Schienbeinkantensyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Schienbeinkantensyndrom

Unter einem Schienbeinkantensyndrom wird das Auftreten von Schmerzen an der Vorderkante des Schienbeins verstanden. Die Beschwerden zeigen sich vorwiegend nach sportlichen Aktivitäten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Schienbeinkantensyndrom?

In der Medizin wird das Schienbeinkantensyndrom auch als Tibiakantensyndrom oder Shin-Splint-Syndrom bezeichnet. Gemeint ist damit ein chronisches Schmerzsyndrom, das vorwiegend nach sportlichen Betätigungen wie intensivem Joggen auftritt. Gleiches gilt für sämtliche Sportarten, bei denen größere Belastungen auf die Muskulatur des Scheinbeins entstehen. Als problematisch gilt der oft langsam voranschreitende Heilungsprozess.

Ursachen

Hervorgerufen wird das Schienbeinkantensyndrom in der Regel durch intensives Lauftraining, lange Wanderungen sowie Sportarten wie Weitsprung oder Hochsprung. Grundsätzlich kommt jedoch jede Sportart als Auslöser für ein Shin-Splint-Syndrom infrage, die zu intensiven Bewegungen führt. So gehört auch Skateboardfahren dazu.

Bei Sportlern zählt das Schienbeinkantensyndrom zu den häufigsten sportbedingten Beschwerden und rangiert dabei auf Rang 3. Als Urheber der Schmerzen gelten das Auswechseln der Bodenbeläge in Frühling und Herbst, technische Wechsel beim Tempolaufen innerhalb des Intervalltrainings sowie ausgeprägtes Marathontraining.

Ebenso kann das plötzliche Steigern von Lauftempo oder Trainingsumfang für das Auftreten der Schienbeinbeschwerden verantwortlich sein. Als weiterer denkbarer Auslöser kommt das Tragen von falschem Schuhwerk infrage. Am häufigsten verursacht wird das Schienbeinkantensyndrom jedoch durch ständiges Springen und Landen.

Besonders betroffen sind zudem Sportler, bei denen eine verstärkte Pronation besteht, deren Fuß in die äußere Richtung rotiert und von denen Spikes benutzt werden. Neben Sportlern leiden zudem häufig Tänzer und Soldaten an dem Schmerzsyndrom.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich ein Schienbeinkantensyndrom durch das abrupte Auftreten von starken Schmerzen an der Kante des Schienbeins. Wird die Belastung verringert, gehen die Schmerzen wieder zurück. Steigert sich die Belastung erneut, verspürt der betroffene Sportler sofort wieder Schmerzen.

Mediziner unterscheiden beim Schienbeinkantensyndrom zwischen zwei Formen. So gibt es das mediale sowie das laterale Tibiakantensyndrom: Beim medialen Schienbeinkantensyndrom tritt der Schmerz im unteren Abschnitt der Schienbeinkante auf. Die laterale Form zeigt sich dagegen im oberen Schienbeinkantenbereich.

Die Schmerzen werden entweder als stechend oder dumpf empfunden. Während sie sich zunächst nur bei Bewegung zeigen, können sie im weiteren Verlauf auch im Ruhezustand auftreten. Aufgrund des starken Drucks an den betroffenen Stellen präsentiert sich die Haut mitunter stark elastisch. Durch die Hautspannung sind ebenfalls Schmerzen möglich.

Einige Patienten empfinden zudem Sensibilitätsstörungen an den gespannten Hautstellen. In manchen Fällen wirkt sich der starke Druck auf die Muskeln aus, was wiederum bestimmte Muskelbewegungen einschränkt. Mitunter bilden sich auch Nekrosen in den betroffenen Muskelbereichen. Dadurch können weitere Beschwerden wie Abgeschlagenheit und hohes Fieber auftreten. Im schlimmsten Fall setzt eine lebensgefährliche Sepsis (Blutvergiftung) ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf ein Schienbeinkantensyndrom, führt der behandelnde Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Dabei erkundigt er sich danach, bei welchen Belastungen die Beschwerden auftreten und ob sie sich bei früheren Gelegenheiten schon einmal zeigten. Eine wichtige Rolle spielt zudem das Laufpensum des Patienten und ob thromboembolische Vorerkrankungen bestehen.

Im Anschluss an die Anamnese findet eine körperliche Untersuchung statt. Dabei lässt sich zumeist eine Schwellung an der Schienbeinkante entlang wahrnehmen. Übt der Arzt Druck auf die Schwellung aus, zeigen sich ausgeprägte Schmerzen. Darüber hinaus verwendet der Mediziner bildgebende Untersuchungsverfahren wie das Anfertigen von Röntgenaufnahmen.

Auf diese Weise lassen sich Stressfrakturen oder Entzündungen an der Knochenhaut ermitteln. Auch die Durchführung einer Kernspintomographie oder Szintigraphie ist möglich. Diese Verfahren werden vorwiegend bei Verdacht auf eine Stressfraktur eingesetzt.

Von Bedeutung sind zudem Differentialdiagnosen, um andere Erkrankungen, die für Beschwerden dieser Art in Betracht kommen, auszuschließen. Dabei handelt es sich um ein Kompartmentsyndrom, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit an den unteren Gliedmaßen sowie venöse Abflussstörungen.

Der Verlauf eines Schienbeinkantensyndroms ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Während bei einigen Betroffenen die Beschwerden lediglich einige Stunden anhalten, leiden andere mehrere Wochen unter ihnen. Wird das Schienbein nicht geschont, nehmen die Schmerzen weiter an Intensität zu und die Erkrankung dauert länger an.

Behandlung & Therapie

In der Regel wird die Behandlung eines Schienbeinkantensyndroms konservativ vorgenommen. Dabei steht besonders die Schonung des Beins im Mittelpunkt. Ist weiteres Training erforderlich, muss sich dieses auf Übungen beschränken, die nicht zu einer Belastung des Schienbeins führen. Dazu zählen unter anderem Radfahren oder Schwimmen.

Im Falle eines akuten Tibiakantensyndroms kann der Patient Salbenverbände mit schmerzstillenden Wirkstoffen anlegen. Eine weitere Option ist die Einnahme von schmerzstillenden Tabletten. Führen diese Behandlungen nicht zu einer Besserung, lässt sich eine Kortisonlösung in die betroffenen Stellen injizieren. Als hilfreich gelten zudem physiotherapeutische Übungen. Halten die Beschwerden trotz konservativer Therapiemaßnahmen weiter an, kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein.

Dabei spaltet der Chirurg die Faszie des Muskels, um eine Drucksenkung zu erreichen. Immer häufiger kommen zu diesem Zweck minimal-invasive endoskopische Verfahren anstelle von offenen Eingriffen zur Anwendung. Die Erfolgsaussichten der Operation werden als positiv eingeschätzt. So verspürten mehr als 60 Prozent aller Patienten nach dem Eingriff keine Beschwerden mehr. Nach etwa vier Wochen kann der Patient wieder Sport treiben.




Vorbegung

Um ein Schienbeinkantensyndrom zu verhindern, sind vorbeugende Maßnahmen möglich. So sollte der Sportler den Umfang seines Trainings in der Woche nicht mehr als zehn Prozent anheben. Auf diese Weise gibt er seinen Sehnen und Muskeln genügend Zeit, um sich auf die neuen Belastungen vorzubereiten. Wichtig sind zudem passende Laufschuhe.

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