Scrapie (Traberkrankheit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Scrapie oder Traberkrankheit ist eine seit über zweihundert Jahren bekannte, übertragbare Gehirnerkrankung bei Schafen und Ziegen. Potentielle ist auch die Traberkrankheit für den Menschen gefährlich, auch wenn die krankmachende Wirkung hierbei deutlich geringer ausfällt, als bei Schafen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Scrapie?

Scrapie (Traberkrankheit) zählt zu den sogenannten Prionenkrankheiten, zu denen auch die beim Menschen auftretende Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die BSE-Erkrankung bei Rindern, die CWD bei hirschartigen Tieren, die TME bei Nerzen und die FSE bei Katzen gehören.

Prionen sind fehlgebildete Proteine (Eiweiße), die im Gehirn Schäden verursachen. Es kommt bei Scrapie zu einer Ablagerung stärkeähnlicher Stoffe im Gehirn, die zu seiner Rückbildung führen. Das Gehirn entwickelt zunehmend eine schwammähnlich mit Löchern versehene (spongiforme) Struktur.

Von Scrapie-infizierten Schafen stammendes Tiermehl, das an Rinder verfüttert wurde, hat den Krankheitserreger übertragen und die BSE-Erkrankung ausgelöst. Die englische Bezeichnung Scrapie ist darauf zurückzuführen, dass sich kranke Schafe wegen starken Juckreizes oftmals die Wolle abscheuern. Der deutsche Name Traberkrankheit nimmt auf Auffälligkeiten beim Gang Bezug. Bei Auftreten der Tierseuche Scrapie besteht in Deutschland Meldepflicht. Im Jahr 2011 wurden 19 Krankheitsfälle bekannt.

Ursachen

Prionen sind Eiweißstoffe, die sich auch im gesunden Tierkörper befinden. Erst durch Fehlbindungen dieser Proteine erhalten sie ihre krankheitsauslösende Bedeutung und führen zu Scrapie.

Die fehlgebildeten Prionen ähneln in ihrer Wirkung als organische Giftstoffe den Viren. Doch anders als Bakterien und Viren sind die Prionen gegen Hitze widerstandsfähig und lassen sich auch nicht durch Desinfektionsmaßnahmen bekämpfen.

Nach aktuellem Wissensstand handelt es sich bei der Traberkrankheit um eine übertragbare (transmissible) Krankheit, für deren Ausbruch eine entsprechende genetische Disposition von großer Bedeutung ist. Die Einzelheiten des Übertragungsweges sind aber noch nicht erforscht.

Zwischen Ansteckung und Auftreten der Krankheitssymptome können bei Scrapie einige Jahre liegen, während der die Tiere noch gesund erscheinen. Zum Zeitpunkt der Erkrankung beträgt das Durchschnittsalter der Tiere bei Scrapie 3,5 Jahre.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Symptom für eine Erkrankung an Scrapie ist ein verändertes Verhalten der Tiere, die schreckhaft und nervös erscheinen. Die Bewegungsabläufe der taumelnden, hoppelnden, trabenden oder oft zitternden Tiere sind gestört. Juckreiz lässt sie ihre Wolle abscheuern. Ferner nimmt das Gewicht der erkrankten Tiere ab. Allerdings entwickelt jedes Tier insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung mit Scrapie (Traberkrankheit) eine individuelle Symptomatik.

Eine sichere Diagnose von Scrapie kann derzeit erst nach dem Tod des Tieres durch Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Gehirn gestellt werden. Es wird zwar auch versucht, die Krankheit durch Untersuchung von Lymphgewebeproben bereits bei lebenden Tieren zu diagnostizieren, doch sind die Ergebnisse dieser Methode noch nicht wissenschaftlich anerkannt. Sobald die Traberkrankheit ausgebrochen ist, führt die Krankheit in allen Fällen innerhalb einiger Wochen oder Monate zum Tod.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann diese Erkrankung zum Tod des Betroffenen führen. Allerdings tritt dieser Fall nur sehr selten auf und kann in der Regel auch relativ einfach vermieden werden. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einer starken inneren Unruhe und an einer Schreckhaftigkeit. Diese Beschwerden wirken sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten und damit auch auf den Alltag des Betroffenen aus.

