Severe Combined Immunodeficiency

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
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Die Severe Combined Immunodeficiency (SCID) ist ein Sammelbegriff für schwere angeborene Immundefekte, bei welchen immer T-Lymphozyten fehlen. Einem SCID liegt stets eine Genmutation zugrunde. Unbehandelt führt dieser Immundefekt unweigerlich zum Tod.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Severe Combined Immunodeficiency?

Die deutsche Übersetzung für den englischen Begriff Severe Combined Immunodeficiency lautet sinngemäß schwerer kombinierter Immundefekt. Dabei fasst die Severe Combined Immunodeficiency oder SCID mehrere unterschiedliche erblich bedingte Immunstörungen zusammen. Das gemeinsame Merkmal aller unter diesem Begriff bezeichneten Erkrankungen ist das Fehlen von T-Lymphozyten.

Je nach Immundefekt können teilweise auch B-Lymphozyten und natürliche Killerzellen (NK-Zellen) fehlen oder unzureichend vorhanden sein. Die T-Lymphozyten steuern die zelluläre Immunantwort. Beim SCID findet also die Abwehr von infizierten Zellen nicht mehr statt. Gleichzeitig kann aber auch die antikörperbedingte Abwehr von Antigenen durch die B-Lymphozyten oder die Funktion der natürlichen Killerzellen beeinträchtigt sein.

Der Immundefekt beginnt bereits kurz nach der Geburt und führt zu schweren und immer wiederkehrenden Infektionen mit ungewöhnlichen Krankheitserregern. Infektionen, die bei Personen mit gesundem Immunsystem normalerweise harmlos sind, verlaufen bei diesen Immundefekten sehr schwer und enden unbehandelt gewöhnlich tödlich.

Die Severe Combined Immunodeficiency muss differenzialdiagnostisch von den erworbenen Immundefekten aufgrund von schweren Erkrankungen oder schädigenden Umwelteinflüssen unterschieden werden, um die richtige Behandlungsstrategie festzulegen. Insgesamt kommen auf 100 000 Neugeborene ein bis zwei Kinder, die von SCID betroffen sind.

Ursachen

Ein SCID wird immer durch einen Gendefekt verursacht. Meist handelt es sich um autosomal-rezessive oder x-chromosomale Veränderungen. Aufgrund der Ursachen kann der SCID in drei Formen eingeteilt werden. Die Severe Combined Immunodeficiency wird unter anderem durch Defekte von Zytokinrezeptor-Genen, Antigen-Rezeptor-Genen oder Adenosin-Desaminase-Gene (ADA-Gene) ausgelöst.

Bei den entsprechenden Zytokinrezeptoren handelt es sich um Rezeptoren für die Bindung von Interleukinen. Interleukine sind bekannt für die Aktivierung der Immunreaktion. Wenn wiederum Antigen-Rezeptoren defekt sind, können die Antigene nicht an der Zelloberfläche gebunden werden, sodass eine zelluläre Immunantwort ausbleibt. Schließlich sorgen die ADA-Gene für den Abbau von Purinen.

Bei einem Gendefekt an einem der ADA-Gene sammeln sich die Purine im Körper an und werden größtenteils in dATP (Desoxyadenosidtriphosphat)umgewandelt. Desoxyadenosidtriphosphat hemmt wiederum ein Enzym, welches für die DNA-Synthese verantwortlich ist. Die verringerte DNA-Synthese verhindert eine schnelle Bildung von T-Lymphozyten und anderen Immunzellen. Beim SCID spielen Defekte der Zytokinrezeptor-Gene die größte Rolle.

Zu fast 50 Prozent ist eine Mutation auf einem x-chromosomalen Gen für die Severe Combined Immunodeficiency verantwortlich. Dieses Gen codiert für mehrere Interleukin-Rezeptoren wie unter anderem den Interleukin-2-Rezeptor. Aufgrund dieser Mutation können keine Vorläufer mehr von T-Lymphozyten und NK-Zellen gebildet werden. Bei den restlichen meist autosomal-rezessiv vererbbaren Gendefekten kommt es außerdem zu Veränderungen von Interleukin-Rezeptoren, Defekten von Antigen-Rezeptoren und Störungen der DNA-Synthese.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Meist macht sich der SCID bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter bemerkbar. Nur in sehr seltenen Fällen treten die ersten Symptome später auf. So gibt es sogar Verlaufsformen, die erst im Erwachsenenalter beginnen. Für betroffene Säuglinge und Kinder sind besonders Gedeihstörungen typisch, die sich in Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen äußern.

Charakteristisch sind außerdem ständig wiederkehrende und schwere Infektionen. Besonders häufig werden rezidivierende Lungenentzündungen beobachtet. Aber auch Mittelohrentzündungen, Bronchitis oder Pilzerkrankungen kommen oft vor.

Des Weiteren treten ständig Durchfälle und Verdauungsstörungen auf. Die Infektionen verlaufen in der Regel sehr schwer. Wie bei anderen Immundefekten erkranken die betroffenen Patienten häufig an Infektionen mit normalerweise harmlosen Keimen, Viren oder Pilzen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein SCID kann durch die Bestimmung der Antigene auf Leukozyten nachgewiesen werden. Diese Antigene werden fluoreszenzmarkiert und durch Immunphänotypisierung bestimmt. Wenn keine oder nur wenige Antikörper gefunden werden, kann von einem SCID ausgegangen werden.

Typisch sind außerdem ein kleiner Thymus, eine Lymphopenie unter 1500 Kubikmillimeter, fehlende Lymphknoten und fehlende Mandeln. Im Gegensatz zu den Lymphozyten ist die Anzahl der Granulozyten meist normal. Mittels einer Elektrophorese kann ein Fehlen von Gammaglobulinen festgestellt werden. Auch ein Impfversagen deutet auf einen SCID hin.

Vor der Durchführung genetischer Untersuchungen wird jedoch noch kontrolliert, ob eventuell bestimmte Antikörper gebildet wurden. Bei der molekulargenetischen Untersuchung kann nun der genaue Typ des SCID bestimmt werden. Möglich ist auch bei fast allen SCID-Erkrankungen bereits eine pränatale Diagnostik.

Komplikationen

Die Severe Combined Immunodeficiency führt zu einer Reihe unterschiedlicher Beschwerden und Symptome. In der Regel treten diese dabei schon im Kindesalter auf und wirken sich sehr negativ auf die Entwicklung des Kindes aus. Die Betroffenen leiden an starken Verzögerungen der Entwicklung und des Wachstums. Bei Kindern kann es dadurch häufig zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen, was mit psychischen Beschwerden oder leichten Depressionen einhergehen kann.

Auch Schluckstörungen können sich im Verlauf der Severe Combined Immunodeficiency bemerkbar machen und sich negativ auf das Essverhalten des Kindes auswirken. Die betroffenen Kinder leiden dabei häufig an Entzündungen in der Lunge und ebenso an einem chronischen Durchfall. Die Lebensqualität der Patienten wird von der Erkrankung deutlich verringert und eingeschränkt.

Bei der Behandlung von Severe Combined Immunodeficiency treten keine Komplikationen auf. Mit Hilfe von Antibiotika und anderen Medikamenten können die Infektionen und Entzündungen meist gut behandelt werden. Die Entwicklungsstörungen werden bei einem Psychologen oder durch verschiedene Therapien behandelt. Ob es dabei allerdings zu einer vollständigen Heilung kommt, kann nicht universell vorausgesagt werden. Allerdings ist die Lebenserwartung des Patienten in der Regel nicht verringert oder anderweitig eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Ein schwerer kombinierter Immundefekt muss zunächst symptomatisch behandelt werden. Dabei geht es vor allem darum, das Infektionsrisiko zu minimieren. Das wird unter anderem dadurch erreicht, dass die betreffenden Patienten unter sterilen Bedingungen leben müssen. Dabei müssen sie sich beispielsweise ständig unter einem Plastikzelt aufhalten, welches sie von der Außenwelt abschirmt.

Wenn eine Infektion auftritt, ist eine sofortige medikamentöse Behandlung notwendig. Bei einer bakteriellen Infektion werden entsprechende Antibiotika eingesetzt. Pilzinfektionen erfordern den Einsatz von Antimykotika und Vireninfektionen den von Virostatika. Durch diese Maßnahmen kann allerdings lediglich das Leben verlängert werden.

Eine wirkliche kurative Therapie stellt eine Transplantation von Blutstammzellen geeigneter Spender dar. Dabei ist eine dauerhafte Heilung möglich. Allerdings kann es dabei auch zu gesundheitlichen Nebenwirkungen aufgrund der notwendigen Chemotherapie kommen. Versucht wurden auch direkte Gentherapien, die anfänglich gute Erfolge versprachen und später jedoch häufig Leukämien auslösten.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor einem SCID ist nicht möglich, weil es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt. Bei familiärer Häufung und Kinderwunsch wird eine humangenetische Beratung zur Senkung des Risikos für die Nachkommen empfohlen.

Bücher über Infektanfälligkeit & Immunschwäche

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Peter, H.-H., Pichler, W.J. (Hrsg.): Klinische Immunologie. Urban & Fischer, München 2012
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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