Sekretin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2016
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Sekretin ist ein Peptidhormon. Es wird im Dünndarm gebildet und dient der Neutralisierung des Speisebreis.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Sekretin?

Sekretin ist ein Hormon, das chemisch betrachtet ein Peptid ist und zur Glucagon-Familie der Peptidhormone gehört. Es ist aus mehreren Aminosäuren aufgebaut und hat hydrophile Eigenschaften.

Das bedeutet, dass es in Wasser löslich ist. Gebildet wird das Hormon im Dünndarm, wenn der Speisebrei mit einem ph-Wert von unter 3,5 aus dem Magen in den Dünndarm geleitet wird. Sekretin wird in das Blut der Portalvene ausgeschüttet und gelangt so zu den anderen Organen des Verdauungstraktes. Zielorgan ist vor allem die Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die infolge dessen Bikarbonate ausschüttet.

Funktion, Wirkung & Aufgaben

Hauptwirkort des Sekretins sind andere Verdauungsorgane. Diese erreicht das Hormon über den Blutweg. In Bauchspeicheldrüse, Gallenblase und Dünndarm führt Sekretin zu einer erhöhten Produktion von Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3).

Natriumhydrogencarbonat ist auch als Natron bekannt und hat die Fähigkeit Säuren zu neutralisieren. Beim gesunden Menschen hemmt Sekretin zudem die Sekretion des Hormons Gastrin. Gastrin ist ein Polypeptid und wird im Magen und im Dünndarm gebildet. Es regt unter anderem die Produktion von Salzsäure im Magen an. Leidet ein Mensch an einem Gastrinom, regt Sekretin allerdings die Gastrin-Sekretion an. Dies ist natürlich eher kontraproduktiv, da durch das Sekretin der pH-Wert im Dünndarm angehoben werden soll. Sekretin führt auch zu einer Kontraktion der Gallenblase. Diese gibt daraufhin die gespeicherte Galle in den Dünndarm ab. Die Galle hat einen pH-Wert von 8,0 bis 8,5 und ist daher basisch.

Durch das Hormon Sekretin werden die Schleimhautzellen des Magens zudem zur Produktion von Muzinen angeregt. Muzine sind Schleimstoffe. Zum einen schützen sie die Schleimhaut des Dünndarms, zum anderen verzögern sie im Magen die Magenentleerung. So wird verhindert, dass noch mehr saurer Speisebrei in den Dünndarm gelangt.

Die Ausschüttung von Insulin und Somatostatin wird ebenfalls durch Sekretin angeregt. Insulin ist ein Hormon, das im Pankreas gebildet wird. Es schleust die Glukose, die im Blut zirkuliert, in die Zellen ein. Somatostatin wird ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Auch der Hypothalamus produziert Somatostatin. Das Hormon funktioniert als eine Art "Bremse". Es hemmt unter anderem die Ausschüttung zahlreicher Verdauungshormone.

Bildung, Vorkommen, Eigenschaften & optimale Werte

Sekretin ist ein gastrointestinales Hormon. Es wird im Duodenum und Jejunum gebildet. Duodenum und Jejunum sind zwei Abschnitte des Dünndarms. Genauer gesagt wird das Hormon in den S-Zellen gebildet. Der Reiz zur Sekretion ist ein niedriger pH-Wert des Speisebreis (Chymus) im Dünndarm.

Der pH-Wert muss dabei unter 4,5 liegen. Optimale Werte gibt es für das Hormon nicht, da es immer in Abhängigkeit von der aufgenommenen Nahrung ausgeschüttet wird. Durch die Gabe von Sekretin kann allerdings die Funktion der Bauchspeicheldrüse überprüft werden. Wird einem Gesunden Sekretin verabreicht, müsste die Bauchspeicheldrüse vermehrt bicarbonathaltiges Sekret ausschütten. Geschieht dies nicht, kann eine Pankreasinsuffizienz vorliegen.

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Krankheiten & Störungen

Sekretin spielt eine wichtige Rolle beim Krankheitsbild des Zollinger-Ellison-Syndroms. Dieses Syndrom ist eine paraneoplastische Erkrankung. Paraneoplastische Syndrome treten als Begleitsymptome bei unterschiedlichen Krebserkrankungen auf.

Die ursächlichen Tumore finden sich beim Zolliner-Ellison-Syndrom hauptsächlich in der Bauchspeicheldrüse und im Dünndarm. In mehr als 50 % der Fälle sind sie bösartig. Die Tumore produzieren das Hormon Gastrin. Deshalb werden sie auch Gastrinome genannt. Durch die Überproduktion von Gastrin kommt es zu einer Überproduktion von Magensäure. Die vermehrte Säurebelastung führt zu Geschwürbildung mit Bauchschmerzen, blutigem Erbrechen und Durchfällen. Normalerweise hemmt Sekretin die Ausschüttung von Gastrin. Beim Gastrinom bewirkt Sekretin hingegen eine überschießende Gastrin-Sekretion. Zum Nachweis eines Zollinger-Ellison-Syndroms kann deshalb auch ein Sekretin-Provokationstest durchgeführt werden.

Bei diesem Test wird dem Patienten zunächst Blut abgenommen, damit der Gastrinwert vor dem Test gemessen werden kann. Anschließend wird Sekretin in die Vene des Patienten injiziert. Im Abstand von 2, 5, 10 und 30 Minuten, ausgehend von der ersten Blutabnahme, werden weitere Blutproben entnommen. Kann in diesen Blutproben ein Anstieg der Gastrinkonzentration im Serum um mehr als 100 % festgestellt werden, gilt dies als Beweis für das Vorliegen eines Zollinger-Ellison-Syndroms.

In den letzten Jahren hat Sekretin zudem immer mehr in der Autismusforschung für Aufsehen gesorgt. Beim frühkindlichen Autismus handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Meist manifestiert sich die Erkrankung vor dem dritten Lebensjahr. Typische Symptome der Störung sind ausbleibende oder gestörte Sprachentwicklung und eine Einschränkung der sozialen Interaktion. Auch stereotypes und repetitives Verhalten werden beobachtet. Genaue Ursachen sind derzeit noch nicht bekannt, genetische Faktoren scheinen aber eine Rolle zu spielen. Da die Ursachen bisher noch nicht bekannt sind, gibt es auch keine kausale Therapie. Meist werden die betroffenen Kinder mit Neuroleptika oder Serotonin-Reuptake-Hemmern (SSRI-Präparate) behandelt.

Anfang 2000 sorgte allerdings eine Studie aus den USA für Aufsehen. In dieser Studie wurde drei Kindern intravenös das Hormon Sekretin verabreicht. Innerhalb von fünf Wochen nach dieser einmaligen Gabe verbesserte sich das soziale Verhalten der Kinder. Seit dieser Publikation werden insbesondere in den USA Kinder mit Autismus mit Sekretin behandelt. Eltern der behandelten Kinder sprechen in mehr als 75 % von einer spürbaren Verbesserung. Die Kinder seien aufmerksamer und auch die sprachliche Kommunikationsfähigkeit habe sich deutlich verbessert. Allerdings gaben auch 30 % der Eltern negative Reaktionen wie Hyperaktivität oder gesteigerte Aggression an.

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