Schmerzpumpe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Januar 2017
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Eine Schmerzpumpe ermöglicht es Patientinnen und Patienten, sich eigenständig eine bestimmte Dosis Schmerzmittel zu verabreichen. Das als 'patientengesteuerte Analgesie' bezeichnete Verfahren wenden Schmerz- und Palliativmediziner im Rahmen einer spezifischen Therapie an.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schmerzpumpe?

Eine patientengesteuerte Schmerzpumpe versorgt den Körper kontinuierlich mit Medikamenten. Das kleine elektronische Gerät kommt bei starken, chronischen Schmerzen zum Einsatz. Auf diese Form der Behandlung setzt die Medizin seit den 1980er Jahren, insbesondere nach schweren operativen Eingriffen. Neben der klinischen Verwendung zur Schmerzbehandlung (Analgesie) hilft sie Patientinnen und Patienten bei der Dauermedikation zu Hause.

Die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Schmerzmittelapplikation mithilfe der PCA (Patient-Controlled Analgesia) erfolgt per Knopfdruck und ohne Eingreifen des Pflegepersonals oder eines Arztes. Sie gibt regelmäßig eine eingestellte Menge des Schmerzmittels (Analgetikum) über die Vene beziehungsweise direkt ins Rückenmark ab. Dort erreicht es den erforderlichen, hohen Wirkspiegel, auch als Bolus bezeichnet, schnell und unmittelbar. Im Einzelfall lässt sich bei Bedarf – von den Betroffenen gesteuert – eine zusätzliche, technisch begrenzt verfügbare Dosis abrufen.

Externe Modelle tragen die Menschen am Körper befestigt. Bei Therapien über längere Zeiträume legt ein Chirurg die handtellergroße Pumpe mit einem einfachen Eingriff unter die Haut.

Formen, Arten & Typen

Zu unterscheiden ist zwischen intravenösen, intrathekalen und nicht-invasiven transdermalen Schmerzpumpen. Erstere verbleiben in der Mehrzahl der Fälle außerhalb des Körpers und transportieren das Medikament mittels eines Schlauchs. Durch eine Nadel gelangt es in das Unterhautfettgewebe. Alternativ schafft der behandelnde Arzt den Zugang zur Vene direkt über einen Port (intravenöse PCA).

Die Größe der Geräte hängt vom Volumen des notwendigen Vorratsbehälters ab. In der Regel fasst dieses nachzufüllende Reservoir zwischen 20 und 40 Milliliter. Bei der intrathekalen Schmerzpumpe für eine patientenkontrollierte Epiduralanalgesie (PCEA) leitet ein Katheter das Schmerzmittel zum Rückenmark beziehungsweise in den Spinalkanal.

Ähnlich funktioniert die patientenkontrollierte Regionalanästhesie (PCRA) bei einer peripheren Nervenblockade – lediglich der Ort variiert. Ein Anwendungsbeispiel ist die Baclofen-Pumpe, die der Behandlung spastisch bedingter Schmerzen bei Verletzungen des Rückenmarks sowie bei Multipler Sklerose dient.

Die nicht-invasive transdermale PCA bezeichnet ein weiteres physikalisches Verfahren. Das aufgeklebte elektronische System verabreicht den Wirkstoff, ein Opioid, per Knopfdruck über einen schwachen Gleichstrom durch die Hautoberfläche.

Aufbau & Funktionsweise

Eine Schmerzpumpe ermöglicht es Patientinnen und Patienten, sich eigenständig eine bestimmte Dosis Schmerzmittel zu verabreichen.

Der prinzipielle Aufbau von Schmerzpumpen ist vergleichbar. Sie bestehen aus unterschiedlichen technischen Komponenten. Dazu gehören ein abschließbares Reservoir für die Pharmaka, die Infusionsleitung und ein Netzteil beziehungsweise eine Batterie oder ein Akku. Per Druck auf den Bolusknopf injiziert die Pumpe das Analgetikum und gibt es durch einen dünnen Schlauch langsam in das angeschlossene System ab.

Die Abgabemenge sowie Sperrintervalle – Zeiträume, in denen die Elektronik keinen weiteren Bolus erlaubt – regelt ein programmierbarer Mikroprozessor. Er speichert und überträgt Infusions- und Benutzungsprotokolle über eine Verbindung auf einen PC. Die Auswertung hilft den Anästhesisten, die Therapiepläne zu optimieren.

Die eingesetzten Schmerzmittel sind vorwiegend Opioide wie Morphin, Fentanyl oder Sufentanil. Daneben nutzt die Medizin das ursprünglich aus dem Gift der Kegelschnecke gewonnene Ziconotid und Lokalanästhetika.

Die patientengesteuerten Schmerzpumpen sind regelmäßig nachzufüllen. Abhängig von der Größe des Vorratsbehälters, der zu injizierenden Menge und der Frequenz erfolgt dies im Abstand von wenigen Wochen bis zu einigen Monaten. Das Befüllen führt der Arzt bei, implantierten Pumpen, mit einer Injektion durch. Die Implantation einer PCA setzt chronische Schmerzen voraus, die durch andere Maßnahmen nicht oder nur mit erheblichen Nebenwirkungen zu behandeln sind. Die Schmerzpumpe legt der Chirurg im Normalfall unterhalb des Rippenbogens in den oberen Bauchraum, nachdem er einen Katheder zum Rückenmark gesetzt hat.

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Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Eine Schmerzpumpe verwenden Ärzte vor allem nach Operationen und bei chronischen Schmerzsyndromen. Wichtige Bereiche sind darüber hinaus die Tumortherapie und die Palliativmedizin.

Zu den entscheidenden Vorzügen der Schmerztherapie mithilfe der PCA zählt der hohe Wirkungsgrad. Die Menge des Schmerzmittels legt der Facharzt fest, indem er den Bolus durch Tests bestimmt. Gleichzeitig verhindert ein Sperrintervall das unbewusste oder gewollte Überdosieren. Die Gabe von Opioiden führt zu einer kurzfristigen Verminderung des Bewusstseins (Vigilanz). Sich selbst weitere Medikamente zu verabreichen, ist in dieser Phase nicht möglich.

Die patientenkontrollierte Analgesie verschafft den Betroffenen vielfach eine selbstbestimmte, schnelle Linderung bei akuten Schmerzen. Die Versorgung erfolgt zuverlässig und die Nebenwirkungen bleiben begrenzt. Das Verfahren entlastet auch den Magen-Darm-Trakt. Für Patientinnen und Patienten bedeutet es weniger Einschränkungen und Beschwerden sowie in der Folge eine höhere Lebensqualität. Insbesondere bei krebsbedingten Krankheitsbildern erleichtert es den Alltag.

Vor der Indikation einer PCA sind intensive Untersuchungen unter stationären Bedingungen erforderlich. Entscheidend für den Erfolg und die komplikationslose Nutzung ist das Verständnis der Betroffenen für die Behandlungsmethode. Psychologen und Schmerztherapeuten prüfen, ob sich die Schmerzpumpe eignet oder alternative Methoden in Betracht kommen.

Auszuschließen sind beispielsweise Allergien und Unverträglichkeiten von Opioiden, Depressionen, schwere Schlafstörungen beziehungsweise kognitive Defizite. Weitere Kontraindikationen bestehen bei Verwachsungen an der Wirbelsäule, Blutgerinnungsstörung sowie der Störung des Bewusstseins. Zur Sicherheit und zum Schutz der Erkrankten erfolgen kontinuierliche medizinische Kontrollen. Die patientengesteuerte Analgesie zählt zu den effizientesten Möglichkeiten einer Schmerztherapie.

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