Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Eine Schwangerschaftsdiabetes oder Gestationsdiabetes ist in den meisten Fällen ein vorübergehendes Phänomen. Während der Schwangerschaft ist dabei der Glucosestoffwechsel bei den betroffenen Frauen durch die Bildung von Schwangerschaftshormonen gestört. Nach der Geburt des Kindes normalisieren sich die Zuckerwerte jedoch wieder.

Inhaltsverzeichnis

Definition Schwangerschaftsdiabetes

Die Schwangerschaftsdiabetes ist gekennzeichnet durch das erstmalige Auftreten einer Glucose-Toleranzstörung während der Schwangerschaft. Mit einiger Sicherheit ist die sogenannte Gestationsdiabetes eine der häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen überhaupt.

Schuld am Auftreten einer Schwangerschaftsdiabetes sind wohl die Schwangerschaftshormone Östrogen, Prolaktin, Progesteron und Plazentalaktogen, die dem weiblichen Körper während der Schwangerschaft die nötige Glucose zur Verfügung stellen.

Bei einigen Frauen kann die Bauchspeicheldrüse jedoch nicht genug Insulin herstellen, um diese Glucose auch in die Körperzellen zu schleusen (echter Insulinmangel). Oder aber die Bauchspeicheldrüse kann zwar mehr Insulin produzieren, die Zellen reagieren jedoch nicht mehr darauf (relativer Insulinmangel).

Ursachen

Viele Schwangere mit bereits diagnostizierter Schwangerschaftsdiabetes fragen sich bestimmt, warum es ausgerechnet sie getroffen hat. Diese Frage ist mit Sicherheit berechtigt, kann aber nicht in allen Fällen hundertprozentig beantwortet werden.

Ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor ist dabei meist das Körpergewicht. Bei einem Body-Mass-Index von > 27 besteht ein erhöhtes Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken.

Ebenso problematisch sind erbliche Faktoren (Diabetes mellitus Typ 2 in der Familie) und ein Alter von über 30 Jahren. Auch vergangene Schwangerschaften und Geburten stehen im Fokus des Interesses. Wenn alle folgenden Fragen mit einem "Ja" beantwortet werden können, sollte die Schwangere unverzüglich einen Frauenarzt konsultieren:

Ist bereits ein Kind von über 4500 g Geburtsgewicht geboren worden? Fanden mehr als drei Fehlgeburten statt? Bestand schon in der letzten Schwangerschaft eine Schwangerschaftsdiabetes? Dennoch: Nicht immer lässt sich die Ursache für eine Schwangerschaftsdiabetes eindeutig festlegen. Manchmal trifft es eben auch Frauen ohne die genannten Risikofaktoren.

Typische Symptome & Anzeichen

  • hoher Blutzuckerspiegel
  • der Fötus wächst durch den hohen Zuckeranteil im Blut schneller im Mutterleib, als normale Babys

Diagnose & Verlauf

Eine Schwangerschaftsdiabetes lässt sich nur mit einem sogenannten "oralen Glucosetoleranztest" zuverlässig nachweisen. Die gute Nachricht ist, dass die Untersuchungskosten für den Test seit dem 3. März 2012 von allen Krankenkassen übernommen werden.

Ab der 24. Schwangerschaftswoche misst der Arzt dabei den Nüchternblutzucker der Patientin, gibt ihr eine Glucoselösung zu trinken und wartet bis zur nächsten Messung drei Mal eine Stunde ab. So wird der Blutzucker jede Stunde gemessen, wobei es jedes Mal einen Grenzwert gibt, der auf keinen Fall überschritten werden darf.

Der Nüchternwert nach 8-stündiger Nahrungskarenz sollte höchstens 95 mg/dl betragen, nach einer Stunde dürfen 180 mg/dl nicht überschritten werden, 2 Stunden nach dem Trinken der Glucoselösung muss der Wert unter 155 mg/dl sein und nach 3 Stunden sollte sich der Blutzucker wieder auf Werte von unter 140 mg/dl eingependelt haben. Ist nur eine Obergrenze überschritten, kann es sich bereits um eine Schwangerschaftsdiabetes handeln.

