Sinus-cavernosus-Thrombose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Sinus-cavernosus-Thrombose

Bei einer Sinus-cavernosus-Thrombose wird der Sinus cavernosus durch ein Blutgerinnsel oder durch einen Blutpfropf verschlossen. Es handelt sich dabei um eine lebensbedrohliche Krankheit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Sinus-cavernosus-Thrombose?

Unter dem Begriff der Sinus-cavernosus-Thrombose versteht man einen teilweisen oder vollständigen Verschluss des Sinus cavernosus. Der Sinus cavernosus ist ein venöses Blutgefäß des Gehirns. Er gehört zu den Sinus durae matris und befindet sich beidseits des Türkensattels (Sella turcica). Er erhält das venöse Blut aus dem Sinus sphenoparietalis, der Vena ophtalmica superior und der Vena ophtalmica inferior.

In der Wand des Sinus cavernosus verlaufen vier Hirnnerven und die Arteria carotis interna, eine Arterie, die das Gehirn versorgt. Die vier Hirnnerven sind:

  • Nervus oculomotorius
  • Nervus ophtalmicus
  • Nervus maxillaris
  • Nervus trochlearis.

Ursachen

Die Sinus-cavernosus-Thrombose entsteht in der Regel auf dem Boden einer bakteriellen Entzündung der Nebenhöhlen. Meist gelangen die Erreger über den Blutweg von der Stirnhöhle (Sinusitis frontalis) oder von der Keilbeinhöhle (Sinusitis sphenoidalis) zum Sinus cavernosus. Aber auch bakterielle Entzündungen der Weichteile des oberen Gesichtsbereichs können sich zum Sinus cavernosus ausbreiten. Mögliche ursächliche Erkrankungen sind hier Furunkel oder auch das Erysipel.

Weitere Ursachen sind eine Mastoiditis und eine Meningitis. Bei einer bakteriellen Ursache spricht man immer von einer septischen Sinusvenenthrombose. Eine Sinus-cavernosus-Thrombose kann aber auch durch Erkrankungen verursacht werden, die mit einer gesteigerten Blutgerinnung einhergehen. Dazu gehören zum Beispiel die Polyzythämie oder der Antithrombinmangel. Schwangere haben ein höheres Risiko eine Sinusvenenthrombose zu erleiden. Auch Medikamente wie hormonelle Verhütungsmittel oder Kortisonpräparate steigern das Risiko.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Sinus-cavernosus-Thrombose entwickelt sich eher langsam. Frühzeichen sind ein Druckschmerz im Nasenaugenwinkel und Sehstörungen. Im Bereich der Augen kann es zu Stauungszeichen am Auge kommen. Dabei ist die Seite beeinträchtigt, auf der sich die Thrombose befindet. Das Auge ist gerötet oder geschwollen. Eventuell tritt es aus der Augenhöhle hervor (Exophthalmus).

Durch Lähmungen der Augenmuskeln können die Augen nur noch vermindert bewegt werden. Die Betroffenen sehen Doppelbilder. Begleitet werden die Symptome von unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Schüttelfrost.

Später steigern sich die Kopfschmerzen. Auch Nackenschmerzen können auftreten. Die Schmerzen strahlen bis in die Arme aus oder strahlen von einer Schläfe über die gesamte Stirn bis hin zur anderen Schläfe. Es kommt zu Ödemen im Bereich der Lider und der Nasolabialfalte. Eventuell treten epileptische Anfälle auf. Auch psychotische Symptome oder Veränderungen des Wesens sind möglich.

Im Vollbild haben die Betroffenen sehr hohes Fieber. Man spricht hier auch von septischen Temperaturen. Die Augen treten deutlich hervor, durch die Störungen der Augenbeweglichkeit droht Sehverlust. Eventuell ist auch die Augenbindehaut geschwollen (Chemosis). Lähmungen können ebenso auftreten wie Gefühlsstörung und Bewusstseinseintrübungen.

In späten Stadien droht der Tod durch erhöhten Hirndruck. Leitsymptome für einen erhöhten Hirndruck sind stärkste Kopfschmerzen, Erbrechen und eine Stauungspapille. Wenn diese drei Symptome gemeinsam auftreten, spricht man auch von einer Hirndruck-Trias. Als Komplikation droht das Sinus-cavernosus-Syndrom. Dieses Krankheitsbild ist durch den kompletten Ausfall der Hirnnerven gekennzeichnet, die durch die Wand des Sinus cavernosus verlaufen.

Zudem kann eine Sinus-cavernosus-Fistel entstehen. Dabei entsteht eine Verbindung zwischen der Arteria carotis interna beziehungsweise der Arteria carotis externa und dem Sinus cavernosus. Daraus resultiert eine Strömungsumkehr mit venösen Abflussstörungen und einer mangelnden Versorgung der Gefäße des Gehirns mit sauerstoffreichem Blut.

