Sialadenose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. Oktober 2017
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Unter Sialadenose verstehen Mediziner eine Erkrankung des Drüsengewebes (Drüsenparenchym) in den Speicheldrüsen. Dieser auf eine Sekretionsstörung der Speicheldrüse zurückzuführende Krankheit liegt jedoch keine Entzündung zugrunde. Gelegentlich wird die Sialadenose auch als Sialose bezeichnet. In Fachkreisen gilt diese Bezeichnung jedoch als veraltet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Sialadenose?

Professor Dr. Seifert von der Universität Hamburg definierte im Jahre 1976 die Sialadenose als eine nichtentzündliche, parenchymatöse (das Gewebe betreffend) Speicheldrüsenerkrankung, die auf Stoffwechsel- und Sekretionsstörungen des Drüsengewebes (Drüsenparenchym) beruht. In den meisten Fällen kommt es hierbei zu einer teigartigen Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea).

Gelegentlich sind auch andere größere Speicheldrüsen von der Krankheit betroffen. Als Ursachen werden Fehlsteuerungen des vegetativen Nervensystems benannt. Nicht zwingend kommt es zu schmerzhaften Symptomen in den betroffenen Regionen. Häufig wird die Erkrankung spät oder gar nicht bemerkt und auch von Spezialisten nicht eindeutig diagnostiziert.

Anders als bei der Sialadenitis sind weder Entzündungen noch tumorartige Erscheinungen ursächlich für die Erkrankung. Begleiterscheinung der Sialadenose ist eine Erweiterung des Gewebes, hervorgerufen durch eine Zellvergrößerung beziehungsweise eine Vergrößerung des Zellvolumens (Hypertrophie). Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) klassifiziert die Sialadenose unter „Sonstige Krankheiten der Speicheldrüse“ (K11.8).

Ursachen

Häufigste Ursachen für die Sialadenose sind Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen sowie Beeinträchtigungen der Drüsen, die ihre Produkte direkt ins Blut abgeben. Auch Lebererkrankungen und neurogene Störungen können ursächlich sein. In manchen Fällen kann auch eine falsche medikamentöse Behandlung zu einer Erkrankung führen.

Außerdem können noch eine ganze Reihe weiterer Faktoren in Betracht gezogen werden, die allesamt zu einer Störung der Speichelausscheidung aus den Speicheldrüsen führen können. Alkoholismus kann insbesondere im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose ebenso ursächlich sein, wie ein chronischer Vitamin- oder Eiweißmangel. Auch einer Mangelernährung bei nervlich bedingter Appetitlosigkeit kann die Krankheit verursachen.

Besonders gefährdet sind ebenfalls Menschen, die an Diabetes oder einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse leiden. Seltener, jedoch nicht zu unterschätzen, sind Erkrankungen der Nebennieren und eine hormonelle Umstellung - etwa in den Wechseljahren - als ursächlich zu benennen. Einige Medikamente können ebenfalls die Speichelausscheidung in der Mundhöhle beeinträchtigen, was zu einer krankheitsfördernden Ansammlung an Speichel führen kann.

Dies kann eine Schwellung in den Speicheldrüsen hervorgerufen. Zu diesen Medikamenten zählen vor allem sogenannte Anticholinergika, das Antibiotikum Ethambutol, das zur Behandlung von Tuberkulose angewandt wird und Phenothiazine, die häufig bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Sialadenose führt zu einer meist schmerzfreien Schwellung beider Ohrspeicheldrüsen. Sie erfolgt in der Regel beidseitig und symmetrisch. Durch die Beeinträchtigung der Drüsenfunktionen kann es auch zu einer Mundtrockenheit (Xerostomie) kommen.

Ein direkter Zusammenhang zwischen den Schwelllungen und der Nahrungsaufnahme besteht jedoch nicht. In selteneren Fällen sind auch andere Speicheldrüsen verdickt. Im Gegensatz zu bakteriell oder entzündlich herbeigerufenen Schwellungen, kommt es in den meisten Fällen bestenfalls zu einem leichten Spannungsschmerz.

Das Volumen der Drüsenzellen, Mediziner sprechen von Azinuszellen, kann bis auf das Dreifache des Normalzustandes anschwellen. Frauen sind von der Krankheit häufiger betroffen als Männer, besonders in der Zeit nach der Pubertät, einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Sialadenose kann in vielen Fällen ohne großem technischen Aufwand anhand der typischen Schwellungen der Drüsen festgestellt werden. Sicherheit bietet eine Magnetresonanztomografie, mehrheitlich auch unter „Kernspintomographie“ bekannt. Diese ist jedoch in der Regel nur notwendig, um sie nach dem „Ausschlussverfahren“ von anderen Krankheiten abzugrenzen.

