Sichelfuß

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Der sogenannte Sichelfuß oder Pes adductus findet sich vor allem bei Säuglingen. Meist bildet sich diese Fußfehlstellung eigenständig wieder zurück oder kann therapeutisch behoben werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Sichelfuß

Der Sichelfuß wird auch als Pes adductus bezeichnet und ist eine Fußfehlstellung, die unter Säuglingen als die am häufigsten auftretende Fußfehlstellung gilt.

Ein Sichelfuß zeigt sich darin, dass der Vorderfuß eines Betroffenen eine Drehung nach innen aufweist. Diese Innenwölbung betrifft meist sowohl den Mittelfuß als auch die Zehen. Je nach Ursache eines Sichelfußes kann außerdem die Großzehe nach innen abweichen. Hierbei spricht man vom sogenannten Hallux varus. Die Fersenstellung ist bei einem Sichelfuß häufig nicht beeinträchtigt.

In vielen Fällen betrifft ein Sichelfuß beide Füße. In der Regel wird ein Sichelfuß weder von Schmerzen noch von Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit eines Betroffenen begleitet. Von der Fußstellung sind im Allgemeinen häufiger Jungen als Mädchen betroffen.

Ursachen

Die Ursache eines Sichelfußes liegt zunächst in einer verstärkt aktiven Muskulatur des sogenannten Großzehenadduktors (ein Muskel, der unter anderem für die Anlegung der Großzehe an den Fuß verantwortlich ist) oder des Schienbeinmuskels.

Dabei kann ein Sichelfuß angeboren oder erworben (nach der Geburt entwickelt) sein. Häufiger kommt der erworbene Sichelfuß vor, der meist weniger stark ausgeprägt ist als der angeborene Sichelfuß. Hinter dem erworbenen Sichelfuß verbirgt sich häufig die Tatsache, dass ein betroffener Säugling sich häufig in Bauchlage befindet, wodurch die Zehen oft auf der Unterlage aufliegen.

Ein bereits angeborener Sichelfuß kann schließlich erblich bedingt oder erworben sein. Erblich bedingt ist ein Sichelfuß dann, wenn beide Eltern eines betroffenen Säuglings entsprechende Erbmerkmale aufweisen. Ein erworbener, angeborener Sichelfuß ist vermutlich häufig bedingt durch die relative Enge der Gebärmutter.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Fußspitze und Fußverlauf zeigen zur Mitte (Form einer Sichel)
  • ebenso können auch Zehen nach innen zeigen
  • auch die Ferse kann abgeknickt sein

Diagnose & Verlauf

Diagnostiziert wird ein Sichelfuß meist aufgrund der sichtbaren, typischen Fehlstellung des Fußes bzw. der Füße. Wurde ein Hallux varus ausgebildet, lässt dies meist auf einen angeborenen Sichelfuß schließen.

Für die Diagnose eines Sichelfußes spricht außerdem, dass der Fuß bei Streichen über den äußeren Fußrand geradeaus gerichtet wird. Soll der Ausprägungsgrad eines Sichelfußes festgestellt werden, so eignet sich etwa eine Röntgenuntersuchung. Bei der großen Mehrheit der Betroffenen bildet sich ein Sichelfuß im Laufe der körperlichen Entwicklung selbstständig wieder zurück.

In den übrigen Fällen ist die Therapieprognose meist gut. In wenigen unbehandelten Fällen kann ein Sichelfuß auf lange Sicht zu Schmerzen, Arthrose und Bewegungseinschränkungen führen.

Komplikationen

Ein unbehandelter Sichelfuß kann in seltenen Fällen Komplikationen hervorrufen. Aufgrund der dauerhaften Fehlstellung des Fußes besteht das Risiko, dass der Mittelfuß versteift. Zudem nutzen sich die Fuß-, Knie- und Hüftgelenke stark ab, wodurch der Gelenkknorpel dauerhaft geschädigt wird. Begleitend dazu treten Knochenschäden auf – es kommt zur Arthrose und damit zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen.

Der veränderte Gang ist für viele Betroffene auch ein kosmetischer Makel, der als unangenehm empfunden wird. Langfristig kann eine Fehlstellung psychische Probleme wie zum Beispiel Minderwertigkeitskomplexe hervorrufen oder bestehende Leiden verstärken. Ein chirurgischer Eingriff kann die typischen Komplikationen hervorrufen: Blutungen, Infektionen und Nervenverletzungen. Besonders gefährdet sind die Gelenkkapseln, die im Rahmen der Operation Schaden nehmen können.

Dadurch kommt es zu Sensibilitätsstörungen und in seltenen Fällen zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen. Nach der Operation können Wundheilungsstörungen und Entzündungen auftreten. Gelegentlich stellt sich wieder eine Fehlstellung ein, die erneut operativ behandelt werden muss. Verordnete Schmerzmittel und Entzündungshemmer können Magen-Darm-Beschwerden, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie eine Reihe weiterer Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Auch allergische Reaktionen auf die verwendeten Mittel und Materialien sind nicht auszuschließen.

Behandlung & Therapie

In vielen Fällen muss ein Sichelfuß nicht medizinisch behandelt werden. Ist allerdings eine therapeutische Maßnahme notwendig, besteht diese häufig aus einer manuellen Korrektur des Sichelfußes beim Säugling; ist von einem Sichelfuß lediglich der Vorfuß betroffen, kann hier beispielsweise ein wiederholtes Drücken des betroffenen Fußes in die Normalstellung den Sichelfuß beheben.

Zu einer normalen Ausrichtung des Sichelfußes kann des Weiteren ein wiederholtes Streichen des Fußaußenrandes beitragen. Therapeutisch unterstützen können auch Schaumstoffringe, die an den Unterschenkeln eines vom Sichelfuß betroffenen Säuglings angebracht werden: Mithilfe der Schaumstoffringe kann in der Bauchlage verhindert werden, dass die Füße des Säuglings mit deren Außenrand auf der Unterlage liegen.

Weiterreichende therapeutische Schritte können notwendig werden, wenn neben dem Vorfuß auch der Mittelfuß vom Sichelfuß betroffen ist. In diesem Fall werden beispielsweise über einen Zeitraum von ca. 1 bis 3 Wochen Gipsverbände an den Oberschenkeln angebracht, die schließlich durch nachts zu tragende, sogenannte Lagerungsschalen ersetzt werden. Wenn betroffene Kinder dann laufen und stehen, können spezielle Schuheinlagen zur Korrektur des Sichelfußes verwendet werden. In wenigen Fällen können operative Eingriffe nötig sein, um einen Sichelfuß zu beheben.

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Vorbeugung

Ist ein Sichelfuß erblich bedingt, so kann dessen Entstehung in der Regel nicht vorgebeugt werden. Um einen erworbenen Sichelfuß zu verhindern, kann es hilfreich sein, bei einem Säugling in Bauchlage eine Fußinnendrehung zu vermeiden. Zeigen sich erste Anzeichen für einen Sichelfuß, kann es sinnvoll sein, ärztlichen Rat einzuholen; falls nötig können so frühzeitig Maßnahmen gegen den Sichelfuß ergriffen werden.

Bücher über Sichelfuß

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Niethardt, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012

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