Schlafmittelvergiftung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Eine Schlafmittelvergiftung wird vom Patienten in den meisten Fällen bewusst herbeigeführt. Frühzeitige medizinische Maßnahmen können sich lebensrettend auswirken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schlafmittelvergiftung?

Von einer Schlafmittelvergiftung ist in der Medizin die Rede, wenn sich im Organismus eines Betroffenen eine überhöhte Menge von Medikamenten mit Schlaf fördernder bzw. beruhigender Wirkung befindet. Entsprechende Arzneimittel können sich bei Überdosierung toxisch (vergiftend) auswirken.

In den meisten Fällen werden überdosierte Medikamente, die zu einer Schlafmittelvergiftung führen können, von Betroffenen bewusst zu sich genommen. Dabei verfolgen entsprechende Personen häufig die Absicht der Selbsttötung (Selbstmord). Eine nur leicht ausgeprägte Schlafmittelvergiftung kann sich beispielsweise durch Erschlaffung der Muskulatur, unsicheren Gang und/oder Schläfrigkeit ausdrücken.

Zu den möglichen Symptomen einer schweren Schlafmittelvergiftung zählen etwa Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit. Darüber hinaus reagiert der Körper weniger sensibel auf Schmerzreize. Um ein lebensbedrohliches Symptom der schweren Schlafmittelvergiftung handelt es sich vor allem bei der Atemnot.

Ursachen

Zu den Medikamenten, die am häufigsten Ursache einer Schlafmittelvergiftung sind, zählen beispielsweise sogenannte Barbiturate und Benzodiazepine. Beide Medikamentengruppen sind über unterschiedliche Wirkungsweise vor allem Schlaf fördernd bzw. beruhigend.

Benzodiazepine werden in der Medizin meist eingesetzt, um Schlafstörungen oder Angstzustände zu bekämpfen. Barbiturate finden darüber hinaus bei entsprechender Dosierung sogar als Narkotika (Betäubungsmittel) Anwendung. Aufgrund ihres Wirkungsgrades führen Barbiturate in der Regel bereits bei niedrigerer Dosierung zur Schlafmittelvergiftung, als dies bei Benzodiazepinen der Fall ist.

Eine Schlafmittelvergiftung erfolgt darüber hinaus in der Regel dann rascher, wenn eingenommene Schlafmittel mit Alkohol kombiniert werden. Denn Alkohol verstärkt die Wirkung von Barbituraten oder Benzodiazepinen auf das Nervensystem eines Betroffenen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Verdachtsdiagnose Schlafmittelvergiftung ist häufig zunächst auf der Grundlage typischer, genannter Symptome möglich. Ist ein Patient ohne Bewusstsein, so können beispielsweise entsprechende Medikamentenpackungen in nächster Umgebung des Betroffenen den Verdacht erhärten.

Da allerdings Symptome einer schweren Schlafmittelvergiftung, wie etwa Bewusstlosigkeit und schwache Atmung, auch von einer großen Anzahl weiterer Ursachen ausgehen können, sind Letztere in weiteren Schritten zu prüfen bzw. auszuschließen.

Sind die Medikamente, die im Einzelfall zu einer Schlafmittelvergiftung geführt haben, unbekannt, so können entsprechende medikamentöse Wirkstoffe im Organismus mithilfe einer Blutuntersuchung identifiziert werden. Der Verlauf einer Schlafmittelvergiftung hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Eine Rolle spielen hier vor allem die Schwere einer Vergiftung und der Zeitraum, der bis zur Ergreifung medizinischer Maßnahmen vergeht. Halten Blutdruckabfall und schwache Atmung in der Folge einer schweren Schlafmittelvergiftung über längere Zeit unbehandelt an, so können Kreislaufversagen und/oder Atemstillstand zum Tod des Betroffenen führen.

Komplikationen

Eine Schlafmittelvergiftung führt zunächst dazu, dass der Betroffene bewusstlos wird. Je nach eingenommener Dosis kann es bereits nach kurzer Zeit zum ernsten Herz-Kreislauf-Beschwerden und schließlich zum Kreislaufstillstand kommen. Erfolgt keine sofortige Behandlung, führt dies fast immer zum Tod. Begleitend dazu fällt der Blutdruck ab und es kommt zu Atembeschwerden. Im weiteren Verlauf setzt schließlich auch die Atmung aus und der Betroffene fällt ins Koma.

Eine Magenspülung verläuft nicht immer ohne Komplikationen. Gelangt die Kochsalzlösung in die Lunge, kann dies unter anderem zu Luftnot oder einer Lungenentzündung führen. Die begleitend verabreichten Beruhigungsmittel können Wechselwirkungen zu den geschluckten Präparaten hervorrufen und dadurch schwere gesundheitliche Probleme auslösen. Eine künstliche Beatmung ruft mitunter Beschwerden wie Lungenentzündung, Magenblähung oder eine Steigerung des Hirndrucks hervor.

Auch Herz, Nieren und Leber sowie die Gefäße werden durch Maske oder Tubus geschädigt. Außerdem kann es zu Hautreizungen und Wunden kommen, die sich infizieren können. Zuletzt können bei einer Schlafmittelvergiftung auch die verabreichten Gegenmittel Komplikationen hervorrufen. Typisch sind Übelkeit und Erbrechen sowie Wechselwirkungen, die vor der Anwendung der entsprechenden Mittel nicht immer abzusehen sind.

Behandlung & Therapie

Medizinische Maßnahmen, die bei einer Schlafmittelvergiftung notwendig werden, orientieren sich unter anderem an der individuellen Symptomatik einer betroffenen Person.

Ist der Betroffene bewusstlos, so dient die stabile Seitenlage (eine Körperposition im Rahmen der Ersten Hilfe) zunächst dazu, die Atemwege frei zu halten. Darüber hinaus kommen häufig Decken zum Einsatz, die zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur eines Betroffenen verwendet werden.

Liegt beim Patienten eine schwere Schlafmittelvergiftung durch Barbiturate vor, müssen häufig Gegenmittel verabreicht werden. Da hier in Verbindung mit einer Bewusstlosigkeit außerdem die Gefahr gegeben ist, dass Inhalte des Magens in die Lunge gelangen, kann auch eine künstliche Beatmung notwendig sein. Im Rahmen weiterer medizinischer Maßnahmen bei vorliegender schwerer Schlafmittelvergiftung erfolgt meist eine Stabilisierung des Kreislaufs mithilfe von Medikamenten.

Um verschiedene aufgenommene Gifte aus dem Magen eines Patienten zu entfernen, zählt auch eine Magenspülung häufig zu den Therapiebausteinen bei schwerer Schlafmittelvergiftung. Ergänzt werden kann diese Maßnahme durch den Einsatz harntreibender Arzneimittel. Bei sehr schwerer Symptomatik kann eine Schlafmittelvergiftung schließlich auch eine Blutwäsche notwendig werden lassen.

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Vorbeugung

Vorzubeugen ist einer Schlafmittelvergiftung in erster Linie durch die Unterlassung einer Überdosierung von Schlaf fördernden Medikamenten. Schweren Auswirkungen einer Schlafmittelvergiftung kann durch frühzeitige medizinische Maßnahmen entgegengewirkt werden. Äußert eine Person konkrete Selbsttötungsgedanken, so können vor allem psychotherapeutische Maßnahmen dazu beitragen, eine Stabilisierung des Betroffenen zu erreichen. So kann das Risiko einer beabsichtigten Schlafmittelvergiftung gesenkt werden.

Bücher über Schlafstörungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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