens und decken auch einen Teil der notwendigen Differentialdiagnostik ab.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann es aufgrund der Sinustachykardie zu einer Herzinsuffizienz und damit weiterhin zum Tod des Betroffenen kommen. Dieser Fall tritt allerdings nur dann auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei an einem sehr hohen Puls und auch an einem Herzklopfen. Es kommt zu einer inneren Unruhe und die Patienten können auch Schweißausbrüche oder Panikattacken aufweisen.

Ebenso treten Symptome wie Angst oder Stress auf, die sich negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. Die Sinustachykardie kann dabei auch bei körperlichen Anstrengungen auftreten. In vielen Fällen leiden die Patienten an Müdigkeit und Abgeschlagenheit, wobei der Puls auch im Ruhezustand deutlich erhöht ist.

Die Behandlung der Sinustachykardie richtet sich in der Regel nach der Grunderkrankung. In vielen Fällen werden dabei Medikamente eingesetzt, die die Herzfrequenz verringern. Komplikationen treten dabei nicht auf. In akuten Notfällen ist allerdings eine Behandlung durch einen Notarzt erforderlich, um den Tod des Patienten zu vermeiden. Ob es krankheitsbedingt zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten kommt, kann leider nicht universell vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Das erste Ziel der Behandlung einer Sinustachykardie besteht in der Ursachenanalyse. Bei bekannter Ursache des schnellen Herzschlags wird vor primär der Ursachenkomplex therapiert, so dass sich bei erfolgreicher Behebung oder Ausheilung der Ursache der schnelle Rhythmus von selbst zurückbildet. Liegt eine primäre Sinustachykardie vor, für die keine konkreten Verursacher diagnostiziert werden konnten.

Besteht die Behandlung vorwiegend in einer symptomatischen medikamentösen Behandlung mit Betablockern. Sie besetzen die sogenannten Beta-Rezeptoren, so dass die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin nicht andocken können und damit nicht wirksam werden können. Die Blockierung der Beta-Rezeptoren im Herzen bewirkt eine Blutdrucksenkung und eine Verlangsamung des Herzschlags.

In der Niere entfalten Stresshormone sogar eine Art Hebelwirkung, weil nach dem Andocken von Adrenalin und Noradrenalin Hormone wie Angiotensin freigesetzt werden, die gefäßverengend wirken und eine Steigerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz bewirken. Ebenso wie im Herzen werden auch in der Niere die Beta-Rezeptoren durch Beta-Blocker inaktiviert, so dass die Stresshormone nicht wirksam werden können.

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Vorbeugung

Die besten Vorbeugungsmaßnahmen zur Verhinderung einer Sinustachykardie bestehen in der Vermeidung von Risiken, die eine kardiovaskuläre Krankheit provozieren können. Vor allem wird ein achtsamer Umgang mit Koffein, Nikotin und Alkohol empfohlen. Ebenso wichtig ist eine ausgewogene Ernährung, die auch natürlich belassene Nahrungsmittel enthält. Auch ein Mindestmaß an Bewegung kann in die Kategorie der vorbeugenden Maßnahmen eingeordnet werden.

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Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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