Bei einer Sinus-cavernosus-Thrombose drohen zudem kleine Gehirnblutung, weil der Blutabfluss gestört ist und die dünnen Wände des Sinus durch das gestaute Blut stark belastet werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnosestellung der Sinus-cavernosus-Thrombose gestaltet sich recht schwierig. Die Krankheitszeichen sind nicht eindeutig und können auch durch andere Erkrankungen wie beispielsweise durch einen Abszess oder eine Enzephalitis bedingt werden. Bei Verdacht auf eine Thrombose in diesem Bereich kann der D-Dimer-Spiegel im Blut bestimmt werden. Aber auch dieser kann den Verdacht lediglich erhärten, nicht jedoch bestätigen. Möglicherweise kann ein positives Griesinger-Zeichen beobachtet werden.

Aufgrund der unklaren Symptome empfiehlt sich bei Verdacht auf eine Sinusvenenthrombose die frühzeitige Schnittbilddiagnostik. Bei einer Computertomographie oder bei einer Kernspintomographie können Infarkte oder Blutungen sichtbar gemacht werden. Mit Kontrastmittel lassen sich auch die Gerinnsel gut darstellen. In Ausnahmefällen werden zudem Angiographien durchgeführt.

Komplikationen

Eine Sinus-cavernosus-Thrombose kann schwere Komplikationen nach sich ziehen und bei mangelhafter oder fehlender Behandlung sogar tödlich verlaufen. Anfänglich ruft das Blutgerinnsel zunächst Sehstörungen und Lähmungen der Augenmuskeln hervor. Dadurch wird die Sehkraft stark beeinträchtigt und die Gefahr eines Unfalles steigt. Unter Umständen treten auch epileptische Anfälle auf, die ebenfalls mit einem erhöhten Verletzungsrisiko verbunden sind.

Außerdem können in manchen Fällen psychotische Symptome sowie Veränderungen im Wesen auftreten. Des Weiteren kann es zu hohem Fieber und in der Folge zu Kreislaufversagen kommen. Im weiteren Verlauf besteht aufgrund des erhöhten Hirndrucks akute Lebensgefahr. Eine typische Komplikationen ist das Sinus-cavernosus-Syndrom, bei dem die Hirnnerven und damit auch sämtliche neurologische und mentale Funktionen ausfallen.

Auch eine Sinus-cavernosus-Fistel kann entstehen. In späten Stadien ruft der gestörte Blutabfluss kleine Gehirnblutungen hervor, die mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen. Die medikamentöse Therapie einer Sinus-cavernosus-Thrombose birgt das Risiko von Neben- und Wechselwirkungen. Da meist sehr hohe Dosen verabreicht werden, besteht die Gefahr bleibender Nieren- und Leberschäden. Einige Patienten entwickeln zudem eine Sucht oder bilden eine Toleranz gegenüber dem jeweiligen Wirkstoff aus.

Therapie & Behandlung

Wenn die Sinus-cavernosus-Thrombose durch eine bakterielle Entzündung verursacht wurde, erhalten die Patienten über eine Vene Breitspektrumantibiotika. Ist der Erreger bekannt oder konnte bestimmt werden, wird eine gezielte Antibiotikatherapie an die Breitbandtherapie angeschlossen. In vielen Fällen erfolgt auch eine medikamentöse Therapie mit Heparin. Dieses wird meist in sehr hohen Dosen verabreicht.

Auch andere Antikoagulantien wie Warfarin oder Phenprocoumon kommen zum Einsatz. Diese Therapie ist aber ebenso wie die Therapie mit Glukokortikoiden durchaus umstritten. Die komplette Auflösung des Gerinnsels oder die chirurgische Entfernung gelingt nur selten.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Der Sinus-cavernosus-Thrombose lässt sich nur sehr schwer vorbeugen. Häufig wird die Thrombose durch eine Infektion im Bereich des Gesichts beziehungsweise des Schädels verursacht. Insbesondere Nasennebenhöhlenentzündungen sollten deshalb ernst genommen werden. Bei Verdacht auf eine Sinusitis ist ein Arzt aufzusuchen.

Dieser kann falls nötig eine frühzeitige Antibiotikatherapie einleiten. Da auch die „Pille“ ein Risikofaktor darstellt, sollten Frauen sich genau überlegen, ob dies die richtige Verhütungsmethode für sie ist. Insbesondere in Kombination mit Rauchen erhöht sich das Risiko eine Thrombose zu erleiden deutlich.

Bücher über Thrombose

Quellen

  • Encke, A., Breddin, H. K.: Die venöse Thrombose. Prophylaxe und Therapie. Schattauer, Stuttgart 2000
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: