Sehbahn

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 12. Oktober 2016
Symptomat.deAnatomie Sehbahn

Unter der Sehbahn werden speziell-somatosensible Fasern verstanden, die von der Netzhaut des Auges bis zur Sehrinde des Gehirns verlaufen. Durch den komplexen Aufbau der Sehbahn wird die menschliche Sehfähigkeit ermöglicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Sehbahn?

Bei der Sehbahn handelt es sich um einen Bestandteil des Gehirns. So haben sämtliche Komponenten ihren Ursprung in dieser Körperregion. Dazu gehört auch der Sehnerv (Nervus opticus), der ebenfalls einen Teil der Sehbahn darstellt. Über die Sehbahn findet die neuronale Verschaltung des optischen Systems statt.

Dabei werden speziell-somatosensible Fasern von der Augennetzhaut (Retina) in Richtung Gehirn geleitet. Das erste Glied der Sehbahn wird von den Fotorezeptorzellen der Netzhaut gebildet, die die eingehenden Lichtreize empfangen. Die Zellkörper der Fotorezeptorzellen sind in der äußeren Augenkörnerschicht angesiedelt. Sie gelten als erstes Neuron (Nervenzelle). Von ihnen aus gehen die Nervenimpulse über das zweite Neuron in der inneren Augenkörnerschicht in Richtung multipolare Netzhautnervenzellen innerhalb des Stratum ganglionare.

Von diesen Ganglienzellen wird die dritte Nervenverschaltungsebene errichtet. Mit ihren langen Fortsätzen bilden sie den Sehnerv. Die ersten Umschaltungen der ankommenden Nervenimpulse finden schon innerhalb der Netzhaut statt.

Anatomie & Aufbau

Die menschliche Sehbahn verfügt über einen komplexen Aufbau. So reicht sie von den Hinterpolen der Augen bis zur Rinde des Großhirns. Die Netzhautganglienzellen, die sich zum Sehnerv vereinigen, erreichen ihren Austritt in der Orbita (Augenhöhle). Der Sehnerv setzt sich dann aus zwei unterschiedlichen Faserbündelanteilen zusammen.

Am rechten Auge befindet sich der äußere (laterale) Netzhautanteil auf der rechten Seite, während der nasale Teil auf der linken Seite liegt. Am linken Auge ist es genau umgekehrt. Die Faserbündel der Netzhautnervenzellen des jeweiligen Auges lagern sich aneinander an und kreuzen sich. Wenig später kommt es in einer anderen Kombination zu ihrer Vereinigung. Die Verzweigungsstelle trägt die Bezeichnung Chiasma opticum. An dieser Stelle kreuzen sich die Fasern der nasalen Netzhautabschnitte.

Im Anschluss an die Kreuzung erfolgt der Verlauf der Fasern der korrespondierenden Netzhautseiten innerhalb des Tractus opticus. Während der rechte Tractus opticus die Fasern der rechten Netzhauthälften führt, ist dies beim linken Tractus opticus mit den linken Hälften der Fall. Die gekreuzten Fasern des rechten Auges sowie die ungekreuzten Fasern des linken Auges bilden im linken Tractus opticus eine Vereinigung. Dies entspricht der rechten Gesichtshälfte. Die gekreuzten Fasern des linken Auges sowie die ungekreuzten Fasern des rechten Auges bilden ihre Vereinigung dagegen innerhalb des rechten Tractus opticus, was der linken Gesichtshälfte entspricht.

Durch die Netzhautabschnitte werden die Gesichtsfelder des Menschen gegensätzlich angeordnet widergespiegelt. Das bedeutet, dass die Aufnahme des rechten Gesichtsfeldanteils der Augen auf der linken Seite der Netzhaut erfolgt. Dagegen bilden die rechten Netzhautanteile die linken Gesichtsfeldhälften ab.

