Schneeblindheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Schneeblindheit

Die medizinischen Fachbegriffe für die eher verharmlosende Bezeichnung Schneeblindheit lauten aktinische Keratose und Photokeratitis. Es handelt sich um eine Schädigung der Hornhaut des Auges durch eine starke UV-Einstrahlung wie sie typischerweise bei Aufenthalten im Schnee in Hochlagen erfolgen kann oder z. B. durch Beobachten des Elektroschweißens mit ungeschütztem Auge. Je nach Schwere der Verbrennungen an der Hornhaut kann die Schneeblindheit äußerst schmerzhaft sein und ein Fremdkörpergefühl im Auge auslösen. In schwereren Fällen ist eine unverzügliche augenärztliche Behandlung zu empfehlen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schneeblindheit?

Die beiden medizinischen Begriffe aktinische Keratose und Photokeratitis deuten auf Schädigungen der Hornhaut durch Strahlung, bzw. durch Lichteinstrahlung hin. Die Hornhaut schließt den Augapfel nach außen ab und nimmt wichtige Funktionen für das Sehen wie Lichtbrechung und ungetrübten Durchgang der einfallenden Lichtstrahlen war.

Die äußerste Schicht der Hornhaut, die sich – ähnlich wie bei „normaler“ Haut – ständig erneuert, ist immer mit Tränenflüssigkeit benetzt, um ihre Funktionen wahrnehmen zu können. Bei zu starker UV-Einstrahlung können die äußersten Schichten der Hornhaut regelrecht „verbrannt“ werden, was dann den Tatbestand der Schneeblindheit erfüllt.

Da die Hornhaut des Augapfels von zahlreichen Nervenenden durch zogen ist, können Schäden an der Hornhaut infolge UV-Strahlung nach einer Latenzzeit von 3 bis zu 12 Stunden zu starken Schmerzen und extremer Lichtempfindlichkeit führen.

Ursachen

Die ungeschützten Augen vertragen Tageslicht und auch Sonneneinstrahlung (nicht direkt in die Augen) in normaler schneefreier Umgebung, ohne Schäden zu nehmen. Ein verstärkter UV-Anteil im Sonnenlicht kann zu reparablen, aber auch irreparablen Schäden an der Hornhaut führen.

Die Hornhaut absorbiert einen großen Teil des UV-A- und UV-B-Anteils im Sonnenlicht und schützt damit die Netzhaut und insbesondere die Makula an der hinteren Wand des Augapfels, den kleinen Bereich der Netzhaut, mit dem wir Farben erkennen und scharf sehen können. Wenn der UV-B-Anteil im einfallenden Licht zu stark wird, quellen die obersten Schichten der Hornhaut ödemartig auf und es kommt zu unkontrollierten Abtragungen der absterbenden Zellen.

Dieser Vorgang ist mit dem einer mechanischen Verletzung der Hornhaut vergleichbar. Zu verstärktem UV-Anteil, dem das Auge nicht ungeschützt ausgesetzt werden sollte, kommt es vor allem im Hochgebirge beim Skisport, auf dem Meer in südlichen Breiten und in großen Höhen (Flugzeugcockpit).

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Gerötete und leicht brennende Augen können einen ersten Hinweis auf Schneeblindheit geben. Wenn die Augen vorher schutzlos einer erhöhten UV-Strahlung ausgesetzt wurden, z. B. durch Skilaufen im Hochgebirge oder nach stundenlangem Aufenthalt auf See, erhärtet das den Verdacht auf Vorliegen der Schneeblindheit.

Bei stärker werdenden Beschwerden sollte eine Untersuchung und Diagnose durch einen Augenfacharzt vorgenommen werden. Wie stark die Hornhaut geschädigt wurde, kann mittels Spaltlampe und Fluoreszeinfärbung diagnostiziert werden.

