Sclera

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Die Sclera oder Lederhaut ist ein Teil des Auges und umspannt einen großen Teil des Augapfels. Sie hat vorwiegend eine schützende Funktion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Sclera?

Die Sclera umspannt beinahe das gesamte Auge und schimmert weiß durch die Bindehaut. Aus diesem Grund wird sie seltener auch als weiße Augenhaut bezeichnet. Eine dünne Sclera kann eine leicht bläuliche Färbung des Auges verursachen.

Dieses Phänomen tritt insbesondere bei Säuglingen auf. Als Area cribrosa beginnt die Sclera an der Eintrittsstelle des Sehnervs auf der Rückseite des Augapfels. An dieser Stelle weist die Sclera feine Öffnungen auf, durch die mehrere Blutgefäße führen. Darüber hinaus verbinden sich an dieser Stelle Sclera und Tenon-Kapsel. Die Tenon-Kapsel grenzt die Sclera nach außen hin ab und trennt sie vom umgebenden Fettgewebe. Die Tenon-Kapsel ermöglicht dadurch die freie Beweglichkeit des Auges in verschiedene Richtungen. An der Vorderseite des Auges umschließt die Sclera die Augen-Hornhaut und bildet dabei einen Wulst, der als Scleralwulst oder Sulcus sclerae bezeichnet wird.

Anatomie & Aufbau

Die Sclera besteht aus mehreren Schichten: Im Zentrum steht die Substantia propria, die aus Kollagenbindegewebe besteht. Sie wird durch den Innendruck des Auges gespannt und in Form gehalten.

Über der Substantia propria liegt die Lamina episcleralis als zweite Schicht auf. Sie ist von zahlreichen Blutgefäßen durchzogen und nimmt dadurch eine wichtige Rolle für die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff ein. Nach innen ummantelt die Substantia propria eine weitere Gewebeschicht, die Lamina fusca. Die Lamina fusca ist sehr dünn und enthält Pigmente. Zudem stellt die Lamina fusca die Verbindung zur Aderhaut unterhalb der Sclera her, durch welche die Mehrzahl der Blutgefäße des Augapfels fließen.

Funktion & Aufgaben

Die Hauptfunktion der Sclera besteht im Schutz des Auges. Sie schirmt das Auge gegen mechanische Einwirkungen und direkte Sonneneinstrahlung ab und verleiht ihm Stabilität. Die Sclera schützt vor allem die unter ihr liegende Aderhaut (Choroidea), die zahlreiche empfindliche Blutgefäße beinhaltet.

Um die Blutversorgung nicht zu behindern, befinden sich in der Sclera Öffnungen für hindurchlaufende Blutgefäße oder verbindende Adern. Dies ist vor allem im vorderen Teil des Auges der Fall, wo die Sclera an der Hornhaut den Scleralwulst bildet. Durch den Scleralwulst an der Bindestelle zwischen Hornhaut und Sclera verlaufen zahlreiche Blutgefäße. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Nährstoffversorgung der anderen Teile des Auges. Der Sclera kommt darüber hinaus eine Funktion als Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand zu: Anhand ihrer Färbung kann auf verschiedene Krankheiten geschlossen werden.

Bei einer Erkrankung der Leber oder bei einer Infektion mit Gelbsucht färbt sich die sonst weiße Sclera weiß-gelblich bis tiefgelb. Bei dieser Verfärbung handelt es sich nicht um eine Erkrankung des Auges, sondern um ein frühes Anzeichen einer anderen Erkrankung. Nach Behandlung der Ursache färbt sich die Sclera wieder weiß. Krankheiten, die außer der Gelbsucht typischerweise zur gelblichen Verfärbung der Sclera führen, sind Hepatitis, Alkoholerkrankungen sowie Unter- oder Mangelernährung. Der Stoff Bilirubin ist für die Gelbfärbung verantwortlich. Er entsteht beim Abbau des roten Hämoglobins, welches das Blut rot färbt. Dunkle Flecken in der Sclera liefern Hinweise auf die Tyrosin-Stoffwechselkrankheit Alkaptonurie.

Krankheiten

Bei den typischen Erkrankungen der Sclera handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um Entzündungen. Mediziner bezeichnen diese Entzündungen allgemein als Skleritis. Ist lediglich die oberste Schicht der Sclera entzündet, handelt es sich um eine Episkleritis – benannt nach der äußersten Schicht der Sclera, der Lamina episcleralis.

Die Skleritis wird in der Regel durch eine andere Krankheit ausgelöst, die weitere Teile des menschlichen Körpers betrifft. Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Gicht gehören zu den häufigsten Auslösern. Dabei verwechselt das Immunsystem des Körpers beispielsweise das Kollagenbindegewebe der Sklera mit einem potenziell schädlichen Stoff und greift es an. Die Symptome der Entzündung wie Schwellung, Rötung und Juckreiz sind Folge dieser Attacke des eigenen Immunsystems. In selteneren Fällen kann eine Entzündung der Sclera die Folge einer räumlich beschränkten Infektion sein.

Mikro-Verletzungen am Auge können eine solche lokale Infektion auslösen, wenn Bakterien in die Wunde eindringen. Auch andere Infektionskrankheiten können durch die Entzündung der Sclera in Erscheinung treten. Die Borreliose kann als Lyme-Borreliose ebenfalls entsprechende Gewebeschäden verursachen. Bei Borreliose handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die Bakterien beim Menschen und bei einigen Tieren auslösen. Häufigster Überträger dieser Bakterien sind Zecken, seltener auch bestimmte Mückenarten. Bei der Gürtelrose (Herpes Zoster) sorgt eine Infektion mit dem entsprechenden Virus für Entzündungen an betroffenen Körperstellen.

Ist die Sclera oder ein anderer Teil des Auges oder des Gesichts betroffen, bezeichnen Mediziner die Infektion als Zoster ophthalmicus. Bei einer Infektion des Auges mit dem Herpes-Zoster-Virus besteht die Gefahr der dauerhaften Erblindung, da sich im Verlauf der Erkrankung die Hornhaut trüben oder anderweitig Schaden nehmen kann. Auch Syphilis kann zu einer Entzündung der Sclera führen. Diese sexuell übertragbare Krankheit war vom Mittelalter bis in die Neuzeit eine weit verbreitete und gefürchtete Infektionskrankheit. Syphilis kann jedoch heutzutage mithilfe von Antibiotika gut behandelt werden. Darüber hinaus kann eine Blutvergiftung (Sepsis) ebenfalls zur Entzündung der Sclera führen. Bei einer Blutvergiftung handelt es sich um eine sogenannte systemische Entzündungsreaktion, die zahlreiche Organe zeitgleich angreift.

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