Die Umschaltung von rechtem und linkem Tractus opticus findet im Mittelhirn statt. Von dort aus geht die sogenannte Sehstrahlung in Richtung Hirnrinde. Ihr Ende befindet sich innerhalb des Hirnhautlappens im Sehzentrum an den beiden Hirnhälfteninnenseiten.

Funktion & Aufgaben

Die Sehbahn erfüllt die Funktion, visuelle Eindrücke und Signale vom Auge bis zum Gehirn weiterzuleiten. Auf diese Weise wird das Wahrnehmen von Sinneseindrücken ermöglicht. Ohne die Weiterleitung der elektrischen Signale an das Großhirn wäre der Mensch nicht imstande, die gesehenen Eindrücke zu registrieren.

Des Weiteren besteht eine Kopplung zwischen Sehbahn und Gleichgewichtssinn sowie den Stellreflexen. Bei einer Abweichung einer Augenimpression vom Gleichgewichtsorgan erfolgt durch die Stellreflexe ein Ausgleich. Steht der Mensch zum Beispiel auf einem schwankenden Schiff, werden die Schwankungen von den Augen und dem Gleichgewichtsorgan wahrgenommen. Indem sie die entsprechenden Muskeln aktivieren, kann der Mensch auch weiterhin fest stehen. Unterteilt wird die Sehbahn in drei funktionelle Systeme. Dabei handelt es sich um das Farb- und Formsehen (parvozelluläres System), das Bewegungssehen (magnozelluläres System) sowie die Optomotorik (koniozelluläres System).




Krankheiten

Die Sehbahn kann durch verschiedene Schädigungen oder Erkrankungen beeinträchtigt werden. Dabei entsteht zumeist ein zu starker Druck auf die Sehbahn oder es herrscht eine unzureichende Blutversorgung vor.

Als Gründe dafür kommen Blutungen, degenerative Prozesse, Verletzungen, Entzündungen, Tumore, eine Minderdurchblutung oder Unterbrechung der Durchblutung infrage. Eine weitere mögliche Ursache stellen Aneurysmen dar, bei denen eine Ausstülpung oder Erweiterung einer Arterie vorliegt.

Schädigungen der Sehbahn können bei den betroffenen Personen Gesichtsfeldausfälle hervorrufen, was davon abhängt, welcher Sehbahnbereich in Mitleidenschaft gezogen wird. Liegt eine Läsion des Sehnervs vor, die zu seiner Unterbrechung führt, ruft dies eine einseitige Blindheit hervor. Mediziner sprechen dann von einer Amaurose. Die häufigsten Ursachen für diese Schädigung sind eine Sehnerventzündung oder eine Papillenerkrankung.

Ein beidseitiger halber Gesichtsfeldausfall auf der äußeren Gesichtsseite zeigt sich bei einem Chiasmasyndrom, das auch als Scheuklappenphänomen bekannt ist. Es wird zumeist durch Tumore hervorgerufen, die Druck auf die Sehnervenkreuzung ausüben. Andere denkbare Ursachen sind Syphilis oder Multiple Sklerose. Durch eine rasche Operation besteht die Möglichkeit, die Gesichtsfeldausfälle zurückzubilden. Ansonsten drohen weitere Sehstörungen.

Durch ein seitliches Zusammendrücken des Chiasmas, was von Medizinern als heteronyme binasale Hemianopsie bezeichnet wird, kommt es zu einer gleichseitigen Halbseitenblindheit. Grund dafür ist eine Schädigung der ungekreuzten Nervenfasern. Meist sind eine Sklerose der Arteria carotis interna oder ein beidseitiges Aneurysma dafür verantwortlich. Im Falle von ophthalmischer Migräne sind Flimmerskotome möglich, die mit Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Lichtblitzen, Übelkeit und Erbrechen einhergehen können. In manchen Fällen leiden die Betroffenen auch unter einer Lähmung der Augenmuskeln. Grund dafür sind vorübergehende Durchblutungsstörungen.

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