Schilddrüsenszintigraphie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Die Schilddrüsenszintigraphie gehört zu den Untersuchungsmethoden der Nuklearmedizin. Bei diesem Verfahren wird die Schilddrüse mithilfe eines radioaktiven Mittels durch eine Gammakamera abgebildet. Ziel der Schilddrüsenszintigraphie ist es, die Funktionsfähigkeit des Organs zu überprüfen, die Struktur des Gewebes zu untersuchen und gegebenenfalls zwischen heißen und kalten Knoten zu differenzieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Schilddrüsenszintigraphie?

Die Szintigraphie der Schilddrüse gehört zu den nuklearmedizinischen Untersuchungen, da sie für die Bildgebung der Schilddrüse einen radioaktiven Stoff verwendet. Sie gehört neben dem Abtasten (Palpation), dem Ultraschall (Sonographie) und der eventuell nötigen Gewebeprobe (Feinnadelpunktion) zu den klassischen Schilddrüsenuntersuchungen. Die bei der Szintigraphie zur Darstellung der Schilddrüse und ihrer physiologischen Vorgänge verwendete Substanz wird als Tracer bezeichnet.

In den meisten Fällen wird das chemische Element Technetium verwendet, bei bestimmten Fragestellungen ist auch der Einsatz von Jod möglich. Durch die Anreicherung des Radionuklids in den Schilddrüsenzellen wird die Gammastrahlung von der entsprechenden Kamera erfasst und in zwei- oder dreidimensionale Bilder umgesetzt. Das entstandene Bild wird als Szintigramm bezeichnet. Eine Sonderform der Schilddrüsenszintigraphie ist die sogenannte Suppressionsszintigrafie, bei der der normale Hormonstoffwechsel der Schilddrüse medikamentös aus dem Gleichgewicht gebracht wird, um nach bestimmten Krankheitsbildern zu suchen. Wenn es darum geht abzuschätzen, ob ein Schilddrüsenknoten gut- oder bösartig ist, kann zur Ergänzung der klassischen Diagnostik auch die MIBI-Szintigraphie herangezogen werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Haupteinsatzgebiet der Schilddrüsenszintigraphie ist die Abklärung von Knoten – vor allem dann, wenn sie eine Größe von 1 cm überschreiten. Mit der Szintigrafie kann festgestellt werden, ob ein Knoten heiß oder kalt ist.

Dies ist insofern von Bedeutung, da kalte Knoten ein geringes Risiko der Bösartigkeit haben, während sich hinter heißen Knoten nur in den seltensten Fällen ein Karzinom verbirgt. Die Bezeichnung kalter beziehungsweise heißer Knoten kommt dadurch zustande, dass sich das Radionuklid wie Jod verhält, das die Schilddrüse für ihren Hormonstoffwechsel benötigt. Eine Mehrspeicherung zeigt eine erhöhte Funktion an und zeigt sich im Szintigramm als rotes Areal ("heiß"), während ein nicht speicherndes Areal blau und damit "kalt" erscheint. Die Aufnahme des Tracers in der Schilddrüse wird als Uptake bezeichnet.

Die Schilddrüsenszintigraphie gehört zu den Untersuchungsmethoden der Nuklearmedizin. Bei diesem Verfahren wird die Schilddrüse mithilfe eines radioaktiven Mittels durch eine Gammakamera abgebildet. Abbildung zeigt Sitz der Schilddrüse im Körper.

Um diese Speicherung in der Schilddrüse mit der Gammakamera sichtbar zu machen, wird nach der Gabe des Tracers in die Vene eine Wartezeit von circa 20 Minuten bis zur etwa fünf Minuten dauernden Aufnahme eingehalten, damit sich die Substanz gut in der Schilddrüse anreichern kann. Die Schilddrüsenszintigraphie wird zudem standardmäßig eingesetzt, wenn eine vorausgegangene Blutuntersuchung eine Überfunktion (Hyperthyreose) ergeben hat. Hier wird mit der nuklearmedizinischen Untersuchung nach einer Autonomie der Schilddrüse gesucht. In diesem Fällen hat sich ein Bereich des Organs abgekapselt, um selbstständig – und häufig zu viele – Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Diese sogenannten autonomen Adenome können als einzelne Knoten dargestellt werden, sich aber auch diffus über die ganze Schilddrüse verteilen. Für die Diagnosesicherung der Autonomie ist die Suppressionsszintigraphie besonders geeignet. Durch die Vorbereitung, in der Schilddrüsenhormone eingenommen werden, erreicht man, dass normal arbeitende Schilddrüsenareale durch die Sättigung keinen Tracer mehr aufnehmen: Der autonome Bereich erscheint dann ganz deutlich. Auch die Diagnose der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis kann durch die Schilddrüsenszintigraphie gesichert werden: Bei dieser entzündlichen Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zerstört sich das Gewebe, was im Szintigramm ebenfalls sichtbar gemacht werden kann.

Oft werden Schilddrüsenerkrankungen bereits durch den typischen Kropf (Struma) sichtbar. Manchmal wächst das Gewebe jedoch auch hinter das Brustbein (retrosternale Strumen) oder siedelt sich entfernt der Schilddrüse an. Diese Sonderformen sind über die Schilddrüsenszintigraphie ebenfalls zu entdecken. Darüber hinaus eignet sich das bewährte Verfahren der Nuklearmedizin auch als Therapiekontrolle, zum Beispiel nach einer Operation oder einer Radiojodtherapie, aber auch bei einer medikamentösen Behandlung.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Aufgrund der Einsetzung eines radioaktiven Tracers ist die Schilddrüsenszintigraphie bei vielen Patienten mit Angst vor der Strahlung besetzt. Dennoch handelt es sich um ein sehr risikoarmes diagnostisches Verfahren, da – auch im Vergleich zu anderen nuklearmedizinischen Untersuchungen – nur eine geringe Menge des Tracers eingesetzt werden muss, um eine aussagekräftige Bildgebung der Schilddrüse zu erzielen. Die Strahlenexposition liegt deutlich unter dem Wert, dem man in einem Jahr durch die natürliche Strahlung auf der Erde ausgesetzt ist.

Auch die Halbwertszeit des Radionuklids ist mit sechs Stunden sehr gering. Kontraindikation der Schilddrüsenszintigraphie ist jedoch die Durchführung bei Schwangeren. Bei stillenden Müttern darf 48 Stunden nach der Untersuchung nicht gestillt werden. Als Vorsichtsmaßnahme wird zudem empfohlen, am Tag der Szintigrafie keinen allzu engen Kontakt zu Schwangeren oder kleinen Kindern zu haben. Zwischen zwei Szintigraphien sollte ein Abstand von mindestens drei Monaten liegen. Das meist eingesetzte Technetium wird von den Patienten in der Regel problemlos vertragen.

Es ist nicht mit dem beispielsweise für die Computertomographie (CT) verwendeten Kontrastmittel zu vergleichen, sodass allergische Reaktionen nicht zu befürchten sind. Um die ungestörte Aufnahmemöglichkeit des Tracers in der Schilddrüse zu gewährleisten, darf der Patient vor der Szintigraphie nicht übermäßig viel Jod aufgenommen haben. So darf beispielsweise bis etwa zwei Monate vor der Schilddrüsenszintigraphie kein CT durchgeführt worden sein, weil das jodhaltige Kontrastmittel das Szintigraphieergebnis verfälschen könnte. In Rücksprache mit dem Arzt müssen auch diverse Schilddrüsenmedikamente einen bestimmten Zeitraum vor der Untersuchung abgesetzt werden.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006

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