Zu diesen zählen unter anderem bakterielle Entzündungen (Sialadenitis), Speicheldrüsensteine (Sialolithiasis), Mumps (Parotitis epidemica), tumorartige Erkrankung der Drüsen oder auch eine Vergrößerung des Gewebes durch eine Überbeanspruchung (Hypertrophie). Diese Erkrankungen weisen ähnliche Symptome auf, sind aber von einer Sialadenose zu unterscheiden. Gelegentlich kann auch eine Entnahme von Gewebeproben aus dem angeschwollenen Organ Aufschluss über die Erkrankung geben.

Komplikationen

Die Sialadenose kann zu verschiedenen Beschwerden führen. In erster Linie kommt es dabei zu einer starken Schwellung der Speicheldrüsen an den Ohren. Diese Schwellungen sind zwar nicht in jedem Fall sichtbar, können allerdings zu ästhetischen Beschwerden und damit zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder auch zu Minderwertigkeitskomplexen führen.

Ebenso kommt es bei dieser Erkrankung sehr häufig zu einem trockenen Mund, wobei die Trockenheit in der Regel nicht miti Hilfe einer Flüssigkeitszufuhr ausgeglichen werden kann. Auch Schmerzen können dabei im Gesicht oder an den Ohren auftreten. Sollten die Schmerzen dabei auch in der Nacht auftreten, kann es dadurch zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Gereiztheit des Betroffenen kommen.

Die Behandlung der Sialadenose ist in den meisten Fällen nicht mit Komplikationen verbunden. Die Beschwerden können meistens mit der Einnahme von Medikamenten gut eingeschränkt werden. In einigen Fällen sind allerdings auch operative Eingriffe notwendig, die aufgrund von ästhetischen Beschwerden stattfinden. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird dabei durch die Erkrankung nicht negativ beeinflusst. Weiterhin können auch Cremes und Salben verwendet werden, die die Schwellungen verringern.

Behandlung & Therapie

Eine direkte Behandlung der Sialadenose ist nicht möglich. Daher wird der behandelnde Arzt sich bei der Therapie auf die Erforschung der Ursachen beschränken und versuchen, diesen entgegenzuwirken. In fast allen Fällen liegt der Sialadenose eine andere Erkrankung zu Grunde. Ist sie beispielsweise das Ergebnis einer falschen Medikamentierung, kann versucht werden, die verabreichten Medikamente durch andere zu ersetzen.

Zwar kann der Arzt Arzneimittel verabreichen, die den Speichelfluss fördern, dies kann jedoch bestenfalls die Symptome, nicht aber die Erkrankung selbst lindern. Zur Minderung der Symptome kann auch das Lutschen von Butterstücken oder Pilocarpin in Erwägung gezogen werden. Auch die Anwendung abschwellender Salben wird unter Umständen nur eine kurzfristige Linderung der Symptome hervorrufen und ist für die Behandlung nicht sonderlich geeignet.

Ein Blutbild kann dem Arzt Aufschluss über eine eventuelle Unterversorgung im Blut bringen. Dieser kann dann versuchen, den Mangel durch Verabreichen entsprechender Präparate oder Verschreibung von Diäten auszugleichen. Nur in sehr seltenen Fällen wird zu operativen Mitteln gegriffen.

Der Chirurg wird bei diesen Eingriffen die betroffenen Stellen der Speicheldrüsen verkleinern. Nur in sehr schweren und seltenen Fällen wird die Ohrspeicheldrüse vollständig entfernt. Operative Eingriffe finden fast ausschließlich aus kosmetischen Gründen statt.

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Vorbeugung

Einer Sialadenose kann nur indirekt vorgebeugt werden. Vorbeugend kann daher nur die Behandlung beziehungsweise Vorbeugung der ihr zugrundeliegenden Erkrankung wirken. Nicht selten besteht ein Zusammenhang zur Ernährung. Daher ist es Ratsam, diese von Zeit zu Zeit zu überprüfen und gegebenenfalls in Frage zu stellen. Der Arzt kann anhand eines Blutbilds mögliche Risiken erkennen. Ein vernünftiger Umgang mit Genussmitteln, vor allem Alkohol, kann ebenfalls das Risiko einer Erkrankung mindern.

Bücher über Mundgeruch

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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