Schulterverrenkung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Eine Schulterverrenkung bzw. Schulterluxation ist die Verschiebung der Knochenanteile im Schultergelenk. Die Knochen können nur teilweise oder aber vollständig aus dem Gelenk gerutscht sein. Die Schulterverrenkung muss schnellstmöglich behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schulterverrenkung?

Unter einer Schulterverrenkung (Schulterluxation) versteht man eine Verschiebung der am Schultergelenk beteiligten Knochen, sodass das Gelenk in seiner üblichen Beweglichkeit gestört ist. Das Schultergelenk ist eines der größten Gelenke im Körper und gehört zu den Kugelgelenken.

Dabei liegt der kugelförmige Kopf des Oberarmknochens in der sehr kleinen Gelenkpfanne am Schulterblatt. Da durch diese knöcherne Verbindung noch keine ausreichende Stabilität besteht, wird das Schultergelenk zusätzlich von einer Gelenkkapsel, von Muskeln, Sehnen und Bändern gehalten. Bei einer Schulterverrenkung verschiebt sich der Kopf des Oberarmknochens teilweise oder springt vollständig aus der Gelenkpfanne.

Dabei können auch Bänder zerreißen, Muskeln beschädigt und Nerven und Blutgefäße gequetscht werden. Man unterscheidet zwischen traumatischer Schulterverrenkung, die durch Gewalteinwirkung von außen geschieht, und atraumatischer Schulterverrenkung, bei welcher sich wegen schlaffer Bänder die Gelenkknochen bereits bei einfachen Bewegungen verschieben.

Ursachen

Bei einer traumatischen Schulterverrenkung verursacht eine Gewalteinwirkung von außen auf das Gelenk die Luxation. Dies geschieht häufig beim Ballsport, wenn beispielsweise zwei Feldspieler mit den Schultern zusammenstoßen oder wenn der Sportler stürzt und auf die Schulter fällt.

Auch bei Sportarten wie Judo, bei welchem Dreh- und Zugbewegungen des Armes vorkommen, kann es zu einer Schulterverrenkung kommen. Nach einer Erstluxation können weitere Verrenkungen eintreten, wenn sich durch die erste Verschiebung der Halteapparat bereits ausgeleiert hat oder die Verrenkung nicht richtig ausheilen konnte. Hier spricht man von habitueller (gewohnheitsmäßiger) Schulterverrenkung. Sie kann bereits durch kräftiges Händeschütteln ausgelöst werden.

Eine atraumatische Schulterverrenkung wird meist durch angeborene Ursachen ausgelöst. Dies kann eine angeborene Schlaffheit der Bänder sein oder eine Fehlanlage der Gelenkpfanne (Pfannendysplasie). Verschiedene genetische Erkrankungen, wie beispielsweise das Down-Syndrom, haben als Begleitsymptom ein sehr elastisches, gummiartiges Kapselgewebe um die Gelenke. Dadurch werden sie instabil und eine Schulterverrenkung kann ganz ohne Krafteinwirkung bei normalen einfachen Bewegungen passieren.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie der Schulter bei Schultergelenksverrenkung. Klicken, um zu vergrößern.

Eine Schulterverrenkung verursacht sofort starke Schmerzen. Der Arm kann nicht mehr bewegt werden, einerseits wegen der Schmerzen, andererseits, weil das Gelenk seine Funktionsfähigkeit verloren hat. Werden durch die Schulterverrenkung auch Nerven gequetscht, so kann es zu Taubheitsgefühlen kommen.

Auch Blutgefäße können durch die verschobenen Knochen abgeklemmt werden, was zu Durchblutungsstörungen führt. Der Gang zum Arzt ist unumgänglich, da der Patient selbst den Knochen nicht mehr in die normale Stellung zurückschieben kann. Der Arzt wird aufgrund der veränderten Kontur des Gelenks bereits erkennen, dass eine Schulterverrenkung vorliegt. Eine körperliche Untersuchung und ein Testen der Beweglichkeit sind meist nicht möglich, da dies zu starken Schmerzen führen würde.

Meist sind die Armmuskeln des Patienten sehr angespannt, um den Arm in der bestehenden Position zu halten und jede schmerzhafte Bewegung zu vermeiden. Mit einer Röntgenaufnahme kann der Arzt die Schulterverrenkung deutlich sehen und auch erkennen, ob knöcherne Verletzungen vorliegen.

Komplikationen

Eine Schulterverrenkung wird häufig von einer Schwellung oder einem Bluterguss begleitet, der sich bei fehlender Hygiene entzünden kann. In Folge der eingeschränkten Beweglichkeit des Gelenks halten die Betroffenen ihren Arm oft in einer Schonhaltung – Fehlstellungen und Gelenkverschleiß können die Folge sein. Bei einer gleichzeitigen Nervenverletzung können Ausfälle und andere Probleme mit dem Gefühlssinn der seitlichen Schulter auftreten.

Arterienverletzungen gehen mit einer Minderdurchblutung in den betroffenen Gebieten einher und rufen dadurch Lähmungserscheinungen hervor. Der oftmals begleitend auftretende Sehnenriss an der Schulter kann die Beugung des Unterarms schwächen, wodurch weitere Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auftreten können, die in manchen Fällen chronisch verlaufen. Außerdem kann eine Schulterverrenkung mit der sogenannten Bankart-Läsion verbunden sein, bei der die Gelenklippe teilweise abreißt.

Dies kann eine chronische Luxation der Schulter zur Folge haben. Die operative Behandlung einer Schulterverrenkung birgt ebenfalls Risiken. Es kann zu Nervenverletzungen oder Entzündungen kommen. Verordnete Schmerzmittel rufen unter Umständen Neben- oder Wechselwirkungen hervor. Wird zu früh wieder mit dem Sport begonnen, kann die Schulter in der Folge erneut auskugeln und muss anschließend noch einmal behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Eine Schulterverrenkung muss schnellstmöglich wieder eingerenkt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass bei der Reposition keine umliegenden Strukturen verletzt werden.

Da diese Behandlung zwar nur kurzzeitig aber sehr heftig Schmerzen verursacht, wird der Patient für eine Einrenkung meist leicht sediert und mit Schmerzmitteln versorgt. In manchen Fällen wird auch eine kurze Vollnarkose angewendet. Nach dem Einrenken wird überprüft, ob alle umliegenden Bänder, Sehnen, Muskeln, Nerven und Gefäße funktionstüchtig und unverletzt sind. Danach muss der Arm eine Zeit lang ruhiggestellt werden. Zur Unterstützung der Heilung von betroffenem Gewebe werden meist abschwellende, entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente verabreicht.

Sind durch die Schulterverrenkung umliegende Strukturen verletzt worden, so ist ein operativer Eingriff nötig. Dabei werden gerissene Bänder und Sehen genäht, Knochenabsplitterungen beseitigt oder falls möglich wieder zusammengefügt. Abschließend sind nach einer erfolgreich behandelten Schulterverrenkung krankengymnastische Übungen nötig, um die volle Funktionsfähigkeit des Gelenks wieder herzustellen.

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Vorbeugung

Man kann einer Schulterverrenkung nur bedingt vorbeugen. Ist bereits bekannt, dass man schlaffe Bänder hat, oder hat bereits eine Schulterverrenkung stattgefunden, so sollte man besonders Ball- und Kontaktsportarten nicht ausüben. Insgesamt sind Aktivitäten zu vermeiden, welche eine besondere Belastung für die Schulter darstellen.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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