Schlafstörungen behandeln Teil 2
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin)Was ist nun darunter zu verstehen? Zum ersten gehören alle Schlafstörungen, die Ausdruck einer organischen Krankheit sind. Sie können als Vorpostensymptom oder als Begleiterscheinung von Stoffwechselkrankheiten, zum Beispiel Diabetes, von Gefäßleiden, beispielsweise Arteriosklerose, von chronischen Vergiftungen wie Alkoholmißbrauch, von Nervenkrankheiten und anderem mehr auftreten. In solchen Fällen genügt es selbstverständlich nicht, die Schlafstörung, die auch in einem gesteigerten Schlafbedürfnis bestehen kann, isoliert zu behandeln, sie muss selbstverständlich in die Therapie des Grundleidens einbezogen werden.
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Schlafstörungen bei Depressionen
Der Patient fühlt sich traurig verstimmt, macht sich unbegründete Selbstvorwürfe, findet an nichts mehr Freude, hat Zukunftsangst und lebensverneinende Gedanken. Er wird appetitlos, seine Gewichtskurve sinkt ab, er ist arbeitsunfähig. Vor allem aber klagt er über schlechten Schlaf. Man darf sogar sagen, dass es keine endogene Depression ohne Schlafstörung gibt oder umgekehrt gesehen, dass der Arzt bei jeder hartnäckigen Schlaflosigkeit an eine Depression denken sollte. Auch hier muss das Grundleiden erkannt und behandelt werden, was am besten in einer Fachklinik geschieht.
Psychische Schlafstörungen
Es werden Reden gehalten, Briefe geschrieben, versäumte Pointen gefunden, bisher ungesagte Argumente schwirren durch das Gehirn, Diskussionen jagen durch die Gedanken, und je mehr man an den Schlaf denkt, um so schlechter kann man ihn finden. Zerschlagen und verzweifelt beginnt der Patient in der Frühe seine Arbeit, der er nur unkonzentriert und unwillig nachzugehen vermag, schon erfüllt von der ängstlichen Befürchtung, wie er wohl und ob er überhaupt in der nächsten Nacht schlafen wird. Gewiss kann in solchen Fällen ein Schlafmittel gelegentlich segensreich wirken, aber entscheidend ist, dass der Mensch in seinem Widerspruch behandelt wird, dass ihm geholfen werden muss, den Widerspruch in seiner Umwelt zu überwinden.
Neben einer aufbauenden körperlichen Therapie liegt hier das Hauptgewicht auf der seelischen Krankenbehandlung (Psychotherapie). Dass wir uns nicht falsch verstehen: Wer sich mal über seinen Chef oder seinen Meister, über eine Behörde oder seinen Lehrer, über seine Freundin oder Frau (beziehungsweise Freund oder Mann) geärgert hat, der wird sich nicht gleich einen Krankenschein holen; wer aber durch eine nervöse Schlafunruhe körperlich herunterkommt, ungenießbar wird und nichts genießen kann, der suche seinen Arzt auf, der ihm sicher behilflich sein wird, die nicht selten versteckte Quelle des Übels zu entdecken und zu harmonisieren.
Schlafstörungen durch äußere Einflüsse
Peristatisch heisst durch äußere Umstände bedingt. Peristatische Schlafstörungen sind demnach solche, die sich aus dem Milieu des Schlafzimmers unschwer erklären lassen. Die Hygiene des Schlafzimmers ist ein sanftes Ruhekissen. Es soll nicht zu trocken, nicht zu feucht, nicht zu warm und nicht zu kalt und immer gut gelüftet sein. Wenn neben dem Bett eine alte Eßzimmeruhr um Mitternacht sechzehnmal gongt, darf man sich nicht wundern, wenn der müde Mann oder die müde Frau nicht schlafen kann. Der Krimi im Fernsehen ist kein Schlafmittel und die quietschende Straßenbahn keine Beruhigungstablette.
Es gibt auch ein inneres Milieu des Schläfers: Blase und Darm sollen entleert sein, die Nachtbekleidung soll leicht und die Bettdecke nicht zu schwer sein. Manche Frau zum Beispiel kann nicht einschlafen, weil sie kalte Füße hat, und oftmals hat der Rat, jeden Abend für warme Füße zu sorgen, ihre Schlaflosigkeit beseitigt. Gewiß gibt es robuste Schläfer, die auf einem Nagelbrett schlafen können oder im lauten Wartesaal genauso schnarchen, wie im trauten Heim, aber ebenso gibt es empfindliche Mitbürger, die sich an ein Urlaubsbett erst dann gewöhnt haben, wenn sie wieder abreisen. Wie man sich bettet, so schläft man.
Behandlung und Therapie von Schlafstörungen
Es hat keinen Sinn, unseren geneigten Lesern nun eine riesige Liste leichter rezeptfreier Beruhigungsmittel, oder schwerer Hypnotika vorzulegen. Uns liegt vielmehr daran, von einer sinnlosen Einnahme derartiger Tabletten in überhöhter Dosis zu warnen. Gar zu leicht kann es zu einer Gewöhnung und darüber hinaus zu einer Sucht kommen, so dass man den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben hat. Am liebsten ist uns der Patient, der seine "Zaubertablette" auf den Nachttisch legt, sie wegen guten Einschlafens zu nehmen vergisst und auf diese Weise mit einer Tablette vier Wochen auskommt.
Auch sollte man nicht die ungefährliche, aber trotzdem recht wirksame Anwendung von hydrotherapeutischen Maßnahmen vergessen: Wadenwickel, Wechselbäder, feuchte Packungen, Fichtennadelbäder schaffen oft eine wohltuende Beruhigung. Und wenn ein schlechter Schläfer gar nichts Besseres weiss, dann lese er diesen Aufsatz, der für diesen oder jenen einschläfernd wirken könnte. Gute Nacht!
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