Schwangerschaftsfettleber

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Die Schwangerschaftsfettleber ist eine schwerwiegende Komplikation, die potenziell lebensgefährlich für Mutter und Kind sein kann. Wodurch es zur Einlagerung von Fett in die Leberzellen der Schwangeren kommt, ist derzeit nicht eindeutig geklärt. Die Behandlung besteht in einer zeitnahen Beendigung der Schwangerschaft. In den meisten Fällen regeneriert sich die Leber in den Wochen nach der Geburt vollständig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schwangerschaftsfettleber?

Bei der Schwangerschaftsfettleber handelt es sich um eine seltene Komplikation, welche zu einer schweren Störung der Leberfunktion der werdenden Mutter führt. Es kommt zu einer übermäßigen Einlagerung von Fett in die Zellen der Leber (Hepatozyten), wodurch die Leber ihre vielseitigen Aufgaben nur mehr eingeschränkt ausführen kann.

Typischerweise werden Symptome erst im letzten Trimester manifest und können lebensbedrohlich sein. Die Schwangerschaftsfettleber ist grundsätzlich reversibel; alle Symptome bilden sich nach der Entbindung zurück. Die Häufigkeit dieser Schwangerschaftskomplikation liegt Schätzungen zufolge zwischen 1:7000 und 1:16000.

Genaue Zahlen sind aufgrund der Seltenheit dieser hepatologischen Erkrankung nicht verfügbar. Die Diagnosestellung stellt eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte dar. Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Hepatologie, Neonatologie, Chirurgie und Gynäkologie müssen zusammenarbeiten, um mögliche andere Erkrankungen auszuschließen.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Ausbildung einer Schwangerschaftsfettleber sind derzeit noch ungeklärt. Eventuell spielt eine genetische Vorbelastung eine Rolle bei der Entstehung. In manchen Familien tritt diese Komplikation gehäuft auf, was auf ein Mitwirken von erblichen Faktoren hindeutet.

Außerdem kann die Einnahme bestimmter Arzneimittel wie Antiepileptika das Erkrankungsrisiko steigern. In Ausnahmefällen konnte die Erkrankung in Verbindung mit der Einnahme von Antibiotika während der Schwangerschaft gebracht werden. Bei dieser hepatologischen Krankheit ist der Fettsäureabbau, die sogenannte Beta-Oxidation, in den Zellen der Leber gestört.

Fettsäuren können nicht ordnungsgemäß abgebaut und verstoffwechselt werden, weswegen es zu einer Anhäufung von Fett in den Hepatozyten kommt. Wird dieser Vorgang nicht gestoppt, sammelt sich immer mehr Fett in der Leber an, bis Leberversagen eintritt. Die genaue Pathogenese ist unbekannt. In seltenen Fällen spielt ein Enzymdefekt des Fötus eine Rolle bei der Entstehung der Schwangerschaftsfettleber.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine akute Schwangerschaftsfettleber tritt großteils erst um die 35. Schwangerschaftswoche auf und geht mit vielen unspezifischen Symptomen einher. Häufig leiden betroffene Frauen unter Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Anhaltende Rückenschmerzen können ebenso auftreten. Meist beginnen die Beschwerden leicht und nehmen mit der Zeit an Intensität zu. In einem fortgeschrittenen Stadium kommt es zur Gelbsucht, dabei färben sich die Haut, vor allem die Bindehäute der Augen, gelb. Betroffene Frauen haben meist einen sehr schnellen Herzschlag. Die Leber ist für die Herstellung der Gerinnungsfaktoren des Blutes zuständig.

Bei einer Einschränkung der Leberfunktion können daher Probleme bei der Blutgerinnung auftreten. Betroffene Frauen weisen punktförmige Einblutungen in die Haut auf. Schleimhäute sind von diesen kleinen Blutungen häufig betroffen. Während der Geburt besteht eine erhöhte Blutungsneigung.

Bei schweren Verläufen führt eine Schwangerschaftsfettleber zu Blutungen in den Verdauungstrakt, einer Niereninsuffizienz und einer hepatischen Enzephalopathie mit Koma. Dies kann zum Tod der werdenden Mutter und des ungeborenen Kindes führen. Derart schwere Verläufe sind selten, da die Schwangerschaft normalerweise beendet wird, bevor sich der Zustand der Schwangeren verschlechtert.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Aufgrund der unspezifischen Symptomatik ist die Diagnose einer Schwangerschaftsfettleber komplex und zeitaufwendig. Bei fortgeschrittener Schwangerschaft und Symptomen einer Leberfunktionsstörung wird zuerst ein Bluttest gemacht. Eine Ultraschalluntersuchung ist nicht immer aussagekräftig.