Schwere Fälle einer Photokeratitis können infolge Vernarbungen in der Hornhaut zu irreparablen Beeinträchtigungen der Sehkraft führen. Bei Auftreten eines oder mehrerer der folgend beschriebenen Symptome sollte unverzüglich fachärztliche Betreuung in Anspruch genommen werden:

Komplikationen

Schneeblindheit beziehungsweise Verblitzung kann mit starken Schmerzen einhergehen, weil die Nervenenden der UV-geschädigten äußeren Hornhaut freiliegen. Zugleich verkrampfen die Lider, so dass es nicht mehr möglich ist, die Augen zu öffnen. Je nach Schwere der Verblitzung kann es zu stunden- bis tagelangem Ausfall der Sehfähigkeit kommen.

Um die Augen ruhig zu stellen und gegebenenfalls antibakteriell zu behandeln und auf diese Weise möglichen Komplikationen vorzubeugen, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden - auch dann, wenn die Beschwerden schnell abzuklingen scheinen. Zu Komplikationen kann es unter Anderem durch eine zusätzliche Entzündung der Hornhaut kommen. Auch Abschuppungen der Netzhaut sind in der Folge einer Verblitzung möglich, wodurch der Heilprozess in die Länge gezogen, die schmerzhaften Empfindungen verlängert werden und die Sehfähigkeit erst verzögert wiedererlangt wird.

Ohne ärztliche Behandlung besteht die Gefahr von Super- beziehungsweise Sekundärinfektionen. Hierbei kommt es zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion des beschädigten Gewebes. Dadurch wiederum droht im schlimmsten Fall eine dauerhafte Erblindung. Komplikationen während der Heilungsphase oder zusätzlich auftretende Schmerzen sollten in jedem Fall dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden, so dass die Behandlungsmaßnahmen gegebenenfalls angepasst werden können.

Behandlung & Therapie

Leichtere Formen der Schneeblindheit heilen nach 2 – 3 Tagen von selbst aus, weil sich die obersten Hornhautschichten durch natürliche Nachlieferung selbständig regenerieren. Ähnlich wie bei der Haut werden für die abgestoßenen Zellen ständig neugebildete Zellen nachgeliefert.

Als Sofortmaßnahmen bei stärkeren Formen der Schneeblindheit sind Aufenthalt in einem abgedunkelten Raum, Bettruhe und kühlende Auflagen auf beiden Augen angesagt. Bei schwereren Verlaufsformen der Krankheit zielt die Therapie auf Schmerzbehandlung, Vorbeugung gegen Infektionen an der verletzten Hornhaut und auf unterstützende Maßnahmen zur Förderung der natürlichen Regenerierung der Hornhaut ab. Für die akute Schmerzbehandlung ist eine nur einmalige Anwendung lokal wirksamer Augentropfen empfehlenswert, weil eine mehrmalige Anwendung der Tropfen die bereits bestehende Schädigung der Epithelschicht der Hornhaut verstärkt.

Bei anhaltenden Schmerzen kann eine systemische Schmerzbehandlung durch Einnahme gängiger Schmerzmittel wie Ibuprofen und anderen Linderung verschaffen. Begleitend kann die Anwendung entzündungshemmender und schmerzlindernder Augentropfen erfolgen. Zur Vorbeugung vor Superinfektionen an der Hornhaut kommen desinfizierende antibiotikahaltige Augensalben in Betracht.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Den besten Schutz gegen Schneeblindheit bieten geeignete Sonnenbrillen, die UV-Licht bis 380 nm fast vollkommen ausfiltern und auch Schutz im violetten und blauen Bereich bis etwa 480 nm stark ausfiltern. Gläser, die diese Forderung erfüllen, sind mit UV-400 gekennzeichnet. Für die übrigen Wellenbereiche bieten Gläser einen guten Schutz, wenn die Lichtdurchlässigkeit im Blaubereich 2% - 8%, im Rot- bis Grünbereich 10% - 40% und im Infrarotbereich (oberhalb 780 nm) unter 50 % beträgt.

Bücher über Lichtscheu & Lichtempfindlichkeit

Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: