Sekundärer Hyperaldosteronismus

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Sekundärer Hyperaldosteronismus liegt bei hohem Aldosteronspiegel vor. Die Erscheinung begleitet Organerkrankungen wie Leberzirrhose, Herzinsuffizienz oder chronische Nierenerkrankungen. Die Behandlung hängt im Einzelfall von der primären Ursache ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Sekundärer Hyperaldosteronismus?

Aldosteron ist ein Steroidhormon der Nebennierenrinde. Das Hormon erhöht neben dem Blutdruck die Rückresorptionsrate für Natrium und Wasser innerhalb des distalen Nierentubulus. Als Hyperaldosteronismus werden Krankheitszustände mit erhöhter Aldosteronsekretion bezeichnet.

Der erhöhte Spiegel des Hormons manifestiert sich in Symptomen wie Hypertonie, Hypokaliämie und metabolische Alkalose. Die Patienten leiden demzufolge an einer Blutdruckerhöhung sowie Kaliummangel und einer pH-Wert-Erhöhung im Blut. Viele Formen des Hyperaldoteronismus werden durch Störungen der Nebennierenrinde verursacht.

Der sekundäre Hyperaldosteronismus ist von Nebennierenstörungen unabhängig. Stattdessen beruht diese Variante auf pathologisch erhöhter Stimulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems. Bei diesem System handelt es sich um einen regulativen Kreislauf, der den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt im menschlichen Körper steuert und damit entscheidende Auswirkungen auf den Blutdruck zeigt.

Ursachen

Sekundärer Hyperaldosteronismus ist keine eigenständige Erkrankung. Es handelt sich vielmehr um das Symptom einer anderen Grunderkrankungen. Als primär ursächliche Krankheiten kommen in diesem Zusammenhang zum Beispiel chronische Nierenerkrankungen wie die Nierenarterienstenose, die Nephrosklerose oder die chronische Glomerulonephritis in Frage.

Durch eine Verminderung der Nierendurchblutung bildet sich reaktiv wesentlich mehr Angiotensin II. Außerdem kann sekundärer Hyperaldosteronismus bei allen anderen Erkrankungen auftreten, die mit einer Verminderung des aktuell zirkulierenden Blutvolumens einhergehen. Über die Hypovolämie wird in diesem Fall das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems aktiviert.

Diese Prozesse sind für Erkrankungen wie Herzinsuffizienz und Leberzirrhose charakteristisch. Außerdem können Durchfallerkrankungen, Zustände mit Erbrechen und die Gabe von Laxanzien eine Elektrolytverschiebung hervorrufen und damit eine Aktivitätserhöhung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems anregen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Klassischerweise ist sekundärer Hyperaldosteronismus durch einen symptomatischen Trias aus Bluthochdruck, Kaliummangel und metabolischer Alkalose gekennzeichnet. Alle zusätzlichen Symptome geben im Einzelfall wichtige Hinweise auf die primäre Ursache. Zum Beispiel tritt nicht bei allen Formen des sekundären Hyperaldosteronismus eine symptomatische Erhöhung des Blutdrucks auf.

Falls eine Blutdruckerhöhung vorliegt, sind chronische Nierenerkrankungen wie renale Hypertonien und Renin-produzierende Tumore mögliche Auslöser. Außerdem kann Medikamentmissbrauch vorliegen, so zum Beispiel Lakanzienabusus. Falls Ödeme die Symptomatik begleiten, spricht das eher für ursächliche Herzinsuffizienz, eine Leberzirrhose oder seltener ein nephrotisches Syndrom.

Sämtliche Formen des sekundären Hyperaldosteronismus, die ohne Hypertonie oder Ödeme auftreten, sind fast in allen Fällen auf Laxanzienmissbrauch oder länger anhaltende Durchfall- und Brechsymptomatik zurückzuführen. Gerade bei Durchfall oder Erbrechen treten weitere Symptome wie Gewichtsverlust oder Mangelernährungserscheinungen hinzu. Für Mangelerscheinungen können Symptome der Haut, der Haare und der Nägel sprechen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Sekundärer Hyperaldosteronismus muss im Rahmen der Diagnostik immer von der primären Form des Hyperaldosteronismus abgegrenzt werden. Diese Abgrenzung beinhaltet vor allem den Ausschluss von Störungen der Nebennierenrinde. Bildgebungen können in diesem Zusammenhang zum Beispiel Tumore der Nebennierenrinde ausschließen.

