Sinterungsbruch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Bei einem Sinterungsbruch handelt es sich um einen Bruch der Wirbel. Die Erkrankung betrifft die Wirbelsäule und wird auch als Sinterungsfraktur oder Sinterung bezeichnet. Sinterungsbrüche können vor allem bei stark beschädigten Knochen in Folge von Osteoporose entstehen. In vielen Fällen führen Sinterungsbrüche dazu, dass der von der Fraktur betroffene Wirbel seine Stabilität verliert und in sich zusammensackt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Sinterungsbruch?

Ein Sinterungsbruch bezeichnet eine Fraktur eines Wirbelkörpers und kann sich in Folge eines kontinuierlichen Zusammensinkens des betroffenen Wirbels bilden. Von der Erkrankung können auch mehrere Wirbelkörper zur gleichen Zeit betroffen sein. Durch eine Verminderung der Struktur des Wirbelknochens kann die sogenannte Substantia compacta das Gewicht, das auf ihr lastet, nicht mehr tragen.

Dieser Prozess wird in erster Linie durch langwierige osteoporotische Veränderungen des Wirbels hervorgerufen. Aus diesem Grund treten Sinterungsbrüche im überwiegenden Teil der Fälle bei älteren Menschen auf. Die Erkrankung verursacht chronische Schmerzen und bedingt dadurch erhebliche Bewegungseinschränkungen für die betroffenen Personen.

Ursachen

Die Entstehung von Sinterungsbrüchen steht in engem Zusammenhang zu Schädigungen an der knöchernen Substanz der Wirbel. Frakturen an den Wirbelknochen können sich insbesondere dann bilden, wenn der Knochen vorgeschädigt ist. Die Hauptursache stellt dabei in vielen Fällen eine Osteoporose der betroffenen Knochen dar. Bei jüngeren Menschen ist in der Regel eine erhebliche Gewalteinwirkung notwendig, um einen Wirbel zu brechen.

Auf der anderen Seite sind bei einem vorgeschädigten Knochen schon geringfügige mechanische Krafteinwirkungen ausreichend, um ein Versagen des Knochenmaterials auszulösen. Bei extrem geschädigten und durch Osteoporose beeinträchtigten Wirbeln kann schon das Ausschnauben der Nase dazu führen, dass der Wirbelknochen in sich zusammensackt.

Mitunter ist es im Nachhinein für den Einzelfall schwierig zu entscheiden, ob durch eine Gewalteinwirkung oder sonstige Einwirkung von Kräften jenes Trauma hervorgerufen wurde, das den Sinterungsbruch herbeigeführt hat. Grundsätzlich stellt ein Sinterungsbruch eine pathologische Fraktur dar, denn ein gesunder und intakter Knochen gibt in Folge mechanischer Überlastung nicht in der Form eines Sinterungsbruchs nach.

Die tragende Substanz der Wirbelknochen, die Substantia compacta, ist in vielen Fällen in ihrer Struktur beeinträchtigt und schon bei geringem Gewicht überlastet, sodass die Entstehung von Sinterungsbrüchen begünstigt wird. Die Verletzungen, die bei älteren Menschen einem Sinterungsbruch zugrunde liegen können, sind meist weniger dramatisch als bei Brüchen der Wirbelknochen bei jüngeren Personen.

Ein gesunder Wirbel splittert oder birst bei unfallbedingten Krafteinwirkungen, während ein brüchiger und vorgeschädigter Knochen eines osteoporotisch veränderten Wirbelkörpers in sich zusammensackt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen eines Sinterungsbruchs bildet sich ein sogenannter Keilwirbel, wobei die Hinterkante erhalten bleibt und der Wirbelkanal nicht verletzt wird. Andernfalls besteht das Risiko eines Querschnittsyndroms. In zahlreichen Fällen kommt ein Keilwirbel nicht einzeln vor, sondern es entstehen mehrmals hintereinander gleiche Brüche.

Dadurch krümmt sich die Wirbelsäule nach vorn (medizinische Bezeichnung Hyperkyphose) und die Körpergröße der betroffenen Person nimmt ab. Zudem verändert sich das Verhältnis von der Länge des Rumpfs zur Arm- und Beinlänge und wirkt dadurch dysproportional. Auch die Brustwirbelsäule krümmt sich, während sich der Bauch nach vorn wölbt.

Bei schlankeren Menschen bilden sich in Folge der abnehmenden Rumpflänge mehrere Hautfalten im Bereich der Flanken. Das so entstehende Erscheinungsbild wird im Volksmund als sogenannter „Witwenbuckel“ bezeichnet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnose von Sinterungsbrüchen stehen diverse untersuchungstechnische Methoden zur Verfügung. Zunächst erfolgen klinische Untersuchungen, die sich an den typischen Symptomen und Beschwerden von Sinterungsbrüchen orientieren. Hier ist die Analyse der Krankengeschichte im Gespräch mit dem betroffenen Patienten essenziell.

Sinterungsbrüche sind neben einer Änderung des Erscheinungsbildes mit Schmerzen und körperlichen Einschränkungen verbunden. Dies wird oftmals als normale Alterserscheinung betrachtet und akzeptiert. Jedoch handelt es sich um einen Spätzustand einer unzureichend oder nicht behandelten Osteoporose. Somit kommen Röntgenuntersuchungen der Wirbelsäule zum Einsatz, um mögliche Frakturen bildlich darstellen und die Diagnose sichern zu können. Um die zugrunde liegende Erkrankung, in den meisten Fällen eine Osteoporose, zu diagnostizieren, werden Untersuchungen der Knochendichte durchgeführt.

Komplikationen

In Folge eines Sinterungsbruchs können verschiedene Komplikationen auftreten. Zunächst besteht die Gefahr, dass sich die Wirbelsäule nach vorne krümmt und weitere Fehlhaltungen hervorruft. Das veränderte Verhältnis zwischen Rumpflänge und Arm- und Beinlänge kann zu Fehlstellungen führen, die unter Umständen zu Gelenkverschleiß und Knochenschmerzen begünstigen.

Bei schlanken Menschen verursacht ein Sinterungsbruch häufig den sogenannten „Witwenbuckel“, mehrere Hautfalten im Bereich der Flanken, die vor allem einen ästhetischen Makel darstellen. Wird der Bruch der Wirbelsäule nicht oder nur unzureichend behandelt, entwickeln sich aus den anfänglich nur leichten Schmerzen schnell chronische Beschwerden. Hinzu kommen körperliche Einschränkungen, die den Betroffenen in seiner Lebensqualität beeinträchtigen.

Liegt dem Bruch eine Osteoporose zugrunde, können die typischen Komplikationen des Knochenschwundes hinzukommen. Bei der Behandlung gehen die Risiken hauptsächlich von einem chirurgischen Eingriff aus. Typische Verfahren wie die Vertebroplastie und die Kyphoplastie können schwere Komplikationen hervorrufen, wenn das Füllmaterial austritt.

Es kann beispielsweise zu einer Lungenembolie kommen, die unter Umständen lebensbedrohlich ist. Dringt der ausgetretene Thrombus in die umliegenden Gewebestrukturen ein, sind Lähmungen, Nervenschädigungen und Sensibilitätsstörungen in den unteren Extremitäten die Folge. Zuletzt kann es durch verordnete Medikamente zu den typischen Neben- und Wechselwirkungen kommen.

Behandlung & Therapie

Ist ein Sinterungsbruch aufgrund einer Osteoporose entstanden, sollten die betroffenen Patienten keine allzu lange Bettruhe halten. Eine ausreichende Versorgung mit speziellen Schmerzmitteln sollte gewährleistet und die Wirbelsäule durch einen orthopädischen Stützapparat, der an den Patienten angepasst ist, stabilisiert werden.

Durch längere Bettruhe schreitet der Verlust von Kalk aus den betroffenen Knochen schnell voran und der nächste Sinterungsbruch folgt rasch. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer Vertebroplastie und einer Kyphoplastie. Dabei wird unter Röntgenkontrolle der verantwortliche Materialdefekt im gebrochenen Wirbel mit einem speziellen Knochenzement aufgefüllt.

Ist dieses Verfahren möglich, kann schon bald nach dem operativen Eingriff eine schmerzfreie Remobilisation des Patienten erfolgen. Abgesehen von der unmittelbaren Versorgung des Sinterungsbruchs ist langfristig eine medikamentöse Behandlung der zugrunde liegenden Osteoporose wichtig, damit weitere Sinterungsbrüche verhindert werden können.

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Vorbeugung

Zur Prävention von Sinterungsbrüchen empfiehlt sich die rechtzeitige Behandlung von Osteoporose, die Brüchen an den Wirbeln in vielen Fällen vorausgeht. Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen und Überwachung der Knochendichte kann auf die Erkrankung geschlossen werden. Mittels entsprechender Medikamente und angemessener physischer Aktivität können die degenerativen Prozesse verlangsamt werden, die einen Sinterungsbruch begünstigen.

Bücher über Osteoporose

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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