Komplikationen

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes besteht sowohl bei der Mutter als auch beim ungeborenen Kind die Gefahr von Komplikationen. Das Risiko erhöht sich, wenn der Gestitationsdiabetes nicht behandelt wird. Zu den größten Risiken des Schwangerschaftsdiabetes bei der Mutter zählt die Präeklampsie. Dabei handelt es sich um einen zu hohen Blutdruck, der mit einer erhöhten Eiweißkonzentration innerhalb des Urins einhergeht.

Gleichzeitig steigt die Gefahr eines Krampfanfalls (Eklampsie) an. Darüber hinaus reagiert die Schwangere anfälliger auf Entzündungen der Vagina und Harnwegsinfektionen. Frauen, die unter Gestitationsdiabetes leiden, müssen sich zudem häufiger einem Kaiserschnitt unterziehen, was zum Teil auf die Komplikationen oder die Größe des Kindes zurückzuführen ist.

Wird die Mutter später erneut schwanger, liegt das Risiko eines weiteren Schwangerschaftsdiabetes bei etwa 50 Prozent. Des Weiteren steigt die Gefahr an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Komplikationen aufgrund eines Gestitationsdiabetes drohen auch dem Kind. So ist es möglich, dass es zu einer fehlerhaften Entwicklung der Plazenta kommt, die eine unzureichende Versorgung des Fötus zur Folge hat. Ferner können Reifungsstörungen an Organen wie der Leber oder Lunge auftreten. Schlimmstenfalls erfolgt der intrauterine Fruchttod.

Auch nach der Geburt machen sich die Folgeerscheinungen der Zuckerkrankheit bemerkbar. Nicht selten leiden die betroffenen Babys an verlängerter Gelbsucht. Ebenso sind ein Mangel an Kalzium, eine Unterzuckerung oder Hirnschädigungen möglich. In schweren Fällen zeigen sich beim Neugeborenen Atemaussetzer oder Krampfanfälle.

Behandlung & Therapie

Bei einer diagnostizierten Schwangerschaftsdiabetes erfolgt in der Regel die Überweisung zum Diabetologen, der die Ernährung der Patientin eingehend analysiert und Verbesserungsvorschläge parat hat. Verzichtet die Patientin von nun an auf die sogenannten "kurzkettigen Kohlenhydrate", wie Zucker, Weißbrot und Süßigkeiten, lassen sich die Blutzuckerwerte bei über 80% der Patientinnen gut einstellen.

Ab jetzt stehen Vollkornprodukte, viel Gemüse und weniger fruchtzuckerhaltiges Obst wie Beeren oder Äpfel auf dem Speiseplan. Einmal wöchentlich überprüft der Diabetologe die Blutzuckerwerte der Patientin, die ab dem Zeitpunkt der ersten Ernährungsberatung ihre Werte täglich mindestens drei Mal protokolliert:

Morgens nach dem Aufstehen, mittags und abends. Sind die Blutzuckerwerte im Rahmen und wenige "Ausreißer" dabei, reicht die kohlenhydratärmere Diät vollkommen aus, um eine übermäßige Gewichtszunahme der Mutter und Entwicklungsverzögerungen beim Säugling zu verhindern. Eine Insulingabe erübrigt sich dann und die Schwangerschaftsdiabetes führt zu keinerlei weiteren Komplikationen, wie beispielsweise ein übermäßiges Geburtsgewicht, was zu einer problematischen Geburt führen kann.

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Vorbeugung

Eine Schwangerschaftsdiabetes lässt sich nicht immer vermeiden. Erbliche Faktoren, Übergewicht und das zunehmende Schwangerschaftsalter der Patientinnen fordern ihren Tribut. Es ist nicht ausschlaggebend, während der Schwangerschaft "viel zu essen", sondern eben gesund und abwechslungsreich. Auf diese Art entsteht so manche Schwangerschaftsdiabetes vielleicht gar nicht erst und eine bereits existierende Schwangerschaftsdiabetes lässt sich gut behandeln.

Bücher über Schwangerschaftsdiabetes

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Hiort, O., Danne, T., Wabitsch, M. (Hrsg.): Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie. Springer, Berlin 2010
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012

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