Selbstwahrnehmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. Februar 2017
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Die Selbstwahrnehmung ist der Ankerpunkt für das Selbstbewusstsein und spielt vor allem für die Psychologie eine Rolle. Verzerrungen der Selbstwahrnehmung können zum Beispiel Krankheitsbilder wie die Magersucht oder die Dysmorphophobie auslösen. Verfremdungen der Selbstwahrnehmung münden häufig in sozialem Rückzug und dem Gefühl der Sinnlosigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Selbstwahrnehmung?

Unter dem Begriff der Selbstwahrnehmung versteht die Psychologie die Wahrnehmung der eigenen Person. Die Summe aller Selbstwahrnehmungen bildet das Selbstbild eines Menschen. Zusammen mit der Selbstbeobachtung ist die Selbstwahrnehmung eine Grundvoraussetzung für die Bewusstseins- und Selbstbewusstseinsbildung. Von der Selbstwahrnehmung zu unterscheiden ist die Fremdwahrnehmung. Die Wahrnehmung der eigenen Person durch andere und die Selbstwahrnehmung stimmen niemals ganz überein.

Der Begriff der Selbstwahrnehmung kann entweder nach innen oder nach außen gerichtet sein. Mit der nach innen gerichteten Selbstwahrnehmung sind in der Medizin in der Regel die Wahrnehmungen der Propriozeptoren gemeint, also die Sinneswahrnehmungen des Tiefen- oder Muskelsinns, die auch unter den Begriff der Körperwahrnehmung gefasst werden. Nach außen gerichtete Selbstwahrnehmung wird dagegen durch die Eindrücke der Exterorezeptoren geformt. Sie umgreift alle Informationen über die eigene Person, die das visuelle System, der Hörsinn und der Geruchssinn zulassen.

Die Selbstwahrnehmung ist in der Psychologie in Bezug auf verschiedene Krankheitsbilder von hoher Relevanz. In diesem Zusammenhang spielt die Differenzierung von Körperschema und Körperbild eine gesteigerte Rolle.

Funktion & Aufgabe

Selbstwahrnehmung ist ein wichtiger Baustein für die eigene Gesundheit und hat bei Verfälschungen sowohl Auswirkungen auf das mentale, als auch auf das soziale Leben. Menschen nehmen dank ihrer Sinnesstrukturen den eigenen Körper wahr. Das neurophysiologische Körperschema ist ein theoretisches Konstrukt, das diesen Akt der objektiven Selbstwahrnehmung beschreibt. Das Körperschema setzt sich also aus den Wahrnehmungen der taktilen, der vestibulären, der propriozeptiven, akustischen und visuellen Informationen des eigenen Wahrnehmungsapparats zusammen.

Damit basiert das Körperschema auf Lernerfahrungen und besteht aus Qualitäten wie der Körperorientierung, der Körperausdehnung und der Körperkenntnis. Das heißt, dass der Mensch dank der Propriozeptoren und der Lernerfahrung die eigene Körpergröße, die eigene Dimension und den Bau oder die Funktion seines Körpers wahrnehmen kann.

Das sogenannte Körperbild steht diesem neurophysiologischen Konstrukt als rein psychologisches Konstrukt gegenüber. Das Körperschema ist relativ objektiv und hängt nicht vom eigenen Geist im Sinne der inneren Vorgänge ab, sondern wird einzig und allein durch objektive Sinneswahrnehmungen der eigenen Sinnessysteme geprägt.

Unter dem Begriff der Selbstwahrnehmung versteht die Psychologie die Wahrnehmung der eigenen Person.

Das psychologische Körperbild ist dagegen subjektiv und hängt vom Geist und somit von den inneren Vorgängen des einzelnen ab. Diese inneren Vorgänge sind vor allem Gedanken und Gefühle zu den Wahrnehmungen der eigenen Person. Das Körperbild ist also die mentale Einstellung zum eigenen Körper und wird auch mit den Begriff des Körperbewusstseins bezeichnet.

Die Einschätzung der eigenen Attraktivität ist zB eine wichtige Qualität des Körperbilds. Diese Einschätzung ist nur selten unabhängig von der Einschätzung anderer Menschen. Die Bewertung durch andere spielt also meist in das mental subjektive Köperbild hinein. Wenn zwischen dem physiologischen Körperschema und dem psychologischen Körperbild starke Diskrepanzen vorliegen, dann kann das die Selbstwahrnehmung stören.

Fremdbilder als die eigenen Bilder anzunehmen, ist in diesem Zusammenhang eines der wichtigsten Phänomene. Verzerrungen, Verleugnungen und Verdrängung können sich als Folge einstellen und Selbsttäuschungen auslösen, wie sie zum Beispiel bei Magersucht vorliegen.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Selbstwahrnehmung kann durch Diskrepanzen zwischen dem objektiven Körperschema und dem subjektiven Körperbild ernstzunehmende Erkrankungen auslösen, die, wie die Magersucht, sowohl psychische als auch physiologische Folgen haben. Meist stehen Wunschbilder bezüglich der eigenen Gestalt im Mittelpunkt solcher Erkrankungen.

Neben eigenen Wunschbildern können auch fremde Wunschbilder übernommen werden und sich so mit der Zeit wie eigene Wunschbilder anfühlen. Die Betroffenen übernehmen in diesem Fall manchmal auch fälschliche Fremdwahrnehmungen des eigenen Körpers als Selbstwahrnehmungen und entwickeln auf dieser Basis Wunschbilder, die den eigenen Körper betreffen.

Oft haben sie Angst, auf der Jagd nach den Wunschbildern erwischt zu werden. Diese Angst entstammt dem Schamgefühl, den Idealbildern noch nicht zu entsprechen. Da die Selbstwahrnehmung für die eigene Identitätsbildung eine große Rolle spielt, verzerren Verzerrungen und andere Verfremdungen der Selbstwahrnehmung auch die gefühlte Identität der Betroffenen.

Eine gestörte Selbstwahrnehmung spielt nicht nur für Erkrankungen wie die Magersucht eine Rolle, sondern kann sich auch in Krankheiten wie der Sozialen Phobie äußern. Im Rahmen dieser Erkrankung tritt erschwerend häufig der sogenannte Spotlight-Effekt hinzu. Die Betroffenen fühlen sich also permanent der Beobachtung durch andere Menschen ausgesetzt.

Auch für Krankheiten wie die Dysmorphophobie spielt gestörte Selbstwahrnehmung eine Rolle. Die Patienten fühlen sich unattraktiv und entwickeln Selbstablehnung bis hin zu Selbsthass. Panische Angst vor Ablehnung und den Reaktionen anderer Menschen stehen damit in Wechselwirkung. Auch Neidgefühle und Einsamkeitsgefühle sowie die Angst, andere zu enttäuschen, sind wichtige Symptome eines verminderten Selbstwertgefühls im Rahmen der Dysmorphophobie. Die Hässlichkeit der Betroffenen besteht nur in ihren eigenen Augen, schränkt ihr soziales Leben aber ein und führt oft sogar zum kompletten Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben. Ein Gefühl der Sinnlosigkeit stellt sich ein.

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