Senior-Løken-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Das sehr selten auftretende Senior-Løken-Syndrom (SLSN) verkörpert eine von vielen möglichen Formen einer erblichen Ziliopathie. Das autosomal-rezessiv vererbbare Syndrom ist durch die Assoziation einer Nephronophthise, einer Sonderform der interstitiellen Nierenentzündung und einer Netzhautdegeneration (Retina-Dystrophie) gekennzeichnet. Je nach Art der genetischen Defekte treten Symptome der Netzhautdegeneration bereits während oder kurz nach der Geburt auf oder erst später im Kindesalter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Senior-Løken-Syndrom?

Das Senior-Løken-Syndrom (SLSN) stellt eine von etwa 20 bekannten Formen einer Ziliopathie dar. Die Abgrenzung zu anderen Formen von Ziliopathien besteht im gleichzeitigen Auftreten einer Nephronophthise (interstitielle Nierenentzündung) und einer Netzhaut-Dystrophie mit schweren bis schwersten Beeinträchtigungen des Sehvermögens.

Eine exakte Abgrenzung des SLSN zu anderen Ziliopathien ist nicht immer möglich, weil es genetische und phänotypische Überschneidungen mit anderen Ziliopathien gibt. Zilien spielen eine große Rolle bei Bewegungen von Zellen und bei der extrazellulären „Beförderung“ fester und flüssiger Stoffe sowie bei vielen sensorischen Prozessen als Impulsauslöser.

Zilien sind Zytoplasma enthaltende Ausstülpungen der Zellmembrane. Ziliopathien, Funktionsstörungen der Zilien, wirken sich daher nahezu systemisch auf viele Stoffwechselprozesse und auf sensorische Leistungen aus. Die Netzhautdegeneration, die mit dem Senior-Løken-Syndrom assoziiert ist, hat zwei unterschiedliche Verlaufsformen.

Die Lebersche Amaurose stellt dabei die schwerwiegendere Form dar, die sich bereits während und kurz nach der Geburt durch Gesichtsfeldeinschränkungen und abgeschwächte Pupillenreaktionen sowie durch Nystagmen bemerkbar macht.

Ursachen

Das Senior-Løken-Syndrom wird wie auch die Vielzahl anderer Ziliopathien ausschließlich durch oligogene bis polygene Defekte verursacht. Insgesamt stehen Mutanten von sieben verschiedenen Genen auf unterschiedlichen Loci als Auslöser der SLNS im Fokus. Zukünftig könnten sich noch weitere Gene hinzugesellen, weil Forschungen auf diesem Gebiet noch nicht abgeschlossen sind.

Die Gene, die für Proteine der Zilien kodieren, haben wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung und damit auch auf die Funktionsfähigkeit der Photorezeptoren in der Netzhaut und auf die Zellen des Tubulusepithels der Nieren. Da die Krankheit autosomal rezessiv vererbt wird, kann sie nur auftreten, wenn die Gendefekte auf beiden Chromosomen vorhanden sind und aufeinandertreffen.

Bei der Kombination „gesundes“ Gen und mutiertes Gen setzt sich die Kodierung des nicht-mutierten Gens durch, so dass das SLNS nicht in Erscheinung tritt, obwohl die genetische Veranlagung latent vorhanden ist.

Es besteht (noch) kein vollständiges Verständnis über die Zusammenhänge der genetischen Defekte, die zum Ausbruch der Krankheit führen. In der Diskussion stehen auch epistatische Interaktionsketten bestimmter Gene, also Interaktionen bestimmter, nicht-homologer Gene untereinander.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Symptome des SLSN treten meist kurz nach der Geburt oder während der kindlichen Entwicklungsphase auf. Weil Nieren und Netzhaut gleichermaßen betroffen sind, manifestieren sich Anzeichen und Beschwerden parallel zueinander an beiden Organsystemen, den Nieren und den Augen (Netzhaut).

Typischerweise lassen sich bereits kurz nach der Geburt Anzeichen einer Polyurie, einer krankhaft vermehrten Harnausscheidung und der damit verbundenen Polydipsie, einer vermehrten Flüssigkeitsaufnahme, erkennen. Anzeichen einer Netzhautdystrophie zeigen sich meist unmittelbar nach der Geburt in Form von Gesichtsfeldeinschränkungen und schwacher Pupillenreflexe.

In vielen Fällen werden auch Nystagmen beobachtet, kaskadenartige, ruckartige Bewegungen der Augen, die normalerweise durch Impulse der Bogengänge im Innenohr bei Beschleunigungen ausgelöst werden. Die auftretenden Symptome an Nieren und Netzhaut werden durch die fortschreitenden degenerativen Prozesse der funktionalen Zellen des Nierenepithels und der Photorezeptoren in der Netzhaut der Augen verursacht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Beschwerden, die sich im Zusammenhang mit SLSN herausbilden, sind nicht sehr spezifisch und könnten auch auf eine Reihe anderer Erkrankungen hindeuten. Deshalb empfehlen sich zur Abklärung umfassende Untersuchungen wie Nierenfunktionsprüfung, labortechnische Untersuchung des Urins und ein Ultraschall des Oberbauchs.

Falls die Untersuchung im Säuglingsalter stattfindet, empfiehlt sich auch ein Leberfunktionstest, um eine Leberfibrose ausschließen zu können. Hinsichtlich der Augen dienen Untersuchungen des Augenhintergrundes, der Sehschärfe, des Gesichtsfeldes und des Farbsehvermögens der Abgrenzung zu anderen Krankheiten. Ein Elektroretinogramm und die Messung der unwillkürlichen Augenbewegungen vervollständigen die Untersuchungen.

Der Verlauf des SLSN wird hauptsächlich durch den Fortschritt der Degeneration des funktionalen Nierengewebes bestimmt. Während die Abbauprozesse in der Netzhaut letztlich zur Blindheit führen, ist die Prognose des Gesamtkrankheitsverlaufs aufgrund der Abbauprozesse in den Nieren – unbehandelt – sehr ungünstig.

Behandlung & Therapie

Bei positiver Diagnose auf SLSN ist es wichtig, dass sich die betroffenen Kinder in regelmäßigem Turnus einer Nierenfunktionsprüfung unterziehen, um das graduelle Fortschreiten der Krankheit erkennen zu können. Da momentan (noch) kein Arzneiwirkstoff bekannt ist, der eine juvenile Nephronophthise heilen könnte, zielen alle Behandlungsmethoden zunächst auf Symptombekämpfung ab und auf Schmerzlinderung.

Wichtig ist eine kontrollierte Zufuhr von Salzen, um den Elektrolythaushalt in einer Balance zu halten, der sich aufgrund des ständigen Flüssigkeitsverlusts verschieben kann. Falls der Krankheitsfortschritt ein kritisches Stadium erreicht hat, kann kurzfristig und wiederkehrend die Dialyse lebensrettend sein. Als Langzeittherapie kommt einzig und allein eine Nierentransplantation in Frage.

Auch zur Behandlung der parallel zu den Nierenproblemen sich entwickelnden Netzhautproblemen ist bisher keine medikamentöse oder sonstige Behandlung bekannt, die die Progression der Netzhautdystrophie verlangsamen oder gar aufhalten könnte. Für das Fortschreiten der Netzhautdystrophie ist daher nur eine schlechte Prognose möglich. Die Krankheit endet letztlich immer mit einem Totalverlust des Sehvermögens, also mit vollständiger Blindheit.




Vorbeugung

Das Senior-Løken-Syndrom ist ausschließlich auf genetische Ursachen zurückzuführen. Irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen wie Ernährungsumstellungen oder medikamentöse Vorbeugemaßnahmen wären nicht zielführend. Prinzipiell ist eine pränatale Diagnose möglich, wenn die Gendefekte in der Familie bekannt und entsprechend dokumentiert sind.

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