Wenn keine Gerinnungsstörung vorliegt, kann die Diagnose durch eine Biopsie der Leber und anschließende histologische Untersuchung gestellt werden. Die Schwangerschaftsfettleber ist eine schwere Erkrankung, die unbehandelt zum Tod der Mutter und des Kindes führen kann. Bei rascher Therapie ist die Prognose jedoch als positiv anzusehen.

Ebenso selten wie die Schwangerschaftsfettleber selbst sind auch die damit verbundenen Komplikationen. Treten sie jedoch auf, können sie gravierende Auswirkungen haben.

Komplikationen

Mögliche Folgeerscheinungen der Schwangerschaftsfettleber zeigen sich erst im letzten Abschnitt der Schwangerschaft. Im Durchschnitt handelt es sich dabei um die 35. Schwangerschaftswoche. Dabei leiden die betroffenen Frauen zunächst häufig an Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen sowie schmerzhaften Beschwerden im Oberbauch. Weitere Auswirkungen stellen eine gelbliche Verfärbung der Haut und der Augenbindehaut sowie ein beschleunigter Herzschlag dar.

Ist der Verlauf der Schwangerschaftsfettleber intensiv, drohen Komplikationen wie eine Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) und Blutungen innerhalb der Magen-Darm-Region. Im Extremfall kann die Schwangere ins Koma fallen. Weil auch Leber- und Blutgerinnungsfunktion durch die Schwangerschaftsfettleber in Mitleidenschaft gezogen werden, kommt es mitunter zu Störungen der Blutgerinnung.

Bemerkbar machen sie sich an punktförmigen kleinen Blutungen an Haut und Schleimhaut. Während des Geburtsvorgangs sind größere Blutungen möglich. Des Weiteren können sich an der Leber umfangreiche Blutergüsse bilden. Aufgrund der damit verbundenen Druckerhöhung besteht das Risiko eines Leberrisses.

Zu den Auswirkungen der akuten Schwangerschaftsfettleber gehören außerdem schwerwiegende Störungen des Stoffwechsels wie eine geringere Konzentration von Natrium und Kalium im Blut, eine Unterzuckerung oder der Abbau von Eiweiß. In manchen Fällen entsteht zudem eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Im schlimmsten Fall haben diese schweren Komplikationen sogar den Tod der Schwangeren oder ihres Kindes zur Folge.

Behandlung & Therapie

Die einzig ursächliche Therapie bei einer Schwangerschaftsfettleber besteht in der Einleitung der Geburt. Je nach Situation und gesundheitlichem Zustand der Schwangeren kann eine medikamentöse Einleitung der Wehen oder ein Kaiserschnitt erfolgen. Die Geburt des Kindes erfolgt in der Regel so schnell wie möglich, um ein akutes Leberversagen der Schwangeren zu unterbinden.

Da es sich um eine schwerwiegende Komplikation handelt, werden betroffene Frauen vorwiegend auf der Intensivstation behandelt. Dies ist unter anderem deswegen notwendig, weil sich der Gesundheitszustand sehr schnell verschlechtern kann und sofortiges Handeln erfordert. Unter Umständen ist eine Bluttransfusion notwendig.

Die Gabe von Gerinnungsfaktoren ist vor allem bei fortgeschrittener Fettleber wichtig, um der Blutungsneigung entgegenzuwirken. Nach der Entbindung wird das Neugeborene auf Enzymdefekte untersucht und gegebenenfalls eine weiterführende Behandlung eingeleitet. Wurde die Entbindung früh genug eingeleitet, ist die Erkrankung großteils rasch rückläufig und die Schwangere kann das Krankenhaus wenige Wochen nach der Geburt verlassen.

In schweren Fällen ist es möglich, dass es postpartal zu keiner Verbesserung der Leberfunktion kommt. Liegt akutes Leberversagen vor, kann nur eine Lebertransplantation das Leben der Frau retten. Betroffene Frauen müssen nach der Genesung über das Risiko der erneuten Erkrankung bei einer weiteren Schwangerschaft aufgeklärt werden.

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Vorbeugung

Derzeit ist nicht exakt bekannt, was zur Ausbildung einer Schwangerschaftsfettleber führt. Eine gezielte Vorbeugung ist demnach nicht möglich. Bei bekannten Fällen von hepatologischen Komplikationen während der Schwangerschaft in der Familie sollte dies bei einer Vorsorgeuntersuchung mit dem behandelnden Gynäkologen besprochen werden.

Unter Umständen sind dann im letzten Drittel der Schwangerschaft engmaschige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Überdies sollte die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft auf jeden Fall mit einem Facharzt für Gynäkologie abgesprochen werden. Im Allgemeinen ist die Erkrankung so selten, dass für die meisten Schwangeren kein Grund zur Sorge besteht.

Bücher über Schwangerschaftsfettleber und Schwangerschaft

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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