Schwangerschaftsphobie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
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Bei Schwangerschaftsphobien leiden die Patientinnen an panischer Angst vor einer Schwangerschaft oder Geburt. Oft gehen den Phobien traumatische Erfahrungen wie Geburtskomplikationen oder Totgeburten voraus. Die Therapie besteht aus Gesprächstherapie und kognitiver Verhaltenstherapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schwangerschaftsphobie?

Angststörungen werden auch als Phobien bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe aus psychischen Störungen, die sich durch eine übertriebene Furcht vor bestimmten Situationen, Lebewesen oder Objekten manifestieren. Eine derartige Angststörung ist die sogenannte Tokophobie.

Diese psychische Störung ist besser als Schwangerschaftsphobie bekannt und wird von pathologischer Angst vor den Ereignissen der Schwangerschaft und Geburt gekennzeichnet. Unterschiedliche Formen der Tokophobie werden unterschieden. Neben einer primären Schwangerschaftsphobie existiert eine sekundäre Form. Die beiden Formen unterscheiden sich prinzipiell in ihren Ursachen. Erstere Variante entspricht einer lebenslang anhaltenden Form, die nicht auf ein konkretes Ereignis zurückzuführen ist.

Nicht jede Frau mit Angst vor der Schwangerschaft oder Geburt eines Kindes leidet gleich an einer Schwangerschaftsphobie. Ausschlaggebend ist neben dem Grad des Angstempfindens vor allem das Verhalten der betroffenen Frauen. Viele von ihnen verweigern sich zum Beispiel konsequent einer Schwangerschaft. Andere bleiben enthaltsam oder lassen sich aus Angst sogar sterilisieren.

Ursachen

Die Ursachen einer manifesten Schwangerschaftsphobie können unterschiedlicher Art sein. Viele Frauen erkranken beispielsweise im Rahmen von postportalen Stimmungskrisen an einer Tokophobie. Postpartale Stimmungskrisen sind depressive Verstimmungen in der Zeit des Wochenbetts, die unterschiedlichen Phobien als Nährboden dienen können.

Abgesehen von diesem Kontext treten Schwangerschaftsphobien außerdem häufig nach traumatischen Ereignissen wie einer Totgeburt, einer Zangengeburt oder einem ungeplanten Kaiserschnitt auf. In diesen Fällen haben betroffene Frauen Geburtsschmerzen und Geburtskomplikationen am eigenen Leibe miterlebt: Ihre Angst hat somit reale Bezugspunkte.

In wieder anderen Fällen ist ein partnerschaftlicher Konflikt der primäre Auslöser von Schwangerschaftsphobien. Studien zufolge kann die übertriebene Angst vor Schwangerschaften außerdem familiär bedingt sein. Mütter können das Phänomen zum Beispiel auf ihre Töchter übertragen.

Besonders in Familien mit einer negativen Einstellung gegenüber Sexualität wird die psychische Vererbung von Schwangerschaftsphobien häufig beobachtet. Auch sexueller Missbrauch wurde in Einzelfällen mit Tokophobie in Zusammenhang gebracht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Frauen mit Schwangerschaftsphobie leiden an einer übertriebenen Angst vor dem Ereignis der Schwangerschaft sowie Kindesgeburt. Diese Angst kann im Einzelfall körperliche Symptome wie Hitzeattacken, Schweißausbrüche und Atemprobleme verursachen. Auch auf den Blutdruck und den Puls der betroffenen Frauen kann sich der drastische Angstzustand auswirken.

Viele der Betroffenen haben keine Kinder und verzichten wegen der panischen Angst auch zukünftig auf Nachwuchs oder Familienplanung. In einigen Fällen lassen sich die Betroffenen vorsichtshalber sterilisieren oder fordern die Sterilisation von ihren Partnern. Im Extremfall verzichten die Patientinnen generell auf sexuelle Aktivitäten, um alle Risiken für eine Schwangerschaft zu eliminieren.

Falls es trotz übertriebener Vorsichtsmaßnahmen zu einer Schwangerschaft kommt, entscheiden sich die Betroffenen meist für einen Schwangerschaftsabbruch. Falls nicht die Schwangerschaft, sondern die Geburt den Frauen Angst bereitet, wählen sie statt einer natürlichen Geburt einen Kaiserschnitt aus.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Schwangerschaftsphobien werden häufig nicht zur Diagnose gebracht. Die betroffenen Frauen wenden sich mit ihren abnormal starken Ängsten in vielen Fällen nicht nach außen. Das gilt besonders für solche Frauen, die Missbrauchserfahrungen gemacht oder in Familien mit negativer Einstellung zur Sexualität aufgewachsen sind.

Prinzipiell stellt der Psychologe die Diagnose einer Tokophobie. Entscheidend ist die differentialdiagnostische Abgrenzung zu natürlichen Schwangerschafts- und Geburtsängsten, wie sie zum Beispiel bei jüngeren Müttern bestehen können.

Komplikationen

In der Regel leiden die Betroffenen bei einer Schwangerschaftsphobie an einer starken Angst vor der Geburt eines Kindes und vor dem Geburtsvorgang selbst. Diese Angst kann dabei zu starken Schweißausbrüchen oder zu Atembeschwerden führen, wenn über das Thema gesprochen wird. Auch Angstzustände und ein hoher Blutdruck können krankheitsbedingt auftreten und wirken sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus.

Mitunter ist auch die Nachwuchsplanung beeinträchtigt, was zu Beschwerden und Problemen in einer Beziehung mit dem Partner führen kann. Viele Patientinnen lassen sich aufgrund der Schwangerschaftsphobie auch sterilisieren, um damit eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern. In schwerwiegenden Fällen kann die Betroffene die Schwangerschaft auch abbrechen.

Eine Behandlung der Schwangerschaftsphobie ist in der Regel nur durch einen Psychologen oder durch einen Therapeuten möglich. Besondere Komplikationen treten bei der Behandlung nicht auf, wobei ein positiver Verlauf der Erkrankung nicht immer garantiert werden kann. Auch eine Paartherapie kann diese Phobie möglicherweise lösen. Die Lebenserwartung der Betroffenen bliebt durch diese Phobie in der Regel unbeeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Schwangerschaftsphobie wird idealerweise ursächlich behandelt. Zur kausalen Therapie ist zunächst die Ursachenklärung erforderlich. In einer Gesprächstherapie ermittelt der Psychotherapeut das auslösende Ereignis. Zur ursächlichen Behandlung können Ansätze der kognitiven Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

Bei diesen Therapien erhält der Patient die Möglichkeit, seine eigene Einstellung gegenüber bestimmter Sachverhalte und Situationen zu hinterfragen. Die negativen Assoziationen des Patienten werden vom Therapeuten mit positiven oder neutralen Assoziationen ausgetauscht. Damit die kognitive Verhaltenstherapie funktionieren kann, muss der Patient volle Zurechnungsfähigkeit besitzen und zur Mitarbeit bereit sein.

Die Neubewertung bereits durchlebter Situationen kann die Angst vor einer Schwangerschaft vor allem dann auflösen, wenn es sich um eine gänzlich irrationale oder von außen vererbte Furcht handelt. Bei Frauen mit traumatischen Geburtsereignissen kann sich die Therapie längerfristiger und schwieriger gestalten. Mitunter am einfachsten zu behandeln sind Patientinnen, denen durch die Familie eine negative Haltung zu Sexualität vermittelt wurde.

Diese negative Haltung lässt sich in den meisten Fällen mittels Neubewertungen angleichen. Falls die kausale Therapie keine Früchte trägt, kann eine symptomatische Therapie erfolgen. Im Fokus dieser meist medikamentösen Therapieform steht die Lebensqualität der Patientinnen. Idealerweise werden die Betroffenen durch Medikamentengabe zumindest von ihren Panikattacken erlöst.

Je weniger Symptome die Patientinnen zeigen, desto mehr steigt oft ihre Lebensqualität. Bei partnerschaftlich bedingten Schwangerschaftsphobien kann eine Paartherapie zur Konfliktlösung erforderlich sein.

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Vorbeugung

Schwangerschaftsphobien kann vorgebeugt werden. Nach komplizierten Geburten, komplikationsreichen Schwangerschaften oder geburtsbedingten Traumata sollte ein Psychotherapeut oder Psychologe beigezogen werden. Gemeinsam mit dem Fachmann kann das durchlebte Trauma zur Aufarbeitung gelangen.

Da auch familiäre und partnerschaftliche Konflikte an der Entstehung einer Tokophobie beteiligt sein können, ist auch in diesen Fällen eine psychotherapeutische Betreuung anzustreben. Noch wichtiger ist diese Betreuung nach Missbrauchsfällen, die von den Betroffenen in der Regel nicht alleine verarbeitet werden können.

Bücher über Schwangerschaft

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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