Sialolithiasis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
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Als Sialolithiasis wird die Speichelsteinbildung bezeichnet. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Speicheldrüsen in Mitteleuropa.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Sialolithiasis?

Die Sialolithiasis ist eine der häufigsten Ursachen für Entzündungen der großen Kopfspeicheldrüsen. Behandlungsbedürftige Speichelsteinleiden entwickeln sich bei 25 bis 50 Menschen pro eine Million Einwohner. Die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen in Deutschland liegt damit zwischen 2200 und 5000. Am häufigsten treten Speichelsteine in den großen paarig angelegten Speicheldrüsen auf.

Dazu gehören die Unterkieferspeicheldrüsen (Glandulae submandibularis), die Unterzungenspeicheldrüsen (Glandulae sublingualis) und die Ohrspeicheldrüsen (Glandulae parotis). Nur in sehr seltenen Fällen sind die kleinen nichtpaarigen Speicheldrüsen wie die Glandulae linguales, die Glandulae buccales oder die Glandulae palatinae betroffen. Am häufigsten entwickeln sich Speichelsteine in der Glandula submandibularis.

Ursachen

Die Ursache der Sialolithiasis ist noch ungeklärt. Vermutlich begünstigen Stoffwechselstörungen, die mit einer erhöhten Kalziumkonzentration im Blutserum einhergehen, die Entstehung der Speichelsteine. Auch entzündliche Veränderungen und Behinderungen des Sekretabflusses können die Entstehung einer Sialolithiasis fördern.

Bei der Glandula submandibularis, der am häufigsten betroffenen Speicheldrüse, scheint der lange und teils gewundene Ausführungsgang bei der Entstehung eine Rolle zu spielen. Zudem produziert diese Speicheldrüse ein sehr visköses Sekret. Deshalb finden sich hier vermutlich die meisten Speichelsteine. Die einzelnen Steine bestehen aus einer organischen Zentralmatrix mit Einlagerungen von Kalziumphosphat.

Die Konkremente können mehrere Millimeter groß werden. Die meisten Menschen entwickeln Speichelsteine zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr. Doch auch im Kindesalter kann eine Sialolithiasis beobachtet werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Weil die Ausführungsgänge der betroffenen Speicheldrüsen von den Steinen komplett oder teilweise verlegt werden, kommt es nach der Anregung der Speichelsekretion zu Beschwerden. Da die Speichelsekretion insbesondere kurz vor, beziehungsweise während des Essens angeregt wird, entstehen hier die meisten Beschwerden. Charakteristisch für die Sialolithiasis ist die Kombination aus Schmerzen und Schwellung.

Bei 50 Prozent der Patienten treten diese beiden Symptome zusammen auf. Bei 46 Prozent der Patient entwickelt sich ausschließlich eine Schwellung. Schmerzen sind nicht vorhanden. Wenn Schmerzen und Schwellung gemeinsam auftreten, wird dies auch als Speichelsteinkolik (Colica salivaria) bezeichnet. Zusätzlich können weitere Entzündungszeichen wie Rötung oder Überwärmung auftreten. Nach Beendigung der Speichelsekretion klingen die Symptome normalerweise langsam wieder ab.

Bei einem längeren Krankheitsverlauf kann die Schwellung aber persistieren. Dies ist ein Hinweis auf eine ständige Verlegung des Ausführungsganges. Wenn die Speicheldrüsen massiert werden oder wenn eine akute Entzündung vorliegt, kann sich eitriges Sekret aus dem Ausführungsgang in die Mundhöhle entleeren. Dadurch kommt es zu Geschmacksmissempfindungen. Als Komplikationen können sich Abszesse, phlegmonöse Entzündungen oder Fisteln entwickeln.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei jeder unklaren Schwellung einer Speicheldrüse und bei jeder eitrigen Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis) sollte an ein Speichelsteinleiden gedacht werden. Bei der Palpation des Mundbodens und der Unterkieferspeicheldrüse lassen sich in den meisten Fällen Steine ertasten. Dafür müssen die Steine allerdings mindestens vier Millimeter groß sein.

Parotissteine können aufgrund der anatomischen Lage des Speichelgangsystems nicht ertastet werden. Zur genauen Diagnostik der Größe und der Lokalisation der Steine sind bildgebende Verfahren erforderlich. Untersuchungsverfahren der Wahl ist die Ultraschalluntersuchung im B-Bild. Mit hochauflösenden Schallköpfen können bereits Steine mit einer Größe von 1,5 Millimetern entdeckt werden. Zudem können die genaue Lokalisation und die Steinanzahl genau festgestellt werden.

