Seminom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Das Seminom stellt ein Keimzelltumor der Hoden dar. Es bildet sich aus den Zellen der sogenannten Spermatogonien. Die Prognose eines Seminoms ist in der Regel gut, weil es sich in allen Stadien gut behandeln lässt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Seminom?

Das Seminom ist die häufigste Form des Hodenkrebses. Es gehört zu den Keimzelltumoren, welche sich durch die Entartung von Vorläuferzellen der Keimzellen (Spermien) entwickeln. Der Keimzelltumor des Hodens ist die dominierende Form des Hodenkrebses. Allerdings müssen bei den Keimzelltumoren zwischen Seminomen und Nichtseminomen unterschieden werden.

Die Seminome bilden sich auf der Grundlage entarteter Urkeimzellen. Das sind Stammzellen, die bereits erste Zellteilungen in Richtung Keimzellen durchgemacht haben. Diese Zellen können wieder in pluripotente Stammzellen zurückverwandelt werden. Pluripotente Stammzellen sind ursprüngliche Zellen, die sich noch in alle Zellen des Körpers differenzieren können. Die Urkeimzellen werden auch als Spermatogonien bezeichnet.

Der männliche Organismus bildet im Hoden das ganze Leben lang Spermatogonien, die kontinuierlich zu Spermien umgewandelt werden. Im Gegensatz zu den echten Keimzellen (Spermien) besitzen die Spermatogonien noch diploide Chromosomensätze, die im Rahmen der Keimzellentwicklung einer Meiose (Halbierung des Chromosomensatzes während einer Zellteilung) unterliegen.

Seminome machen circa 53 Prozent aller Keimzelltumoren aus. Die restlichen 47 Prozent der Keimzelltumoren sind Nichtseminome. Diese entwickeln sich aus den gleichen aber bereits weiter differenzierten Vorläuferzellen der Keimzellen.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung von Seminomen und den anderen Formen des Hodenkrebses sind noch nicht genau bekannt. Es hat sich herausgestellt, dass ein durchgemachter Maldescensus testis (Hodenhochstand) ein Risikofaktor für die Ausbildung von Hodenkrebs ist. Beim Hodenhochstand sind die Hoden der Körpertemperatur von circa 36 bis 37 Grad Celsius ausgesetzt.

Außerhalb des Körpers im Hodensack beträgt die Temperatur nur 33 Grad Celsius. Diese kühlende Wirkung gewährt den Hoden Schutz. Höhere Temperaturen führen zu ihrer Schädigung. Auch eine Hypospadie (Fehlanlage der Harnröhrenmündung) birgt ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken. Festgestellt wurden ebenfalls erbliche Faktoren. So treten Hodenkrebsfälle in bestimmten Familien gehäuft auf.

Auch ein hormoneller Einfluss von weiblichen Sexualhormonen kann zu Hodenkrebs führen. Diese Risikofaktoren gelten sowohl für die Seminome als auch für die Nichtseminome. Das Risiko ist auch erhöht bei Zeugungsunfähigkeit durch unterentwickelte Hoden oder beim Fehlen von lebensfähigen Spermien.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Seminome und die anderen Hodenkrebsformen rufen ähnliche Symptome hervor. Die Symptome sind auch abhängig von dem entsprechenden Krebsstadium. Am Anfang beziehen sich die Symptome konkret auf die Hoden. In späteren Stadien kommen noch multiple Symptome im gesamten Körper vor, die vom Ort der Metastasen abhängig sind.

Zunächst entwickelt sich eine allmähliche Verhärtung eines Hodens, welcher auch von außen fühlbar ist. Des Weiteren schwillt der betroffene Hoden an. Das ist entweder durch den Tumor selber oder durch Wassereinlagerungen bedingt. Durch die Vergrößerung und Massenzunahme wird der Hoden auch schwerer. Parallel zur Schwere des Hodens kommt es zu einem schmerzhaften Ziehen bis in die Leistengegend.

Weiterhin schmerzen die Hoden in einigen Fällen. Da im Rahmen von Hodenkrebs auch verstärkt weibliche Sexualhormone gebildet werden, kann es beim Mann zu einer Brustbildung (Gynäkomastie) kommen. In späteren Stadien können sich auch Metastasen in anderen Organen entwickeln. Dabei wandern entartete Zellen des Hodengewebes über die Lymphe in entfernte Körperregionen. Es kommt unter anderem zum Anschwellen von Lymphknoten.