Prinzipiell wird der Nachweis über Hyperaldosteronismus über diagnostische Parameter wie erhöhte Aldosteron- und Reninkonzentration im Serum erbracht. Die anschließende Feindiagnostik besteht in systematischer Ursachenforschung. Neben Anamnese und Krankheitsgeschichte des Patienten können Bildgebungen der Organe ein wichtiger Schritt sein, so vor allem Bildgebungen der Nieren, der Leber und des Herzens.

Auch weitere Labordiagnostik kann im Einzelfall erforderlich sein. Bei Medikamentenmissbrauch ist zum Beispiel der Nachweis über den missbrauchten Wirkstoff zu erbringen. In den meisten Abusus-Fällen sind die Patienten selbst nicht zum Geständnis zu bewegen. Familie und Freunde sind häufig Mitwisser, schämen sich aber oft, nicht eingegriffen zu haben.

Behandlung & Therapie

Für Patienten mit sekundärem Hyperaldosteronismus hängt die Therapie von der primären Ursache ab. Soweit wie möglich strebt das Ärzteteam eine kausale Behandlung der Primärerkrankung an. Dabei handelt es sich um einen Behandlungsansatz, der die eigentliche Ursache zu beheben versucht.

Bei Herzinsuffizienz reichen die Behandlungsmöglichkeiten zum Beispiel von konservativ medikamentösen Ansätzen über eine Änderungen des Lebensstils bis hin zu invasiven Verfahren. Als invasive Ansätze kommen neben implantierbaren Geräten unter anderem Transplantate in Frage. Bei Niereninsuffizienz durch chronische Nierenerkrankungen finden als supportive Behandlungsschritte Ernährungsumstellungen statt.

Eine Eiweiß- und Salzarme Diät hemmt eventuelle Flüssigkeitsansammlungen im Nierenbereich. Medikamentöse Maßnahmen konzentrieren sich auf die Gabe von entwässernden Diuretika, um die Flüssigkeitsausscheidung zu steigern. Über die Flüssigkeitszufuhr muss der Patient eine Art Tagebuch führen. Weit fortgeschrittene Schädigungen der Niere erfordern zusätzliche Entgiftungsmaßnahmen.

In der Regel findet im späteren Verlauf einer Niereninsuffizienz eine dauerhafte Dialysebehandlung Anwendung. Die vollständige Heilung von chronischen Nierenerkrankungen ist nur durch die Transplantation eines Spenderorgans möglich. Ähnliches gilt für Patienten mit ursächlichen Leberzirrhosen.

Die Abstinenz von lebertoxischen Stoffen wie Alkohol ist im Rahmen der Leberzirrhose ebenso wichtig wie ausgewogene Ernährung und der Ausgleich von Mangelzuständen, so zum Beispiel Folsäuremangel oder Vitaminmangel. Die Proteinzufuhr wird gegebenenfalls reduziert. Letztlich können die supportiven Behandlungsmaßnahmen eine bereits begonnene Leberzirrhose allerdings höchstens verzögern.

Daher liegt auch bei dieser Erkrankung die einzige Heilungsaussicht in einer Lebertransplantation. Fall Medikamentenmissbrauch für den sekundären Hyperaldosteronismus verantwortlich ist, gestaltet sich die Behandlung in der Regel leichter. Zukünftig gilt die Abstinenz von den jeweiligen Medikamenten, gegebenenfalls in überwachtem Entzug. Um die ursächlichen Stoffe auszuschwemmen, können Diuretika verabreicht werden.




Vorbeugung

Dem sekundären Hyperaldosteronismus lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie sich seinen Ursachen vorbeugen lässt. Im weitesten Sinne können ausgewogene Ernährung, Sport und die Abstinenz von Giften zu den präventiven Maßnahmen gezählt werden.

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