Schwitzen in der Schwangerschaft

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
Startseite » Symptome » Gynäkologie & Geburt » Schwitzen in der Schwangerschaft

Schwitzen in der Schwangerschaft ist kein Symptom einer Krankheit, sondern eine natürliche Begleiterscheinung einer Schwangerschaft. Hormonelle Umstellungen sowie die wachsende körperliche Belastung sind für diese Hitzewallungen verantwortlich. Leichte Kleidung und viel Flüssigkeit können Schwitzen in der Schwangerschaft erträglicher machen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schwitzen in der Schwangerschaft?

Schwitzen in der Schwangerschaft äußert sich in Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Der veränderte Hormonspiegel erhöht die Versorgung der Haut mit Blut. Das Ergebnis ist ein erhöhtes Wärmeempfinden sowie eine rötlich bis rötlich-fleckig verfärbte Haut. Häufig sind Kopf, Nacken und Brust betroffen. Es kann ebenfalls zu heißen Füßen kommen.

Schwitzen in der Schwangerschaft tritt im zweiten und dritten Trimester auf und dauert meist über mehrere Minuten an. Auch nach der Geburt treten Hitzewallungen bei stillenden Müttern auf. Hitzewallungen können mehrmals pro Stunde auftreten. Das wachsende Gewicht des ungeborenen Kindes trägt im dritten Trimester häufig dazu bei, dass sich das Schwitzen in der Schwangerschaft verstärkt. Frauen, die in den Sommermonaten hochschwanger sind, sind häufiger betroffen.

Ungefähr 15 Prozent aller schwangeren Frauen sind von Schwitzen in der Schwangerschaft betroffen. Es handelt sich dabei um eine Begleiterscheinung, die sowohl für die werdende Mutter als auch für das ungeborene Kind ungefährlich ist.

Ursachen

Eine Ursache für Schwitzen in der Schwangerschaft stellen Hormonveränderungen dar. Sie führen dazu, dass der gesamte Organismus besser durchblutet wird. Auch durch die Haut fließt eine erhöhte Menge an Blut, was sich in Rötungen und erhöhtem Wärmeempfinden äußert.

Die Blutgefäße der Haut erweitern sich, sodass mehr Wärme nach außen gelangt. Je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft ist, desto höher ist der Stoffwechsel. Der Körper benötigt mehr Energie, um das ungeborene Kind sowie die werdende Mutter zu versorgen. Der erhöhte Umsatz von Nahrung in Energie erzeugt zusätzliche Wärme.

Besonders im dritten Trimester einer Schwangerschaft muss eine Frau mehr Energie aufwenden, um Bewegungen auszuführen. Grund ist das wachsende Gewicht des ungeborenen Kindes.

Das Schwitzen in der Schwangerschaft ist somit nicht nur in hormonellen und stoffwechselbedingten Umstellungen begründet, sondern auch in der wachsenden körperlichen Belastung.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Diagnose & Verlauf

Schwitzen in der Schwangerschaft äußert sich in Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Der veränderte Hormonspiegel erhöht die Versorgung der Haut mit Blut.

Meist tritt das Schwitzen in der Schwangerschaft ab dem zweiten Trimester auf und steigert sich im dritten Trimester bis zur Geburt. In vereinzelten Fällen setzen die Hitzewallungen aufgrund der starken hormonellen Umstellung bereits im ersten Trimester ein.

Mitunter setzen die Schweißausbrüche sich nach der Geburt fort. Das ist der Fall, wenn die Mutter ihr Kind stillt und der Hormonhaushalt dadurch noch immer starken Schwankungen unterworfen ist. Schwitzen in der Schwangerschaft ist kein Symptom einer Krankheit, sondern eine natürliche Begleiterscheinung einer Schwangerschaft. Darüber klärt die begleitende Hebamme oder der begleitende Gynäkologe bei Bedarf auf.

Da es sich nicht um das Symptom einer Erkrankung handelt, behandelt der Gynäkologe oder die Hebamme das Schwitzen nicht spezifisch. Sie können die Betroffene jedoch mit Tipps und Ratschlägen versorgen, um das Schwitzen in der Schwangerschaft erträglicher zu machen.

Komplikationen

Schwitzen in der Schwangerschaft ist aufgrund der Hormonumstellung und der vermehrten Durchblutung des gesamten Organismus zunächst einmal grundsätzlich normal. Es kann sich bei vermehrtem Schwitzen während der Schwangerschaft aber auch um ein Symptom verschiedener Erkrankungen handeln, bei denen es zu Komplikationen kommen kann. Bei Schwangeren vergrößert sich die Schilddrüse, bedingt durch die hormonellen Veränderungen.

Daher können Schilddrüsenerkrankungen auftreten, die sich auch durch verstärktes Schwitzen bemerkbar machen. Dabei handelt es sich meist um eine Schilddrüsenüberfunktion, die als Symptome neben Unruhe und Herzrasen auch vermehrtes Schwitzen aufweist. Als Komplikationen können bei einer hormonell verursachten Schilddrüsenüberfunktion vorzeitige Wehen ausgelöst werden.

Handelt es sich bei der Überfunktion der Schilddrüse um eine Autoimmunkrankheit (so genannter Morbus Basedow) kann dies für Mutter und Kind zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Der Körper wird bei dieser Erkrankung stark mit Schilddrüsenhormonen überflutet, dass neben der Gefahr der vorzeitigen Wehen auch lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen bei Mutter und Kind auftreten können.

Schwitzen in der Schwangerschaft kann auch durch einen erhöhten Blutdruck der Mutter ausgelöst werden. Dieser kann ein Hinweis auf eine Gestose (im Volksmund auch Schwangerschaftsvegiftung) sein. Diese Erkrankung hat im Extremfall epileptische Anfälle und Organversagen bei der Schwangeren zur Folge und gehört immer noch mit zu den häufigsten Todesursachen in der Schwangerschaft.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Während der Schwangerschaft können hormonelle Veränderungen und die körperliche Belastung zu starkem Schwitzen führen. Ein Arztbesuch empfiehlt sich, wenn die Beschwerden mit einem körperlichen Unwohlsein verbunden sind oder mit ungewöhnlichen Begleitsymptomen wie Fieber oder Schüttelfrost. Grundsätzlich sollte das Schwitzen abgeklärt werden, wenn es im Verlauf der Schwangerschaft vermehrt auftritt oder die Schweißausbrüche an Intensität zunehmen.

Kommen zu dem Schwitzen Herzrasen oder andere Symptome hinzu, sollte zur weiteren Abklärung der Ursachen ein Krankenhaus aufgesucht werden. Kalte Schweißausbrüche und andere Fiebersymptome können auf eine Eileiterschwangerschaft hindeuten und sollten zeitnah mit dem Frauenarzt besprochen werden.

Davon ab empfiehlt sich ein Beratungsgespräch beim Frauenarzt, in dem die Ursachen und Therapiemöglichkeiten für verstärktes Schwitzen in der Schwangerschaft besprochen werden. Bei starken Unterleibsschmerzen und Blutungen besteht der Verdacht auf eine Fehl- oder Frühgeburt. Schwallartige Blutungen deuten auf einen Plazentariss hin. In beiden Fällen muss umgehend der Rettungsdienst gerufen werden, um schwere Komplikationen zu vermeiden.

Behandlung & Therapie

Eine konkrete Behandlung gegen Schwitzen in der Schwangerschaft gibt es nicht. Eine Reihe von Ratschlägen kann bei dieser natürlichen Begleiterscheinung einer Schwangerschaft jedoch Abhilfe verschaffen.

Die Hebamme oder der Gynäkologe rät Frauen, die stark schwitzen, dazu, den Flüssigkeitsverlust durch die Einnahme von Tees, verdünnten, ungezuckerten Fruchtsäften und besonders Mineralwasser auszugleichen. Starkes Schwitzen kann zu einer Unterversorgung mit Mineralstoffen führen. Entsprechende Nahrungsergänzungsmittel sorgen bei Bedarf dafür, dass eine schwangere Frau ausreichend mit Natrium, Kalium und Magnesium versorgt wird.

Empfehlenswert ist das Tragen mehrerer Kleidungsstücke übereinander, sodass eines oder mehrere beim Auftreten einer Hitzewallung abgelegt werden können. Als Materialien bieten sich besonders atmungsaktive Stoffe wie Baumwolle, Leinen oder auch unbehandelte Wolle mit ihren temperaturregulierenden Eigenschaften an. Ein kühles Schlafklima macht nächtliche Schweißausbrüche erträglicher.

Ein Taschenventilator oder eine mit Wasser gefüllte Sprühflasche hilft an heißen Tagen. Ein kühles Fußbad oder Wassertreten entspannt heiße Füße und stärkt den Organismus. Der schwangeren Frau wird empfohlen, sich bei einer Hitzewallung kühles oder lauwarmes Wasser über die Handgelenke laufen zu lassen. Eventuell kann die schwangere Frau auch auf kühlende Salben oder Gels zurückgreifen.

Aussicht & Prognose

Vermehrtes Schwitzen in der Schwangerschaft ist normal. Viele Frauen fühlen sich damit aber nicht wohl und wünschen sich, dass es schnell wieder aufhört. Allerdings werden sie in den meisten Fällen bis zum Ende der Schwangerschaft und für kurze Zeit darüber hinaus damit leben müssen, denn das Schwitzen hat hormonelle Ursachen. Es tritt besonders oft in Verbindung mit Hitzewallungen auf, denen Frauen in den Wechseljahren erneut begegnen werden.

Da das Schwitzen in der Schwangerschaft also hormonell bedingt ist, kann es auch erst wieder aufhören, nachdem das Kind geboren wurde und sich der Körper wieder auf den nicht schwangeren Zustand eingestellt hat. Während manche Frauen dafür nur wenige Tage nach der Geburt brauchen, spüren andere noch Wochen und manchmal sogar Monate nach der Geburt Veränderungen durch die zurückliegende Schwangerschaft.

Obwohl Fälle von Schwitzen in der Schwangerschaft meistens die ganze Schwangerschaft über andauern, gibt es einige Frauen, die das Problem nur phasenweise haben. Danach bessert es sich wieder, noch bevor das Kind auf der Welt ist. Leider kann die Schwangere nicht selbst Einfluss darauf nehmen. Allerdings hilft es oft, locker sitzende Kleidung zu tragen, nachts nicht zu warm angezogen zu schlafen und ausreichend Wasser zu trinken, damit das Schwitzen wieder ausgeglichen werden kann.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da es sich bei Schwitzen in der Schwangerschaft um einen natürlichen Vorgang handelt, kann ihm bei bestehender Schwangerschaft nicht vorgebeugt werden. Begleiterscheinungen des Schwitzens, wie Geruchsbildung, kann eine Frau jedoch verhindern. Ein Hilfsmittel ist ein natürliches und zuverlässiges Deo. Häufiges Waschen und Erfrischen beugen der Geruchsbildung ebenfalls vor.

Um das Schwitzen nicht zusätzlich zu verstärken, können schwangere Frauen auf scharf gewürzte Speisen sowie koffeinhaltige Getränke verzichten. Schwangere Frauen sollten sich weiterhin nicht zu häufig und zu lange direkter Sonneneinstrahlung aussetzen.

Das können Sie selbst tun

Verstärktes Schwitzen während der Schwangerschaft ist eine Begleiterscheinung der großen hormonellen Umstellung und der Gewichtszunahme, die der weibliche Körper durchlebt. Für die Betroffenen ist es sehr unangenehm. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern.

Gegen die Hitzewallungen selbst, kann nichts unternommen werden. Jedoch muss ein Flüssigkeitsausgleich durch Trinken von großen Mengen an Wasser, Tee oder Fruchtsäften erfolgen. Letztere nur ab und zu, möglichst ungesüßt, da ein zu hoher Zuckergehalt die Gefahr einer Schwangerschaftsdiabetes erhöht. Das vermehrte Schwitzen bringt auch Mineralstoffe aus dem Körper heraus. Daher sollte bei anstehenden Bluttests – während der Schwangerschaft – auch auf diese Mikronährstoffe geachtet werden.

Um das eigene Wohlgefühl zu steigern, empfiehlt sich bequeme und weite Kleidung zu tragen. So kann die Luft besser zirkulieren. Trägt man mehrere dünne Bekleidungsstücke übereinander, kann je nach Temperatur besser variiert werden. Gleiches gilt für ein bequemes und sicheres Schuhwerk. Selbstverständlich können sich schwangere Frauen auch mehrfach täglich unter die Dusche stellen. Dabei sollte jedoch auf den sparsamen Gebrauch von Seife und anderen Kosmetika geachtet werden, da diese die Haut austrocknen und die Schweißdrüsen irritieren könnten. Der Verzehr von heißen und scharfen Speisen sowie der Genuss koffeinhaltiger Getränke sollte reduziert werden. Deren Konsum regen den Stoffwechsel und die Schweißproduktion an.

Bücher über Schwitzen & Schweißausbrüche

Quellen

  • Battegay, E.: Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
  • Sterry, W., Burgdorf, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: