Schlafkrankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Die überwiegend in Afrika auftretende Schlafkrankheit bzw. Trypanosomiasis ist eine Tropenkrankheit, die meist durch den Stich einer infizierten Tsetsefliege übertragen wird. Ohne Behandlung führt die Schlafkrankheit infolge einer Zerstörung des zentralen Nervensystems zum Tod.

Inhaltsverzeichnis

Definition Schlafkrankheit

Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) ist eine parasitäre Erkrankung von Mensch und Tier, verursacht durch Protozoen der Gattung Trypanosoma brucei. Überträger der Krankheit ist die Tsetsefliege.

Die endemisch verlaufende Schlafkrankheit tritt vor allem südlich der Sahara in mehr als 35 Ländern auf. Es wird geschätzt, dass jährlich mindestens 100.000 – 300.000 Menschen infiziert werden. Allein 2008 sind 48.000 Menschen an der Schlafkrankheit gestorben. Der Begriff "Schlafkrankheit" leitet sich von den Symptomen der neurologischen Phase ab:

Verwirrung, reduzierte Koordination und Störung des Schlafzyklus, Anfälle von Müdigkeit mit manischen Phasen, tagelanger unterbrochener Schlaf und nächtliche Schlaflosigkeit. Ohne Behandlung verläuft die Schlafkrankheit von einem fortschreitenden geistigen Verfall bis hin zum Koma und Tod.

Ursachen

Verursacher der Schlafkrankheit ist der Parasit Trypanosoma brucei, übertragen durch einen Biss der Tsetsefliege (Gattung Glossina). Für die weitere Behandlung ist die Infizierung durch Trypanosoma brucei gambiense, Trypanosoma brucei brucei und Trypanosoma brucei rhodesiense zu unterscheiden.

Die große, braune Tsetsefliege überträgt dem Wirt mit einem Risiko 1:1.000 während des Blutsaugens metazyklische trypomastigote Zellen ins Hautgewebe. Im Zellzwischenraum wandeln sich die Zellen zu einzelligen Parasiten, die über das Lymphsystem und den Blutkreislauf unter ständiger Vermehrung immer tiefer in den Wirt eindringen.

Weiterhin kann die Schlafkrankheit durch Mutter-Kind-Infektion übertragen werden, wenn die Plazenta befallen ist. Verunreinigte medizinische Geräte oder Bluttransfusionen sowie sexuelle Kontakte können ebenfalls Infektionsquellen der Schlafkrankheit sein.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Nach der Infektion können oft mehrere Monate vergehen, ehe erste Symptome der Schlafkrankheit auftreten. Die Vermehrung der Trypanosomen (hämolymphatische Phase) bringt zunächst Fieberschübe mit sich, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Juckreiz können hinzukommen. In der zweiten Stufe der Schlafkrankheit (neurologische Phase) überwinden die Parasiten die Blut-Hirn-Schranke und befallen das zentrale Nervensystem.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Symptome der Schlafkrankheit offensichtlich: Veränderungen des Verhaltens, Verwirrtheit, Wahrnehmungsstörungen und schlechte Koordination. Wichtigstes Merkmal des zweiten Stadiums der Schlafkrankheit ist die Störung des Schlafzyklus.

Nach einer möglichen Infektion (sichtbare Rötung der Haut) kann ein Screening mit mikroskopischen Untersuchungen von Lymphknotenpunktat, Blut oder Knochenmark sowie eine Überprüfung klinischer Symptome (geschwollene Lymphknoten entlang des Halses) durchgeführt werden. Liegt die Schlafkrankheit vor, kann per Liquorpunktion eine Diagnose zum Krankheitsstatus erstellt werden.

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser ist die Aussicht auf eine Heilung. Eine Diagnose vor Eintritt der neurologischen Phase kann eine komplizierte und risikoreiche Behandlung der Schlafkrankheit vermeiden.

Komplikationen

Die Schlafkrankheit wird durch einen Stich der Tsetse-Fliege übertragen, wobei der Stich bereits eine sehr schmerzhafte Angelegenheit ist. Natürlich ist die Schlafkrankheit auch mit unterschiedlichen Komplikationen verbunden, die in der Regel immer von einem Arzt behandelt werden sollten. In vielen Fällen tritt unmittelbar nach dem Stich eine starke Schwellung auf.

Dauerhaftes Kühlen der betroffenen Stelle kann dieser Komplikation sehr gut entgegengewirken. Die Schlafkrankheit verläuft schubweise. Das bedeutet, dass sogar eine kurzzeitige Besserung eintreten kann. Dennoch können im Nachhinein diverse Komplikationen auftreten, die dringend eine ärztliche Behandlung erfordern. Häufig tritt in Verbindung mit der Schlafkrankheit eine erhöhte Temperatur auf, die für ein allgemeines Unwohlsein sorgen kann. Hinzu können Lymphknotenschwellungen, Gliederschmerzen und Kopfschmerzen kommen.

Wenn bei diesen Symptomen kein entsprechender Arzt aufgesucht wird, dann ist definitiv mit weiteren Komplikationen zu rechnen. Die erhöhte Temperatur kann sich zu sehr starkem Fieber entwickeln. Bakterien und Viren breiten sich im gesamten Körper aus, sodass es zu einer schweren Infektion kommen kann. Generell gilt: Wer mögliche Komplikationen bei einer Schlafkrankheit vermeiden möchte, der sollte frühzeitig auf eine ärztliche und medikamentöse Behandlung zurückgreifen.

Behandlung & Therapie

Die ausschließlich medikamentöse Art der stationären Behandlung hängt vom Stadium der Schlafkrankheit ab. Die Medikamente der ersten Behandlungsstufe weisen eine geringere Toxizität auf und sind einfacher zu handhaben. Trotz nicht unerheblichen Nebenwirkungen, ist das intravenös oder intramuskulär eingesetzte Pentamidin (Tb gambiense) im Allgemeinen gut verträglich.

Der intravenös verwendete Wirkstoff Suramin (Tb rhodesiense) kann Nebenwirkungen auf die Harnwege oder allergische Reaktionen hervorrufen. Die derzeitige Standardtherapie für die zweite Stufe (neurologische Phase) der Schlafkrankheit ist die tägliche intravenöse Verabreichung von 2,2 mg/kg Körpergewicht Melarsoprol über 12 aufeinander folgende Tage, was jedoch erhebliche Nebenwirkungen auslösen kann - schlimmstenfalls eine tödlich verlaufende Enzephalopathie.

Das neuere Medikament Eflornithin (Tb gambiense) - aufgrund der arbeitsintensiven Verwaltung und der Kostenintensität bisher nur als alternative Behandlung der Schlafkrankheit eingesetzt - ist verträglicher und sehr erfolgreich. Die seit 2009 zur Behandlung der Schlafkrankheit eingeführte Kombinationsbehandlung von Nifurtimox und Eflornithin vereinfacht den Einsatz von Eflornithin in der Monotherapie zusätzlich.

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Vorbeugung

Derzeit gibt es zur Vermeidung einer Infektion mit der Schlafkrankheit keinen Impfstoff oder vorbeugende Medikamente. Zwar hat sich die präventive Verabreichung von Pentamidin bewährt, was jedoch medizinisch umstritten ist. Reisenden empfiehlt sich daher eine Vermeidung von Insektenstichen durch helle und den Körper vollständig bedeckende Bekleidung sowie der Einsatz von Insektennetzen.

Bücher über Schlafkrankheit

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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