Schreitreflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Februar 2017
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Der Schreitreflex ist einer von vielen frühkindlichen Bewegungsreflexen, die durch bestimmte Reize ausgelöst werden. Wenn das Baby unter den Achseln hochgehalten wird und die Füße eine feste Unterlage spüren, bewegt es die Beine in einem strampelartigen Muster, das an Schreiten und Gehen erinnert. Der Reflex ist bereits bei der Geburt vorhanden und baut sich 2 Monate nach der Geburt langsam wieder ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Schreitreflex?

Der Schreitreflex ist einer der frühkindlichen motorischen Reflexe, die durch bestimmte Berührungen oder Lage des Körpers oder des Kopfes ausgelöst werden und einem angeborenen Muster folgen, das unbewusst, ohne Beteiligung des Großhirns abläuft. Reflexe sind daher immer wieder reproduzierbar und unterliegen nicht einem Lernprozess.

Ausgelöst wird der Schreitreflex, wenn das Baby in eine aufrechte Haltung gebracht und gehalten wird und die Füße eine feste Unterlage spüren. Es scheint dann einfach losmarschieren zu wollen und vollführt mit den Beinen schrittähnliche Bewegungen.

Der Schreitreflex bildet sich bereits in einem frühen Schwangerschaftsstadium heraus und macht sich vor der Geburt durch gelegentliches Strampeln bemerkbar. Normalerweise baut sich der Reflex bereits etwa zwei Monate nach der Geburt wieder ab. Das frühe Verschwinden des Reflexes deutet darauf hin, dass er nicht mit dem Erlernen des aufrechten Gangs in Verbindung gebracht werden kann.

Das bewusste Gehen auf zwei Beinen stellt an Koordinations- und Körperorientierungsvermögen und an die Belastbarkeit bestimmter Muskelpartien und ]]Gelenke]] große Herausforderungen. Erst im Alter von etwa zehn bis zwölf Monaten entwickeln Babys den Drang, aufrechtes Gehen, als Nachfolgephase des Krabbelalters, zu üben.

Funktion & Aufgabe

Die meisten frühkindlichen motorischen Reflexe dienen dem Schutz des Babys und der Erleichterung der Nahrungsaufnahme. Ohne den Saug- und Schluckreflex, der bei dem Baby durch Berührung der Lippenregion ausgelöst wird, wäre in der Anfangsphase nach der Geburt keine Nahrungsaufnahme möglich.

Einige wenige Reflexe sind bereits pränatal vorhanden und dienen hauptsächlich der Unterstützung des Geburtsvorgangs. Auch der Schreitreflex gehört zu den motorischen Reflexen, die schon viele Wochen vor dem Geburtstermin vorhanden und ausgebildet sind.

Die Tatsache, dass sich der Reflex bereits ein bis zwei Monate nach der Geburt zurückbildet, lässt vermuten, dass er keine bedeutende postnatale Funktion hat. Für das Erlernen des aufrechten Gangs hat er keine Bedeutung, weil er zu dem Zeitpunkt bereits längst abgebaut ist und der aufrechte Gang auf zwei Beinen ein komplexer, multisensorisch gesteuerter, willentlicher Vorgang ist, der über den Neocortex koordiniert wird. Die spätere Automatisierung des aufrechten Gehens wird durch Speicherung der multisensorischen Abläufe im sogenannten multisensorischen Bewegungsgedächtnis möglich.

Wenn das Baby unter den Achseln hochgehalten wird und die Füße eine feste Unterlage spüren, bewegt es die Beine in einem strampelartigen Muster, das an Schreiten und Gehen erinnert.

Es besteht kein Zusammenhang mit etwaigen motorischen Reflexen und kann demgemäß auch nicht mit dem Schreitreflex eines Neugeborenen in Verbindung gebracht werden.

Der postnatale Nutzen des Schreitreflexes ist nicht klar erkennbar. Sein Nutzen liegt höchstwahrscheinlich in der pränatalen Phase. Der Reflex macht sich pränatal durch gelegentliches Strampeln des Babys im Mutterleib bemerkbar, sobald es mit der Fußsohle an die Wand der Gebärmutter stößt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Hauptbedeutung des Schreitreflexes in der Förderung der Hirnreifung und der Beinmuskulatur liegt. Möglicherweise hat er auch eine besondere Bedeutung zur Einnahme der richtigen Geburtsposition, die das Ungeborene durch sein reflektorisches Strampeln besser erreichen kann.

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Krankheiten & Beschwerden

Einige der frühkindlichen Reflexe, die auch als Primitivreflexe bezeichnet werden, haben eine zentrale Bedeutung für die Geburt und für das Überleben des Neugeborenen in der ersten Lebensphase. Reflexe, deren Bedeutung in der vorgeburtlichen Phase liegt, bilden sich in der Regel bereits kurz nach der Geburt zurück.

Die übrigen motorischen Reflexe bilden sich im Laufe der ersten zwölf Lebensmonate zurück, weil ihre Funktionen in der Regel durch willentliche motorische Prozesse übernommen werden. Einige wenige Reflexe bleiben allerdings lebenslang erhalten, so z. B. der Lidschlussreflex, der dem Schutz des Augapfels vor Fremdkörpern oder extremem Lichteinfall dient. Ein weiteres Beispiel ist der Temperatur-Reflex, der ein blitzschnelles Zurückziehen der Hand auslöst, falls die Finger z. B. mit einer heißen Herdplatte in Berührung kommen. E

in Ausbleiben des Schreitreflexes nach der Geburt hat keine unmittelbar bedrohlichen Auswirkungen auf das Neugeborene, weil der Reflex für die postnatale Phase keine besondere Bedeutung hat. Allerdings sollte in dem Fall abgeklärt werden, warum der Reflex nicht vorhanden oder zu schwach ausgeprägt ist. Einerseits könnten Fehlentwicklungen im Bereich der Bein- und Hüftmuskulatur oder in der Funktionsfähigkeit der Gelenke vorliegen, andererseits könnten Fehlentwicklungen im Zentralnervensystem oder im peripheren Nervensystem oder in der Innervierung oder Nervenleitfähigkeit vorliegen.

Vor weitergehenden Untersuchungen und Abklärungen können als erstes andere motorische und nicht-motorische Reflexe als Differenzialdiagnose dienen. Was zunächst befremdlich klingen mag, ist die Tatsache, dass das Ausbleiben bestimmter Reflexe meist sehr viel weniger gravierende Auswirkungen hat als vielmehr ihr Persistieren. Wenn bestimmte Reflexe nicht um den natürlichen Zeitpunkt herum abgebaut werden, sondern als Reflex erhalten bleiben, behindert das den Übergang zur willentlichen Steuerung der motorischen Abläufe durch entsprechende Zentren im Neocortex.

Wenn sich der Schreitreflex nicht im ersten oder zweiten Lebensmonat abbaut, gestaltet sich die Lernphase für den aufrechten Gang sehr schwierig, weil reflexartige Beinbewegungen den Lernprozess stören. Unter Fachleuten werden mangelhaft abgebaute frühkindliche Reflexe mit Lern- und Sprachstörungen und mit auffälligem Verhalten wie ADHS in Verbindung gebracht.

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