Segelklappe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Die beiden Herzklappen, die jeweils den linken Vorhof mit der linken Kammer und den rechten Vorhof mit der rechten Kammer verbinden, werden aus anatomischen Gründen als Segelklappen bezeichnet. Die beiden Segelklappen fungieren nach dem Rückschlagprinzip und sorgen mit den übrigen zwei Herzklappen, die als sogenannte Taschenklappen ausgebildet sind, für einen geordneten Blutkreislauf, der durch die einzelnen Herzschlagphasen in Gang gehalten wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Segelklappe?

Zwei der insgesamt vier Herzklappen sind als sogenannte Segelklappen ausgebildet. Sie bilden in ihrer Doppelfunktion als Einlass- und Auslassventil jeweils die Verbindung zwischen linkem Vorhof (Atrium) und linker Kammer (Ventrikel) bzw. rechtem Vorhof und rechter Kammer.

Aus funktioneller Sicht werden die beiden Klappen auch als Atrioventrikularklappen oder AV-Klappen bezeichnet. Die Segelklappe in der rechten Herzhälfte weist drei Segel (Cuspis) auf, worauf ihr Name, Trikuspidalklappe, bereits hinweist. Ihr Pendant in der linken Herzhälfte weist nur zwei Segel auf und wird Mitralklappe oder Bikuspidalklappe genannt. Die Bezeichnung Mitralklappe geht auf ihre Ähnlichkeit mit einer Bischofsmütze, der Mitra, zurück.

Die beiden Segelklappen öffnen sich während der Entspannungsphase der Kammern (Diastole), die nahezu gleichzeitig mit der Anspannungsphase der Vorhöfe abläuft. Das Blut gelangt dadurch aus den Vorhöfen in die Kammern und füllt diese. Während der nachfolgenden Anspannungsphase der Kammern (Systole) schließen sich die beiden Segelklappe, so dass das Blut von der rechten Kammer in die Lungenarterie gepumpt wird. Parallel dazu kontrahiert auch der linke Ventrikel und pumpt das Blut in die Aorta, die Körperschlagader, von der alle Arterien des großen Blutkreislaufs abzweigen.

Anatomie & Aufbau

Die beiden Segelklappen werden aufgrund ihrer Funktion auch als Atrioventrikularklappen oder kurz AV-Klappen bezeichnet. Die AV-Klappe der rechten Herzhälfte besteht aus drei Segeln, Cuspis genannt, die ihr den Namen Trikuspidalklappe einbrachte.

Die Segelklappe der linken Herzhälfte besteht aus nur zwei Segeln, woraus sich ihre Bezeichnung Bikuspidalklappe ableitet. Allerdings ist sie eher unter dem Namen Mitralklappe bekannt, weil sie im Aussehen ein wenig an die Mitra, die Kopfbedeckung der katholischen Bischöfe erinnert. Die einzelnen Segel sind an ihren Rändern durch teilweise verzweigte Sehnenfäden, die Chordae tendineae, mit Papillarmuskeln verbunden. Das sind kleine muskuläre Erhebungen, die aus der Herzmuskulatur der Ventrikel entspringen und die Fähigkeit zur Kontraktion haben, so dass die Sehnenfäden gestrafft werden und beim Schließen der Segelklappen ein Durchschlagen in den entsprechenden Vorhof verhindern.

Da jedes Segel mit seinem „eigenen“ Papillarmuskel verbunden ist, finden sich drei davon in der rechten und zwei in der linken Kammer. Die Segel bestehen jeweils aus vier Schichten. Als Abschlussschichten dient eine Lage von Endothelzellen, die aus dem Endokard des Vorhofs bzw. der Kammer gebildet werden. Darunter befindet sich eine dünne Schicht Bindegewebszellen, in der auf der dem Vorhof zugewandten Seite auch glatte Muskelzellen enthalten sind. Unter der Bindegewebsschicht befindet sich die Schwammschicht mit eingelagerten Kollagenfasern und elastischen Fasern.

Funktion & Aufgaben

Die Segelklappen haben die Aufgabe, in ihrer Ventilfunktion den Blutstrom zwischen linkem Vorhof und linker Kammer bzw. zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer zu regeln. Während der Anspannungsphase der Vorhöfe, die nahezu gleichzeitig mit der Entspannungsphase (Diastole) der Kammern zusammenfällt, sind die Segelklappen geöffnet, so dass sich beide Kammern mit Blut füllen.

Während der nachfolgenden Anspannungsphase (Systole) der Kammern schließen sich die Segelklappen – ähnlich wie bei einem Rückschlagventil – und verhindern so den Rückstrom des Blutes in die jeweiligen Vorhöfe. Damit die Segel durch den Druckaufbau in den Kammern nicht in die Vorhöfe durchschlagen, kontrahieren auch die Papillarmuskel, so dass die gestrafften Sehnenfäden die Segel quasi „festhalten“.

Die geschlossenen Segelklappen ermöglichen es so, dass die rechte Kammer das sauerstoffarme und mit Kohlendioxid angereicherte Blut aus dem Körperkreislauf in die Lungenarterie pumpt und die linke Kammer sauerstoffreiches Blut aus dem Lungenkreislauf in die Aorta, die große Körperschlagader und damit in den Körperkreislauf pumpt. Ein geordneter Blutstrom setzt allerdings nicht nur die einwandfreie Funktionstüchtigkeit der beiden Segelklappen voraus, sondern auch die der beiden Taschenklappen, die sich in der linken Kammer am Aorteneingang und in der rechten Kammer am Eingang der Lungenarterie befindet.

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Krankheiten

Prinzipiell können an beiden Segelklappen zwei unterschiedliche Funktionsfehler auftreten. Falls eine der Segelklappen während der Öffnungsphase eine nur ungenügende große Öffnung für den Blutstrom vom jeweiligen Vorhof in die Kammer freigibt, besteht eine Stenose mit mehr oder minder starken Auswirkungen.

Falls eine geschlossene Segelklappe während der Systole der Kammern nicht vollständig schließt, liegt eine Klappeninsuffizienz vor, die je nach Schwere in verschiedene Insuffizienzklassen eingeteilt werden kann. Ein Teil des Blutes strömt dabei zurück in die entsprechende Vorkammer, so dass die Herzleistung durch die „Förderung“ im Kreis eingeschränkt ist. Je nach Schwere der Klappeninsuffizienz kommt es zu spürbaren bis gravierenden Leistungseinbußen und Kurzatmigkeit. In Sonderfällen kann auch eine Kombination beider Klappenfehler an der gleichen Klappe auftreten.

Die auftretenden Klappenfehler können erworben sein oder durch einen genetischen Defekt von Geburt an bestehen. Meist geht ein erworbener Klappenfehler an einer der Segelklappen auf eine Endokarditis, eine Entzündung der Herzinnenhaut zurück, weil sich die entzündete Epithelschicht auf den Segeln der Klappen fortsetzt. In der Regel kommt es aufgrund einer Endokarditis zu Vernarbungen oder Verklebungen der Segel, die eine Stenose oder eine Insuffizienz zur Folge haben oder sogar eine Kombination beider Funktionsstörungen.

Zu ähnlichen Symptomen kann es durch einen ererbten Klappenfehler kommen. In seltenen Fällen fehlt beispielsweise bei Geburt gänzlich die Anlage der Trikuspidalklappe, was zu einer gefährlichen Durchmischung von Blut aus den beiden Vorkammern durch das dann noch geöffnete Foramen ovalis führt, das die beiden Vorkammern pränatal miteinander verbindet.

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