Sinus pilonidalis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
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Der Sinus pilonidalis wird auch Steißbeinfistel genannt. Sie ist eine Höhle unter der Haut im Bereich der Gesäßfalte. Hier kann es zu schmerzhaften Entzündungen bis hin zu Abszessen kommen, die operativ behandelt werden müssen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Sinus pilonidalis?

Als Sinus pilonidalis wird eine chronische Entzündung der Rima ani (Gesäßfalte) bezeichnet. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen. Sinus bedeutet Vertiefung oder Höhle. Die Bezeichnung pilonidalis setzt sich aus den Wörtern pilus und nidus zusammen. Pilus steht für Haar. Nidus wird als Nest übersetzt. Die Erkrankung wird synonym auch Pilonidalsinus, Pilonidalzyste, Steißbeinfistel oder Sacraldermoid genannt.

Der Sinus pilonidalis tritt mit einer Inzidenz von 26 auf 100.000 Einwohner pro Jahr häufig auf. Ein Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Männer sind weitaus häufiger betroffen als Frauen. Personen mit einer sitzenden Tätigkeit wie Kraftfahrer oder Büroarbeiter haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Mit einer Inzidenz von 150 auf 100.000 Bundeswehrsoldaten pro Jahr ist die Krankheit bei dieser Bevölkerungsgruppe besonders häufig.

Ursachen

Die Pilonidalzyste kann angeboren oder erworben sein. Bei der angeborenen Variante bleibt nach der Embryonalzeit die Öffnung des Neuralrohres erhalten. So entsteht eine Verbindung zwischen Analrand und Steißbeinspitze, wo es zu Entzündungen kommen kann. Diese Variante ist sehr selten.

Häufiger treten die erworbenen Formen des Sinus pilonidalis auf. Durch Reibung der Haut in der Gesäßfalte dringen Haare in die obere Hautschicht ein. Dort verkapseln sie sich. Es entsteht eine mit Haaren gefüllte Höhle unter der Haut. In der Folge können Entzündungen bis hin zu Abszessen auftreten. Als weitere Form wird eine Haarbildungsstörung diskutiert. Neu gebildete Haare können die Haut nicht durchdringen und bilden auf diese Weise eine Höhle, die sich infizieren kann.

Die Entstehung einer Pilonidalzyste kann auch traumatisch bedingt sein. Dabei entsteht die Zyste in einem nicht ausgeheilten Hämatom. Risikofaktoren für eine Entzündung der Fistel sind Übergewicht und starkes Schwitzen in der Analregion. Durch das feucht-warme Milieu können Bakterien sich gut vermehren, in die Fistel eindringen und diese infizieren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Sinus pilonidalis ohne Entzündung verursacht keine Beschwerden. Es sind lediglich eine oder mehrere Fistelöffnungen in der Haut sichtbar. Das Eindringen von Bakterien in die Pilonidalzyste führt zu einer akuten Infektion. Es kommt zu einer Schwellung, Überwärmung und Rötung der Haut im Bereich des Steißbeines.

Die Schwellung kann in kurzer Zeit eine beträchtliche Größe im Sinne eines Abszesses annehmen. Die Patienten klagen über teils starke Schmerzen. Das Sitzen kann schmerzbedingt nicht möglich sein. Es kann Eiter austreten. Beim chronischen Verlauf sondert die Fistel kontinuierlich Eiter oder Wundsekret ab. Die Patienten bemerken Verunreinigungen der Unterwäsche. Schmerzen können auftreten. Akute Entzündungszeichen fehlen. Diese Form des Sinus pilonidalis kann jederzeit in die akute Entzündung übergehen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Anamnese und einer klinischen Untersuchung. Die Patienten berichten über Schmerzen, Schwellung oder Sekretion. Bei der Untersuchung zeigen sich bei der chronischen Form in der Steißbeinregion Fistelöffnungen sowie blutige oder eitrige Absonderungen. Bei der akuten Entzündung fallen Schwellung, Rötung und Überwärmung auf.

In manchen Fällen kann auf Druck Eiter entleert werden. Gegebenenfalls kann eine Fistelöffnung mit der Knopfsonde exploriert werden. Starke Schmerzen bei der akuten Infektion sowie anhaltende Schmerzen und Sekretion beim chronischen Verlauf begründen die Notwendigkeit einer Therapie.

Komplikationen

Die Symptome einer Steißbeinfistel können sich bei zu später oder falscher Behandlung zu ernsten Komplikationen entwickeln. Im Allgemeinen nehmen die Schmerzen im Verlauf der Erkrankung zu und stellen sich schließlich dauerhaft ein. Vor allem der Bereich um das Steißbein ist betroffen und reagiert schmerzhaft auf Druck – Fehlhaltungen und Ausweichbewegungen sind die Folge.

Des Weiteren können sich Abszesse bilden und im Extremfall eine Blutvergiftung hervorrufen. Die Fistel selbst kann vernarben und dauerhafte Hautveränderungen nach sich ziehen. Gelegentlich stellen sich permanente Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen im betroffenen Bereich ein. Bei der operativen Entfernung einer Steißbeinfistel besteht das Risiko, dass Blutungen und Nachblutungen auftreten. Bei einer offenen Wundbehandlung kann sich eine Superinfektion entwickeln, in deren Verlauf weitere Fistelgänge entstehen.

Außerdem können Verletzungen umgebender Strukturen auftreten. Bei Beteiligung des Schließmuskels kann es zu vorübergehender Inkontinenz kommen. Gelegentlich zeigt sich ein bis zwei Wochen nach der Behandlung ein Ausfluss von Wundflüssigkeit, wodurch sich die Heilung verzögert. Zuletzt geht von den verordneten Medikamente immer das Risiko aus, dass sich Neben- oder Wechselwirkungen einstellen oder es zu allergischen Reaktionen kommt.

Therapie & Behandlung

Die Therapie des Pilonidalsinus erfolgt operativ. Abhängig vom Befund kann eine stationäre oder ambulante Behandlung sinnvoll sein. Bei der klassischen Operation in Vollnarkose wird der Fistelgang durch eine Färbung mit Methylenblau dargestellt. Anschließend wird der betroffene Bereich großflächig ausgeschnitten. Die Wunde kann mittels Naht verschlossen oder offen behandelt werden.

Bei verschlossenen Wunden gestaltet sich der Krankheitsverlauf kürzer als bei offenen. Allerdings kommt es durch die anatomische Lage, die Spannung und Reibung auf der Wunde bedingt, in 40 Prozent der Fälle zu Wundheilungsstörungen. Auch die naturgemäß hohe Bakterienbesiedlung des Areals trägt dazu bei. Die Rezidivrate bei diesem Verfahren ist mit 20 Prozent innerhalb von drei Jahren hoch.

Bei der offenen Wundbehandlung gestaltet sich der Krankheitsverlauf länger, da die sekundäre Wundheilung der meist großflächigen Wunde mehrere Monate dauern kann. Tägliche Wundpflege und regelmäßige Wundkontrollen sind notwendig. Ein Vorteil der offenen Wundbehandlung ist die deutlich geringere Rezidivrate. Durch eine Vakuumtherapie kann die Dauer der sekundären Wundheilung verkürzt werden.

Dabei wird ein Schwamm in die Wunde eingebracht und diese mit Folie luftdicht verschlossen. Über einen Schlauch wird eine Pumpe angeschlossen, die in der Wunde ein Vakuum erzeugt und kontinuierlich Wundsekret absaugt. Diese Behandlung wird nur im stationären Bereich durchgeführt. Verschiedene Operationsverfahren kommen zur Behandlung des Pilonidalsinus zum Einsatz.

Klassisch wird das betroffene Areal symmetrisch zur Mittellinie exzidiert. Dabei treten jedoch bedingt durch die anatomische Lage häufig Rezidive auf. Durch eine asymmetrische Exzision wie bei dem Operationsverfahren nach Karydakis kann die Rezidivrate verringert werden. Lappenplastiken und endoskopische Verfahren sind ebenfalls Behandlungsmöglichkeiten.

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Vorbeugung

Der Entstehung des Sinus pilonidalis kann vorgebeugt werden, indem die Behaarung der Steißbeinregion mittels Laser-Epilation dauerhaft entfernt wird. Eine herkömmliche Haarentfernung reicht nicht aus, da die Haare so nicht komplett beseitigt werden. Während der Wundheilung nach einer Operation soll der betroffene Bereich großflächig und konsequent rasiert werden.

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Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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