Sindbis-Fieber

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Sindbis-Fieber

Das Sindbis-Fieber wird durch das Sindbis-Virus hervorgerufen, das vor allem in einigen afrikanischen Ländern durch Stechmücken übertragen wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Sindbis-Fieber?

Das Sindbis-Fieber ist eine Viruskrankheit, die grippeähnliche Symptome auslöst. Sie führt schließlich zu Gelenkentzündungen sowie häufig zu Hautausschlägen und ruft in Einzelfällen eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) hervor.

In vielen Fällen verläuft das Sindbis-Fieber jedoch unauffällig. Das Virus konnte außerhalb von Afrika auch in Europa (vor allem in Skandinavien), Asien und Australien sowohl bei Menschen als auch bei Mücken nachgewiesen werden. In Deutschland wurde erstmals im Jahr 2009 ein Erkrankungsfall bestätigt.

Sindbis-Fieber wird wegen der auftretenden Gelenkentzündungen auch als „Epidemische Polyarthritis“ bezeichnet. Das Sindbis-Virus existiert in sechs verschiedenen Ausprägungen, die sich allerdings recht ähnlich sind. Unterarten des Sindbis-Fiebers tragen die Bezeichnungen Ockelbo-, Karelisches und Pogosta-Fieber. Das Ockelbo-Fieber wurde erstmals 1982 in Schweden nachgewiesen und tritt auch in Finnland und im Westen Russlands auf.

Ursachen

Verursacht wird die das Sindbis-Fieber durch das gleichnamige Virus, das vor allem in Wirtsvögeln lebt. Die Erreger werden durch nachtaktive Mücken der artenreichen Gattung Culex übertragen, von denen in Mitteleuropa 16 Arten beheimatet sind und zu der auch die weit verbreitete „Gemeine Stechmücke“ (Culex pipiens) gehört. Dagegen ist eine Infizierung zwischen Menschen nicht möglich.

Vögel sind die hauptsächlichen Wirte des Sindbis-Virus. Nach Europa scheint das Virus nicht nur durch infizierte Reisende, sondern vor allem auch durch Zugvögel eingeschleppt worden zu sein.

Der 1952 im nordägyptischen Dorf Sindbis entdeckte Sindbis-Virus gehört zu den zwischen 60 und 70 Nanometer großen, sog. Alphaviren, bei denen es sich um umhüllte RNA-Viren handelt, die sich im Zytoplasma einer Zelle vermehren und wegen ihrer Übertragung durch Mücken auch als Arboviren bezeichnet werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Inkubationszeit (der Zeitraum zwischen Infizierung und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome) liegt bei Sindbis-Fieber zwischen drei und elf Tagen.

Zunächst treten bei Sindbis-Fieber Kopfschmerzen auf. Später kommt es zu Gelenkbeschwerden, von denen vor allem die Finger-, Hand- und Fußgelenke betroffen sind. Die Patienten fühlen sich abgeschlagen und ermüdet.

Schließlich entstehen Hautrötungen und Bläschen auf der Haut. In den ersten Krankheitstagen zeigen sich diese Hautveränderungen am Rumpf und an den Oberschenkeln und in einem späteren Krankheitsstadium auch an Handflächen und Fußsohlen.

Die Fieberentwicklung verläuft in zwei Schüben (biphasisch): Nach einem ersten Fieberschub ist ein Temperaturrückgang feststellbar, bevor es zu einer weiteren Temperaturerhöhung kommt.

Bei einzelnen Sindbis-Erkrankungen tritt Übelkeit und Erbrechen ein. Häufiger treten Rachenrötungen, Bindehautentzündungen (Konjunktivitis) und Lichtempfindlichkeiten (Photophobie) auf. Allerdings wurden auch chronische Krankheitsverläufe beobachtet, die zu jahrelangen Gelenkschmerzen führten. Mit einer Blutuntersuchung können gegen das Sindbis-Virus gebildete Antigene nachgewiesen werden.

