Selegelin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Selegelin ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-B-Hemmer ). Das Antiparkinsonmittel hemmt den Dopaminabbau im Gehirn.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Selegelin?

Selegelin wird zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit eingesetzt. Aufgrund der geringen Halbwertszeit, und der damit verbundenen schwachen Auswirkung, wird es in der Regel in Kombination mit dem Arzneistoff Levodopa verabreicht. Bei leichteren Krankheitsverläufen kann es auch als Monotherapeutikum eingesetzt werden. In den USA wird der Wirkstoff auch zur Therapie von Depressionen verwendet.

Selegelin ist ein sogenannter MAO-B-Hemmer. Er hemmt das Enzym Monoaminooxidase B. Entdeckt wurde der Arzneistoff von dem Chemiker József Knoll. Die Herstellung von Selegelin erfordert eine mehrstufige Synthese. Diese geht von (RS)-Methamphetamin aus.

Pharmakologische Wirkung

Ursache für den Morbus Parkinson ist der Untergang von speziellen Nervenzellen in der Substantia nigra. Diese Nervenzellen setzen normalerweise Dopamin frei. Wenn die dopaminfreisetzenden Nervenzellen untergehen, kommt es zu einem Dopaminmangel. Warum die Zellen zugrunde gehen, konnte noch nicht geklärt werden.

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für das korrekte Ausführen von Bewegungsabläufen benötigt wird. Der Körper kann den Dopaminmangel lange ausgleichen. Erste Symptome treten erst dann auf, wenn 60 Prozent der dopaminproduzierenden Nervenzellen abgestorben sind.

Um den Krankheitsfortschritt zu verlangsamen und die Symptome der Erkrankung zu mildern, erhalten die Patienten Dopamin in Form der Vorstufe L-Dopa. Da das Dopamin, das aus L-Dopa gebildet wird, schon im synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen durch das Enzym Monoaminooxidase B abgebaut wird, muss dieses Enzym gehemmt werden. Andernfalls kann das zugeführte Dopamin seine Wirkung am Zielort nicht entfalten. Selegelin ist ein solcher Monoaminooxidase B-Inhibitor. Er sorgt für eine irreversible Hemmung von MAO-B. Dadurch verbleibt das Dopamin länger im synaptischen Spalt und kann somit seine volle Wirkung im Zentralnervensystem entfalten.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Selegelin wird zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit eingesetzt.

Selegelin ist als Monotherapeutikum zur Therapie der frühen Stadien der Parkinsonschen Krankheit zugelassen. In Kombination mit dem Arzneistoff Levodopa wird Selegelin zur symptomatischen Therapie von Morbus Parkinson eingesetzt. Der Arzneistoff wird vor allem Patienten mit einem sogenannten fluktuierenden Krankheitsbild verabreicht. Dieses äußert sich beispielsweise durch das On-Off-Phänomen. Dabei kommt es beim Patienten zu einem plötzlichen Wechsel von einer normalen Beweglichkeit bis hin zur kompletten Bewegungsunfähigkeit. Ein weiteres Zeichen für ein fluktuierendes Krankheitsbild sind End-of-dose-Akinesen. Diese Schwankungen der Beweglichkeit können nach längerer Einnahme von L-Dopa auftreten. Die Bewegungsstörungen werden durch ein Nachlassen der Medikamentenwirkung verursacht. Selegelin kann diese Schwankungen abmildern.

In den USA wird Selegelin zur Behandlung von Depressionen verordnet. In Deutschland ist der Arzneistoff für diese Indikation nicht zugelassen. Eine Zeit lang wurde Selegelin auch Alzheimer-Patienten verabreicht. Metaanalysen zeigten allerdings, dass sich die Symptome unter der Einnahme von Selegelin nicht verbesserten.

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Risiken & Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Selegelin sind Mundtrockenheit, Schwindel und Schlafstörungen. Auch Appetitverlust, Verwirrtheit und niedriger Blutdruck können auftreten. In schweren Fällen leiden die Betroffenen unter Halluzinationen und Angst.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung von Selegelin sind Herzrhythmusstörungen. Diese machen sich durch einen zu schnellen Herzschlag, eine zu langsame Herzfrequenz oder durch Herzstolpern bemerkbar.

Selegelin kann die Wirkungen und auch die Nebenwirkungen von Psychostimulanzien, bestimmten Nasentropfen, Mitteln gegen Bluthochdruck, Mitteln gegen niedrigen Blutdruck, Sedativa und Ethanol verstärken. Linezolid, ein Antibiotikum, hat MAO-hemmende Nebenwirkungen. Auch diese können durch Selegelin verstärkt werden, sodass es zu einem Dopaminüberschuss kommen kann. Ein Dopaminüberschuss kann Angstzustände und Schizophrenie zur Folge haben.

Die gleichzeitige Einnahme von Selegelin und Antidepressiva ist kontraproduktiv. Eine Kombination der Medikamente kann zu Überwärmung, Krampfanfällen, psychischen Störungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden führen. Im schlimmsten Fall kann es zum Koma kommen. Insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Fluoxetin dürfen nicht zusammen mit Selegelin eingenommen werden.

Arzneistoffe, die über Monoaminooxidasen abgebaut werden, verbleiben bei gleichzeitiger Einnahme von Selegelin länger im Blut. Bei einer kombinierten Einnahme von Selegelin und tyraminhaltigen Lebensmitteln, wie Käse oder Rotwein, sind keine unerwünschten Wirkungen zu erwarten. Durch die MAO-Selektivität steht noch genug Monoaminooxidase A für den Abbau der Aminosäure zur Verfügung.

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