Aufgrund ihrer Zusammensetzung sind nur 60 bis 90 Prozent aller Steine im Röntgenbild sichtbar. Bei Röntgenaufnahmen müssen zudem Phleboliten, verkalkte Lymphknoten und verkalkte intravaskuläre Thromben differenzialdiagnostisch abgeklärt werden. Eine Sialografie ist in der Regel nicht erforderlich. Bei der Sialografie wird ein Kontrastmittel in die Gänge der Speicheldrüsen injiziert.

Im Röntgenbild werden dadurch Obstruktionen durch Steine sichtbar. Bei unklaren Schwellungen der Kopfspeicheldrüsen kann zusätzlich eine Speichelgangendoskopie durchgeführt werden. Sie dient der Differenzierung von Steinen, entzündlichen Veränderungen und Gangstrikturen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei der Sialolithiasis zu Beschwerden, wenn die Ausscheidung von Speichel angeregt wird. Dabei kann es zum Beispiel zu starken Beschwerden und Komplikationen bei der Einnahme von Essen oder Flüssigkeiten kommen, sodass der Betroffene an Gewicht verliert oder an einer Dehydrierung leidet. Auch Schmerzen können dabei beim Essen auftreten und sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken.

Weiterhin leiden die meisten Patienten auch an Schwellungen oder an Entzündungen, sodass die betroffenen Areale rot gefärbt sich oder möglicherweise mit einem Juckreiz befallen sind. Auch Störungen des Geschmacksempfinden können durch die Sialolithiasis auftreten. Weiterhin bilden sich im Mundraum Fisteln oder Abszesse und die Schmerzen verstärken sich. In einigen Fällen können die Beschwerden der Sialolithiasis auch wieder von alleine verschwinden, sodass es zu einer Selbstheilung kommt.

Bei der Behandlung dieser Erkrankung kommen in der Regel Medikamente zum Einsatz. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf und es kommt zu einem positiven Krankheitsverlauf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Erkrankung nicht verringert, falls diese rechtzeitig behandelt wird.

Therapie & Behandlung

Zur Behandlung der Sialolithiasis stehen verschiedene invasive und minimalinvasive Verfahren zur Verfügung. Die Therapie wird abhängig von der Steinlokalisation und der Steingröße gewählt. Oberstes Behandlungsziel ist die Steinfreiheit. Wenn große Steine vorliegen und die Beschwerden sehr ausgeprägt sind, kann aber auch Beschwerdefreiheit als Erfolg gewertet werden.

Erstmalig diagnostizierte nichteitrige Speichelsteinleiden können zunächst mit Sekret stimulierenden Maßnahmen und mit Drüsenmassagen behandelt werden. Dadurch bessern sich die Beschwerden in der Regel recht schnell und kleinere Steine gehen spontan ab. Mit speziellen Fangkörbchen können kleinere Steine ebenfalls einfach entfernt werden.

Eine akute und eitrige Sialolithiasis muss immer mit Staphylokokken- und Streptokokken-wirksamen Antibiotika behandelt werden. Abschwellende Medikamente und Schmerzmittel kommen zusätzlich zum Einsatz. Eine abszedierende Entzündung ist immer eine Indikation für einen sofortigen chirurgischen Einsatz.

Häufig wird eine sogenannte Gangschlitzung durchgeführt. Der Eingriff kann fast immer mit lokaler Betäubung durchgeführt werden. Alternativ kann auch das Verfahren der intrakorporalen Lithotripsie eingesetzt werden. Das Verfahren beruht auf der lokalen Erzeugung von Stoßwellen. Diese induzieren eine mechanische Zerstörung der Speichelsteine.

Bei Patienten mit Gerinnungsstörungen der bei Patienten mit einer akuten Entzündung darf das Verfahren nicht angewendet werden. In seltenen Fällen kann eine Drüsenexstirpation, also eine chirurgische Entfernung der Unterkieferspeicheldrüse, erforderlich sein. Da es bei der Operation zu Verletzungen des Nervus lingualis, des Nervus hypoglossus und des Ramus marginalis kommen kann, sollte die Drüsenexstirpation nur dann durchgeführt werden, wenn es keine drüsenerhaltenden Behandlungsoptionen gibt.

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Vorbeugung

Der Sialolithiasis lässt sich nur bedingt vorbeugen. Es sollte auf eine gründliche Zahnpflege und Mundhygiene geachtet werden.

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Quellen

  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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