Komplikationen

Im Verlauf der Erkrankung können Gelenkbeschwerden in den Finger-, Hand- und Fußgelenken auftreten. Bei Patienten mit Arthritis oder rheumatischen Beschwerden kann dies Schmerzschübe, Versteifungen und andere ernste Komplikationen hervorrufen. Bei einem schweren Verlauf entwickeln sich die Gelenkbeschwerden zu einer chronischen Erkrankung, die noch Jahre nach dem Abklingen des Sindbis-Fiebers Beschwerden hervorruft.

Des Weiteren kann es zu starkem Fieber kommen. In Einzelfällen steigt die Körpertemperatur auf 41°C oder höher und der Betroffene erleidet ernste Kreislaufbeschwerden. Die begleitend dazu auftretenden Magen-Darm-Beschwerden können unter anderem Mangelerscheinungen und Dehydration verursachen. Beides kann unbehandelt ernste gesundheitliche Komplikationen nach sich ziehen und bei Kindern, älteren Menschen und Erkrankten zum Tod führen.

Weitere mögliche Folgen des Sindbis-Fiebers sind Bindehautentzündungen, vorübergehende Lichtempfindlichkeit und langwierige Hautausschläge. Bei der Behandlung gehen die Risiken von verabreichten Schmerzmitteln aus. Präparate wie Ibuprofen und Diclofenac können unerwünschte Nebenwirkungen wie Magenblutungen oder Gliederschmerzen auslösen.

Schwere Magen-Darm-Beschwerden, Beeinträchtigungen der Blutbildung und Hautirritationen sind ebenfalls nicht auszuschließen. Wird die Erkrankung nicht richtig auskuriert, können sich chronische Beschwerden einstellen. Gelegentlich kommt es zu lange andauernden Gelenkentzündungen, Lungenentzündungen und wiederkehrenden Schmerzen.

Behandlung & Therapie

Das menschliche Immunsystem kann einer Infektion mit Sindbis-Viren gewöhnlich gut begegnen, so dass in vielen Fällen eine spezielle Therapie nicht erforderlich ist. Gewöhnlich bilden sich die Krankheitssymptome nach einigen Wochen ohne bleibende Schäden von selbst zurück.

Mit einer Behandlung der an Sindbis-Fieber erkrankten Patienten wird eine Linderung der Beschwerden angestrebt. Insbesondere werden Schmerzmittel verabreicht, die eine fiebersenkende Wirkung haben. Am besten eignen sich hierfür nicht-steroidale (kein Kortison enthaltende) Präparate wie Ibuprofen und Diclofenac. Der zu den entzündungshemmenden Antirheumatika gehörende Wirkstoff Ibuprofen kann allerdings Nebenwirkungen wie Magenblutungen auslösen, da das Präparat die Synthese der u. a. für die Blutgerinnung verantwortlichen Prostaglandine hemmt.

Der Wirkstoff Diclofenac ist ein Analgeticum (Schmerzmittel), das bei mittelschweren Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird. Als Nebenwirkungen können jedoch Magen-Darm-Beschwerden, Beeinträchtigungen der Blutbildung und Empfindlichkeiten gegen Sonnenlicht auftreten. Eine ursächliche, unmittelbar gegen das Sindbis-Virus gerichtete Therapie existiert noch nicht.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da ein Impfstoff gegen das Sindbis-Fieber nicht vorhanden ist, kann eine Vorbeugung gegen die Erkrankung nur durch einen konsequenten Mückenschutz erfolgen. Dazu gehören eine ausreichend dichte und möglichst helle Bekleidung, engmaschige Mückennetze und Insektenschutzmittel. Besonders die Fußgelenke sowie die Hände und der Hals-Nacken-Gesichtsbereich sollten mit mückenabschreckenden Präparaten eingerieben werden.

In Gebieten, in denen die Krankheit gehäuft auftritt, ist die Beseitigung möglicher Mückenbrutstätten in der Nähe von Häusern eine wichtige Prophylaxe-Maßnahme zur Vorbeugung gegen das Sindbis-Fieber.

Bücher über Reisekrankheiten in den Tropen

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Diesfeld, H.J., Krause, G., Teichmann, D.: Praktische Tropen- und Reisemedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: