Schlangengift

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Von den etwa 1800 Schlangenarten, die es auf der Erde gibt, sind nur wenig mehr als ein Fünftel giftig. Und das sind nicht etwa die Riesenschlangen, sondern die mittleren und kleinen Arten. Die großen Schlangen besitzen nur gewöhnliche, solide Zähne und verschlingen ihre Beute, nachdem sie sie durch Erdrücken getötet haben.

Inhaltsverzeichnis

Giftschlangen & Schlangengift

Nur am Rande sei vermerkt, dass Riesenschlangen bestenfalls sechs, allerhöchstens bis zu acht Metern lang werden. Berichte von 15 und 20 Metern oder gar noch längeren Schlangen sind entweder Lügengeschichten oder mit den Augen der Angst so übertrieben groß gesehen.

Neben ihren normalen Zähnen haben die Giftschlangen im Oberkiefer ganz vorn zwei Zähne, die sich beim Öffnen des Maules aufrichten und mit einem Kanal versehen sind, durch den das Gift austritt. Wenn die Schlange ihre Fänge in das Fleisch des Opfers schlägt, wird das Gift durch den Druck der Schläfenmuskeln in die Wunde gespritzt.

Die Schlange ist ein von Natur scheues Tier und greift einen Menschen entgegen einer vielfach verbreiteten Ansicht nur an, wenn sie sich bedroht fühlt. Das kann allerdings auch bei besonders schnellen und hastigen Bewegungen des Menschen der Fall sein. Der Angriff der Schlange ist als eigentlich eine Verteidigung. Sei die Ursache des Schlangenbisses nun Verteidigung oder Angrifflust, fest steht, dass durch Giftschlangen viele Todesfälle verursacht werden. Die Schlangengifte wirken nur, wenn sie in die Blutbahn gelangen. Beim Einnehmen werden sie durch die Verdauung unschädlich gemacht.

Ihrer Wirkung nach unterscheidet man bei den Schlangengiften zwei Hauptgruppen, die Neurotoxine (Nervengift) und die Hämotoxine (Blut- und Protoplasmagift). Die Neurotoxine lähmen wichtige Nervenzentren und bewirken Atmungsstillstand. Das Herz wird dabei unmittelbar wenig beeinflusst. Die Hämotoxine bewirken eine Veränderung und Zusammenballung der roten Blutkörperchen.

Giftschlangen in Deutschland & Österreich

In Deutschland zählt z.B. die Kreuzotter zu den Giftschlangen. Ihr Gift ist hämotoxisch und sie lebt vorzugsweise in trockenen Heidegegenden.

In Deutschland finden wir außer der Sandviper (auch Europäische Hornotter, Sandotter oder Hornviper genannt) und der Kreuzotter, deren Gift hämotoxisch ist, keine anderen Giftschlangen. Die Kreuzotter lebt vorzugsweise in trockenen Heidegegenden, verkriecht sich bei kühlen Temperaturen und wird erst von den warmen Sonnenstrahlen aus ihrem Versteck hervorgelockt. Ihren Namen verdankt sie einer kreuzähnlichen Zeichnung auf dem Kopf, die aber nicht bei allen Tieren zu erkennen ist. Ein sicheres Erkennungszeichen der Kreuzotter ist die dunkle, auffallende Zickzacklinie, die den ganzen Rücken entlangläuft.

Die Sandviper lebt auf sandigen, steinigen Böden, ist ockerfarben und trägt keine besondere Zeichnung, jedoch ist sie durch ihren quadratischen Kopf und die spitze Nase von anderen nichtgiftigen Schlangen deutlich zu unterscheiden.

Die statistischen Angaben aus vergangenen Jahren über die Sterblichkeit bei Schlangenbissen sind bei den einzelnen Quellen sehr verscheiden. Manche sprechen von einer Sterblichkeit von 35 bis 45 Prozent in den tropischen Länden, während in Deutschland eine Sterblichkeit von unter 7 Prozent im Durchschnitt festgestellt wurde.

Schlangengift als Medizin

Darum hat es sich die Wissenschaft zur Aufgabe gemacht, eine Abwehr gegen das Schlangengift zu finden. Das so gefürchtete Gift der Schlange wird heute in der Medizin nutzbringend angewandt. Krotalin, das getrocknete Gift der Klapperschlange, wird gegen Epilepsie injiziert (gespritzt), und man verwendet Schlangengift zur Herstellungen Seren, mit denen Schlangengifte im menschlichen und tierischen Körper unwirksam gemacht werden. Man gewinnt das Serum aus dem Blut immunisierter (d.h. gegen das Schlangengift unempfindlich gemachter) Pferde in besonders dazu eingerichteten Schlangenfarmen und Instituten.

Wir wird nun aber das Serum gewonnen? Der Wärter steigt in den Zwinger. Durch hohe und derbe Stiefel ist er gegen Bisse gesichert. Mit einem Stock, der am Ende gegabelt ist, drückt er eine Schlange dicht hinter dem Kopf auf den Boden. Dann packt er die Schlang mit der Hand und presst ihre Kiefer auseinander. Ein Assistent hält ein Glasgefäß unter die drohend hervorstehenden Giftzähne und massiert die Giftdrüsen der Schlange. Aus dem so gewonnenen Gift wird der Impfstoff für die Pferde hergstellt.

Bei der ersten Injektion erhält ein Pferd ein halbes Milligramm gelöstes Trockengift. In Abständen von je drei bis vier Tagen erfolgen weitere Impfungen. Dann kann die erste Blutabnahme vorgenommen werden, bei der etwa acht Liter Blut abgezapft werden. Drei weitere Aderlässe von je sechs Litern erfolgen in Abständen von jeweils einer Woche. Dabei werden die Tiere unter strengster Beachtung aller Vorschriften der Tierschutzgesetze genauestens auf Gewicht, Temperatur und allgemeinen Gesundheitszustand kontrolliert. Aus dem immunisierten Blut wird das Serum gewonnen und in Ampullen abgefüllt.

Bei der Anwendung dieser Seren ist es notwendig, die Schlangenart zu kennen, von der der Biss erfolgte, denn nach langwierigen Versuchen ist festgestellt worden, dass z.B. Otternserum nur gegen Otterbisse wirksam ist. Entsprechend verhalten sich auch die anderen Seren und Giftarten. Bei einem erwachsenen Menschen werden Mengen von 20 bis 30 cmm gespritzt, und die Behandlung muss innerhalb von zwei Stunden nach dem Biss erfolgen.

Wenn wir und unsere Kinder und Jugendlichen in den Sommermonaten zum Wandern, Spielen und Zelten hinausziehen, so sollten wir Eltern, Lehrer und junge Erwachsene einen kurzen Hinweis auf die Vorsichtsmaßnahmen gegen Schlangenbisse geben. Auf Geröllflächen, sonnigem mit Gestrüpp bewachsenem Waldboden ist das Barfußgehen oft mit der Gefahr für Schlangenbisse verbunden. Bei Wanderungen in unbekanntem Gelände sollte man daher die Einheimischen fragen, ob Schlangen in der Umgegend beobachtet worden sind. Die Merkmale der beiden bei uns noch vorhandenen Giftschlangen sollte jeder kennen.

Komplikationen

Welche Komplikationen sich nach einem Schlangenbiss einstellen können, hängt davon ab, um welches Art der Schlange und welches Gift es sich handelt. Das Gift der Königskobra zerstört zum Beispiel die Nervenbahnen des Opfers innerhalb kürzester Zeit. Betroffene fallen nach einem Biss sehr schnell ins Koma und versterben ohne zeitnahe Behandlung mit einem Gegengift in aller Regel. Kobras gehören außerdem zu den Schlangenarten, die ihr Gift auch speien. Gelangt das Toxin so in die Augen, kann dies zur Erblindung beim Betroffenen führen.

Die südamerikanischen Klapperschlange ist eine der seltenen Schlangenarten, die sowohl ein Gewebegift als auch ein Nervengift produzieren und in ihre Opfer injizieren. Selbst die sofortige Behandlung einer Bisswunde mit einer speziellen Reinigungsflüssigkeit für Schlangenbisse in den Tropen ist in diesen Fällen meist wirkungslos. Das Blut des Opfers wird nach dem Biss vom Hämotoxin so stark verdünnt, dass es durch die Kapillaren in den Körper austritt. Lebensgefährliche innere Blutungen sind die Folge.

In Deutschland ist die Kreuzotter die einzige natürlich vorkommende giftige Schlangenart. Der Biss einer Kreuzotter ist für gesunde Erwachsene in der Regel nicht lebensgefährlich. Bei zeitnaher Behandlung sind über die typischen Symptome wie Herzrasen, Atemprobleme und Schweißausbrüche hinaus keine Komplikationen zu erwarten. Wird die Bisswunde nicht professionell versorgt, kann sich diese entzünden und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis führen.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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