Es kommt dabei zu einem starken Zittern und zu Angstzuständen. Auch Gangstörungen und Störungen der Koordination können durch Scrapie auftreten und den Alltag des Patienten erschweren. Die meisten Betroffenen verlieren im Laufe der Erkrankung an Gewicht und leiden weiterhin an Juckreiz auf der Haut. Die Beschwerden führen dabei häufig auch zu Depressionen oder zu anderen psychischen Problemen.

Eine direkte und kausale Behandlung dieser Erkrankung ist in der Regel nicht möglich. Die Betroffenen können dabei nur die Beschwerden und Symptome einschränken, die Erkrankung allerdings nicht vollständig bekämpfen. Eventuell kommt es dadurch auch zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten. Möglicherweise kann in den nächsten Jahren eine Therapie entwickelt werden. Bei der Behandlung der Symptome treten allerdings keine besonderen Komplikationen auf.

Behandlung & Therapie

Therapeutische Möglichkeiten zur Behandlung der an Scrapie erkrankten Tiere gibt es wie bei allen anderen Prionenkrankheiten bisher nicht. Es wird allerdings versucht, die Ausbreitung von Scrapie (Traberkrankheit) zu verhindern, indem die Tiere prophylaktisch isoliert werden. Da aber zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome von Scrapie Jahreszeiträume liegen können, erfolgt die Absonderung der betroffenen Tiere erst zu einem relativ späten Zeitpunkt und ist daher in ihrer Wirksamkeit begrenzt.

Nach Notschlachtung der an der Traberkrankheit erkrankten Tiere werden die Kadaver verbrannt, um Infektionsquellen zu beseitigen. Erste therapeutische Ansätze entwickelten Forscher der Universitäten Bonn und München, die mit einem neuen Behandlungsverfahren die Lebensdauer vergleichbar infizierter Mäuse verlängern konnten. Die Forscher setzten besondere RNA-Moleküle (Verwandte der DNS) ein, die sich an diejenigen Gene in den Gehirnzellen heften, die für die Herstellung der fehlerhaften Prionen verantwortlich sind.

Mit diesem Verfahren konnte die Produktion der pathologischen (krankmachenden) Eiweiße um 97 % reduziert werden. Die RNA-behandelten Tiere hatten aber nur dann eine um ein Drittel erhöhte Lebensdauer, wenn es gelang, die überwiegende Zahl ihrer Gehirnzellen zu schützen. Ob die Entwicklung einer Therapie möglich sein wird, die mittels dieses sogenannten RNA-Interferenz-Verfahrens sämtliche Gehirnzellen erreichen kann, wird von den Forschern allerdings bezweifelt. Die Erforschung einer effektiven Therapie für Scrapie wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

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Vorbeugung

Eine phrophylaktische Maßnahme besteht in der Aussonderung und Notschlachtung von an Scrapie erkrankten Tieren. Wegen der langen Inkubationszeit ist die Isolation der Tiere allerdings nur begrenzt wirksam. Eine langfristige Möglichkeit zur Bekämpfung der Seuche Scrapie besteht in der Entwicklung von Zuchtprogrammen, bei denen mittels Gentest vorab die Krankheitsanfälligkeit der für die Zucht vorgesehenen Tiere ermittelt wird. Außerdem wird ein tierärztliches Monitoring durchgeführt, mit dem Ziegen- und Schafherden durch flächendeckende Stichproben auf Scrapie untersucht werden.

Bücher über Scrapie

Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Kayser et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2005
  • Wenk, P., Renz, A.: Parasitologie. Thieme, Stuttgart 2003

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