Schlangengift
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin)Von den etwa 1800 Schlangenarten, die es auf der Erde gibt, sind nur wenig mehr als ein Fünftel giftig. Und das sind nicht etwa die Riesenschlangen, sondern die mittleren und kleinen Arten. Die großen Schlangen besitzen nur gewöhnliche, solide Zähne und verschlingen ihre Beute, nachdem sie sie durch Erdrücken getötet haben.
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Giftschlangen und Schlangengift
Neben ihren normalen Zähnen haben die Giftschlangen im Oberkiefer ganz vorn zwei Zähne, die sich beim Öffnen des Maules aufrichten und mit einem Kanal versehen sind, durch den das Gift austritt. Wenn die Schlange ihre Fänge in das Fleisch des Opfers schlägt, wird das Gift durch den Druck der Schläfenmuskeln in die Wunde gespritzt.
Die Schlange ist ein von Natur scheues Tier und greift einen Menschen entgegen einer vielfach verbreiteten Ansicht nur an, wenn sie sich bedroht fühlt. Das kann allerdings auch bei besonders schnellen und hastigen Bewegungen des Menschen der Fall sein. Der Angriff der Schlange ist als eigentlich eine Verteidigung. Sei die Ursache des Schlangenbisses nun Verteidigung oder Angrifflust, fest steht, dass durch Giftschlangen viele Todesfälle verursacht werden. Die Schlangengifte wirken nur, wenn sie in die Blutbahn gelangen. Beim Einnehmen werden sie durch die Verdauung unschädlich gemacht.
Ihrer Wirkung nach unterscheidet man bei den Schlangengiften zwei Hauptgruppen, die Neurotoxine (Nervengift) und die Hämotoxine (Blut- und Protoplasmagift). Die Neurotoxine lähmen wichtige Nervenzentren und bewirken Atmungsstillstand. Das Herz wird dabei unmittelbar wenig beeinflusst. Die Hämotoxine bewirken eine Veränderung und Zusammenballung der roten Blutkörperchen.
Giftschlangen in Deutschland und Österreich
In Deutschland finden wir außer der Sandviper (auch Europäische Hornotter, Sandotter oder Hornviper genannt) und der Kreuzotter, deren Gift hämotoxisch ist, keine anderen Giftschlangen. Die Kreuzotter lebt vorzugsweise in trockenen Heidegegenden, verkriecht sich bei kühlen Temperaturen und wird erst von den warmen Sonnenstrahlen aus ihrem Versteck hervorgelockt. Ihren Namen verdankt sie einer kreuzähnlichen Zeichnung auf dem Kopf, die aber nicht bei allen Tieren zu erkennen ist. Ein sicheres Erkennungszeichen der Kreuzotter ist die dunkle, auffallende Zickzacklinie, die den ganzen Rücken entlangläuft.
Die Sandviper lebt auf sandigen, steinigen Böden, ist ockerfarben und trägt keine besondere Zeichnung, jedoch ist sie durch ihren quadratischen Kopf und die spitze Nase von anderen nichtgiftigen Schlangen deutlich zu unterscheiden.
Die statistischen Angaben aus vergangenen Jahren über die Sterblichkeit bei Schlangenbissen sind bei den einzelnen Quellen sehr verscheiden. Manche sprechen von einer Sterblichkeit von 35 bis 45 Prozent in den tropischen Länden, während in Deutschland eine Sterblichkeit von unter 7 Prozent im Durchschnitt festgestellt wurde.
Schlangengift als Medizin
Darum hat es sich die Wissenschaft zur Aufgabe gemacht, eine Abwehr gegen das Schlangengift zu finden. Das so gefürchtete Gift der Schlange wird heute in der Medizin nutzbringend angewandt. Krotalin, das getrocknete Gift der Klapperschlange, wird gegen Epilepsie injiziert (gespritzt), und man verwendet Schlangengift zur Herstellungen Seren, mit denen Schlangengifte im menschlichen und tierischen Körper unwirksam gemacht werden. Man gewinnt das Serum aus dem Blut immunisierter (d.h. gegen das Schlangengift unempfindlich gemachter) Pferde in besonders dazu eingerichteten Schlangenfarmen und Instituten.
Wir wird nun aber das Serum gewonnen? Der Wärter steigt in den Zwinger. Durch hohe und derbe Stiefel ist er gegen Bisse gesichert. Mit einem Stock, der am Ende gegabelt ist, drückt er eine Schlange dicht hinter dem Kopf auf den Boden. Dann packt er die Schlang mit der Hand und presst ihre Kiefer auseinander. Ein Assistent hält ein Glasgefäß unter die drohend hervorstehenden Giftzähne und massiert die Giftdrüsen der Schlange. Aus dem so gewonnenen Gift wird der Impfstoff für die Pferde hergstellt.
Bei der ersten Injektion erhält ein Pferd ein halbes Milligramm gelöstes Trockengift. In Abständen von je drei bis vier Tagen erfolgen weitere Impfungen. Dann kann die erste Blutabnahme vorgenommen werden, bei der etwa acht Liter Blut abgezapft werden. Drei weitere Aderlässe von je sechs Litern erfolgen in Abständen von jeweils einer Woche. Dabei werden die Tiere unter strengster Beachtung aller Vorschriften der Tierschutzgesetze genauestens auf Gewicht, Temperatur und allgemeinen Gesundheitszustand kontrolliert. Aus dem immunisierten Blut wird das Serum gewonnen und in Ampullen abgefüllt.
Wenn wir und unsere Kinder und Jugendlichen in den Sommermonaten zum Wandern, Spielen und Zelten hinausziehen, so sollten wir Eltern, Lehrer und junge Erwachsene einen kurzen Hinweis auf die Vorsichtsmaßnahmen gegen Schlangenbisse geben. Auf Geröllflächen, sonnigem mit Gestrüpp bewachsenem Waldboden ist das Barfußgehen oft mit der Gefahr für Schlangenbisse verbunden. Bei Wanderungen in unbekanntem Gelände sollte man daher die Einheimischen fragen, ob Schlangen in der Umgegend beobachtet worden sind. Die Merkmale der beiden bei uns noch vorhandenen Giftschlangen sollte jeder kennen.
Bücher über Schlangengift und Giftschlangen