Besonders Lunge, Knochen, Gehirn oder die Leber sind von den Metastasen betroffen. Je nach betroffenem Organ kommt es zu hartnäckigem Husten, Atemwegsbeschwerden mit Kurzatmigkeit, Übelkeit, Schmerzen in der Brust oder Knochenschmerzen. Alle Symptome können sowohl bei Seminomen als auch bei Nichtseminomen auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Für die Behandlung ist es wichtig zu wissen, ob es sich um Seminome oder Nichtseminome handelt. Zunächst erfolgt durch den Arzt eine körperliche Untersuchung. Dabei werden die Hoden auf Verhärtungen und Schwellungen abgetastet. Blutuntersuchungen dienen der Aufspürung von Tumormarkern. Mittels Ultraschalluntersuchung kann der Tumor bildlich dargestellt werden.

Eine Biopsie des Hodens verrät, um welchen Tumor es sich handelt. Bei Verdacht auf Metastasen können Röntgenuntersuchungen, Computertomografie und MRT eingesetzt werden, um die Tochtergeschwülste aufzuspüren.

Komplikationen

Ein Seminom kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Ähnlich wie andere Hodenkrebsformen, führt auch der Keimzelltumor zu einer allmählichen Verhärtung des Hodens – entweder durch Wassereinlagerungen oder durch den Tumor selbst. Damit ist meist ein schmerzhaftes Ziehen bis in die Leistengegend verbunden. Weiterhin kann es beim Mann zu einer Brustbildung kommen.

Im weiteren Verlauf kann der Krebs in andere Organe streuen und chronische Schmerzen hervorrufen. Wenn die Lymphknoten anschwellen, kann dies ebenfalls Schmerzen und ein Druckgefühl verursachen. Sind die Lungen betroffen, kommt es zu Husten, Kurzatmigkeit und anderen Atemwegsbeschwerden. Bei einem Befall der Knochen treten Knochenschmerzen auf.

Metastasen im Gehirn können neurologische Ausfälle hervorrufen und im schlimmsten Fall zu einem Hirnschlag führen. Im weiteren Verlauf führt ein Seminom zu einer zunehmenden Abnahme des Wohlbefindens – es kommt zu depressiven Verstimmungen und meist auch zu chronischen Schmerzen. Im Rahmen der Chemotherapie kann es zu Schleimhautentzündungen, Haarausfall und Veränderungen des Blutbildes kommen. Seltener treten in Folge der aggressiven Therapie Herzschäden, Nervenstörungen, Allergien und Nieren- oder Blasenstörungen auf. Die verordneten Arzneimittel können ebenfalls eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie bei Hodenkrebs hängt im starken Maße davon ab, ob es sich um Seminome oder Nichtseminome handelt. Wenn sich noch keine Metastasen herausgebildet haben, reicht oft im Anfangsstadium der Erkrankung die einfache operative Entfernung des betroffenen Hodens. Danach wird abgewartet und die Entwicklung über einen längeren Zeitraum beobachtet.

Da in fünf Prozent der Fälle auch der zweite Hoden betroffen sein kann, wird dieser selbstverständlich durch Abtasten und gegebenenfalls durch eine zusätzliche Biopsie untersucht. Ein Seminom lässt sich auch in weiteren Stadien gut behandeln, weil es strahlungsempfindlich ist. Dadurch ist seine Prognose gut. Wenn einige Zeit nach der Operation das Seminom erneut auftaucht, kann der Tumor durch Bestrahlung oder Chemotherapie erfolgreich behandelt werden.

In den Anfangsstadien wird heute nach der Operation auf die Bestrahlung verzichtet, weil auch sie Krebs hervorrufen kann. Außerdem ist ein Rezidiv eines Seminoms immer gut behandelbar, sodass Abwarten zunächst ausreicht. Zur Chemotherapie des Seminoms wird unter anderem Carboplatin eingesetzt.

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Vorbeugung

Es gibt keine Empfehlungen zur Vorbeugung eines Seminoms, da die Ursachen weitgehend unbekannt sind. Bei familiärer Häufung von Hodenkrebs in der Familie sollten die Hoden regelmäßig abgetastet werden.

Bücher über Hodenkrebs

Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009

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