Serumkrankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
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Anders als unmittelbare allergische Reaktionen treten Symptome der Serumkrankheit mit zeitlicher Verzögerung auf. Im Bedarfsfall sind Beschwerden medizinisch zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Serumkrankheit?

Bei der Serumkrankheit handelt es sich um eine verzögerte Überempfindlichkeitsreaktion der körpereigenen Abwehr. Im Rahmen der Serumkrankheit richtet sich diese Immunreaktion vor allem gegen artfremde Proteine (Eiweiße), die über die Blutbahn in den Organismus gelangen (vor allem mithilfe von Injektionen bzw. Spritzen).

Meist tritt die Serumkrankheit erst nach mehrmaliger Konfrontation des Körpers mit einem entsprechenden Eiweiß auf. Seltener kann sich die verzögerte Immunreaktion aber auch bereits nach einmaliger Eiweißzufuhr einstellen. Als verzögert werden Überempfindlichkeitsreaktionen im Rahmen der Serumkrankheit bezeichnet, weil Symptome meist erst ca. 7-14 Tage nach Konfrontation des Organismus mit einem Protein auftreten.

Zu den typischen Symptomen, die mit der Serumkrankheit einhergehen können, zählen beispielsweise Gelenkschmerzen, Ausschläge, Schwellungen der Lymphknoten, Schmerzen an den Gelenken und plötzliches Fieber.

Ursachen

Substanzen, die beim Menschen eine Serumkrankheit hervorrufen können, sind beispielsweise Antiseren und Impfseren. Bei Anti- und Impfseren als mögliche Ursache der Serumkrankheit handelt es sich um aufbereitete Antikörper (durch das Immunsystem produzierte Eiweiße), die aus dem Blut von Menschen oder Säugetieren gewonnen werden.

Als Antiseren werden dabei im Speziellen Substanzen bezeichnet, die bei der Bekämpfung von Vergiftungen eingesetzt werden. Impfseren finden dagegen zum Zweck der sogenannten Passivimpfung (der Verabreichung spezieller Antikörper) Anwendung. Reagiert der Körper auf die Gabe entsprechender Eiweiße nun seinerseits mit einer nicht gewünschten Antikörperbildung, so tritt die Serumkrankheit ein:

Die körpereigenen Immunreaktionen rufen kontinuierliche Veränderungen an Gefäßen und/oder weiteren Körperstrukturen hervor, die sich schließlich nach einigen Tagen in krankheitstypischen Symptomen äußern.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der ärztliche Verdacht auf eine vorliegende Serumkrankheit basiert häufig zunächst auf charakteristischen Beschwerden eines Betroffenen. Weitere diagnostische Hinweise erhält der behandelnde Arzt dann in der Regel im Rahmen eines Patientengesprächs (hier berichtet der Betroffene beispielsweise über das Einsetzen entsprechender Beschwerden und seine Krankenvorgeschichte).

Häufig müssen in einem nächsten Schritt andere Erkrankungen geprüft bzw. ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome wie die der Serumkrankheit aufweisen; hierzu zählen vor allem Masern und Scharlach (durch Viren bzw. Bakterien hervorgerufene Infektionskrankheiten).

Der Verlauf der Serumkrankheit ist unter anderem von der individuell ausgeprägten Symptomatik abhängig. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden, die mit der Serumkrankheit einhergehen, nach einigen Tagen selbstständig wieder ab. Erfolgt keine erneute Konfrontation des Organismus mit den krankheitsverursachenden Seren, so unterbleiben meist erneute Symptome.

Komplikationen

In der Regel heilt die Serumkrankheit innerhalb von 14 Tagen von alleine aus. Komplikationen treten selten auf. Die Schwere der Immunreaktion ist jedoch von der Art und Menge des eingesetzten Antigens abhängig. Normalerweise kommt es im Zeitraum von 4 bis 21 Tagen nach dem Kontakt mit dem Antigen wie Serum, Insektenstich oder Medikament lediglich zu Fieber, Schwellungen der Lymphknoten und Hautjucken.

In selteneren Fällen sind jedoch auch Komplikationen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis), Entzündungen der Nieren (Nephritis) oder Darmentzündungen (Enteritis) möglich. Diese sind nicht bakteriell bedingt, sondern treten im Rahmen von Immunreaktionen auf. Ihr Verlauf ist abhängig von der Heftigkeit der immunologischen Prozesse.

Bei besonders schweren Verläufen kann es sogar zu einem lebensgefährlichen Kreislaufschock kommen. Wenn ein Kreislaufschock eintritt, ist dringende medizinische Nothilfe erforderlich, um den lebensgefährlichen Zustand zu beenden. Während des Schocks sinkt der Blutdruck sehr stark ab. Außerdem treten kalter Schweiß, Zyanose und Durstgefühl auf. Dadurch kommt es zur Unterversorgung des Körpers und besonders des Gehirns mit Sauerstoff.

Auch ein plötzliches Nierenversagen kann eintreten. Das Hauptaugenmerk bei der Behandlung des Schocks muss auf der Stabilisierung des Blutdruckes liegen. In den allermeisten Fällen ist eine Behandlung der Serumkrankheit jedoch nicht notwendig, weil die Symptome von alleine verschwinden. Allerdings müssen bei besonders heftigen Erkrankungsfällen Immunsuppressiva wie Kortikosteroide gegeben werden.

Behandlung & Therapie

Aufgrund des meist selbstständigen Abklingens von Symptomen der Serumkrankheit ist eine medizinische Behandlung in vielen Fällen nicht notwendig.

Verursachen entsprechende Beschwerden beim Patienten allerdings einen hohen Leidensdruck und konnten alternative Ursachen auftretender Symptome diagnostisch ausgeschlossen werden, können Behandlungsschritte zum Einsatz kommen, die lindernde Wirkung haben. Einer solchen Symptombehandlung bei vorliegender Serumkrankheit dienen beispielsweise Antihistaminika oder Corticosteroide. Das zu den Corticosteroiden zählende Kortison ist unter anderem in der Lage, Prozesse des Immunsystems zu beeinflussen und auf diese Weise körpereigene Überempfindlichkeitsreaktionen im Rahmen einer Serumkrankheit zu hemmen.

Sogenannte Antihistaminika schwächen in der Symptombekämpfung der Serumkrankheit etwa die körpereigene Bildung und/oder den Wirkungsgrad von Histaminen - Histamine wiederum sind an der Entstehung von Entzündungsreaktionen beteiligt. In der Folge können Antihistaminika also Entzündungsprozesse und damit verbundene Symptome im Rahmen einer Serumkrankheit bremsen.

Bei sehr schweren Verläufen der Serumkrankheit kann in seltenen Fällen darüber hinaus eine sogenannte Plasmapherese notwendig werden. Hierbei handelt es sich um einen Austausch des Blutplasmas eines betroffenen Patienten; das körpereigene Blutplasma wird beispielsweise durch Plasmakonzentrate gesunder Plasmaspender ersetzt.

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Vorbeugung

Ist einer Person bekannt, welche Seren bei ihr die Serumkrankheit hervorrufen, so beugt das Meiden eines Injizierens entsprechender Substanzen in der Regel einem Krankheitsausbruch vor. Da die Serumkrankheit meist nur in Reaktion auf artfremde Seren auftritt, können Symptome der Erkrankung beispielsweise häufig verhindert werden, indem bei Therapie- bzw. Impfbedarf ausschließlich humane (arteigene bzw. menschliche) Serumpräparate verwendet werden.

Bücher über Hautausschlag

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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