Scheidenflora

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Die Scheidenflora ist die natürliche Keimbesiedelung der Scheide. Sie hält das Milieu der Scheide aufrecht und spielt eine Rolle bei der Erregerabwehr.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Scheidenflora?

Im Vergleich zur Darmflora ist die Scheidenflora überschaubar. Sie wird durch zwei große Bakteriengruppen, Bacteroides und Lactobacillus, bestimmt. Der pH-Wert der Flora liegt mit < 4,5 im sauren Bereich. Bei Erkrankungen kann sich das Milieu verschieben und neutrale bis basische Werte annehmen.

Das ermöglicht Krankheitserregern, sich in der Vagina anzusiedeln. Eine Scheidenflora, die aus dem Gleichgewicht geraten ist, begünstigt vaginale Infektionen und führt oft auch zu Scheidentrockenheit, Juckreiz, Brennen, Ausfluss oder fischigem Scheidengeruch. Häufig werden diese Symptom mit übertriebener Intimhygiene behandelt. Dieses Vorgehen zerstört die Scheidenflora jedoch endgültig und verschlimmert die Symptome somit noch.

Anatomie & Aufbau

Die Scheidenflora besteht aus obligaten und fakultativen Keimen. Die obligaten Keime sind Vertreter der normalen Standortflora der Vagina. Zu den obligaten Keimen gehören die Bacteroides und die Laktobazillen. Der Normbereich der Laktobazillen liegt bei 10⁴ bis 10⁷ KBE pro Gramm Scheidensekret. Laktobazillen sind in der Lage kurzkettige Fettsäuren, Peroxide und verschiedene Bakteriocine zu produzieren.

Die Bacteroides gehören zwar zur Kolonisationsresistenz, es sind jedoch bisher keine Faktoren bekannt, die dafür sprechen, dass sie eine wichtige Schutzfunktion im Vaginaltrakt übernehmen.

In einem gesunden Vaginaltrakt tauchen die sogenannten fakultativen Keime immer nur vorübergehend auf. Fakultative Keime gelangen beispielsweise vom Darm oder von der Harnröhre in die Vagina. Zu den fakultativen Keimen der Vaginalflora gehören: [[Enterokokken], E.coli, sonstige Enterobakterien, Streptokokken, Staphylokokken, Gardnerellen, Candida albicans, weitere Pilze und Hefen.

Die Zusammensetzung der Scheidenflora ändert sich jedoch im Laufe des Lebens immer wieder. Bei einem höhen Östrogenspiegel erhöht sich der Zuckergehalt in der Scheide, sodass die Laktobazillen optimale Lebensbedingungen vorfinden. Vor der Pubertät ähnelt die Scheidenflora der normalen Hautflora.

Das liegt auch daran, dass die Eierstöcke noch kein Östrogen produzieren, die Laktobazillen also in der Vagina keine Nahrung finden. Erst mit dem Einsetzen der Östrogenproduktion siedeln sich Milchsäurebakterien an. Auch während der monatlichen Hormonschwankungen im Zyklus der Frau ändert sich die Zusammensetzung der Scheidenflora. Die Laktobazillen vermehren sich besonders stark in der follikulären Phase. Die follikuläre Phase ist die erste Hälfte des Zyklus.

Nach der Menopause ändert sich die Scheidenflora durch den Östrogenabfall erneut. Die Vaginalflora ähnelt dann wieder der Hautflora.

Funktion & Aufgaben

Die Hauptaufgabe der Vaginalflora ist der Schutz vor Krankheitserregern. Die gesunde Vaginalschleimhaut ist dicht mit Laktobazillen und Bacteroides besiedelt. Diese fungieren gewissermaßen als Platzhalter, die den Lebensraum für die potenziell pathogenen Keime blockieren.

Die meisten Erreger bevorzugen zudem ein neutrales oder basisches Milieu. In der Scheide ist das Milieu mit einem ph-Wert unter 4 jedoch sauer. Unter sauren Bedingungen siedeln sich die meisten Keime nicht an. Für die Aufrechterhaltung des saueren Milieus sind die Laktobazillen zuständig. Eine Spezialform der Laktobazillen, die Döderlein-Stäbchen (Lactobacillus acidophilus), verarbeiten die abgeschilferten Epithelzellen der Vagina zu Laktat. Laktat ist Milchsäure. Doch die Bakterien aus der Gruppe der Laktobazillen können nicht nur Milchsäure produzieren, sie stellen auch bakteriozide Stoffe her, die sich direkt gegen die pathogenen Keime richten.

In diesem Sinne fungiert die Schleimhaut der Scheide als eine mechanische Barriere. Sie ist aber auch ein wichtiger Teil des Immunsystems und steht in enger Verbindung mit der Immunabwehr des Darms, mit dem sogenannten Gut associated lymphoid tissue (GALT).

So lässt sich auf den Schleimhäuten auch das sekretorische Immunglobulin A nachweisen. Welche Funktion das Immunglobulin in der Scheide genau übernimmt, ist allerdings noch ungeklärt.

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Krankheiten

Die Vaginalflora kann durch viele Faktoren negativ beeinflusst werden. Duschgel und Badezusätze haben ebenso wie viele Intimpflegeprodukte einen viel zu hohen pH-Wert für den weiblichen Intimbereich. Auch Reinigungsmittel mit desinfizierenden Eigenschaften sind nicht zur Reinigung der Vagina geeignet. Sie unterscheiden nicht zwischen physiologischen und pathologischen Keimen und schädigen so die Flora in ihrer Gesamtheit.

Hauptverursacher von Infektionen im Intimbereich sind gechlorte Schwimmbäder. Chlor wirkt sehr aggressiv und schädigt das Milieu der Scheide. Auch Tampons, Binden und Slipeinlagen sind in der Regel mit Chlor gebleicht. Sie enthalten zudem weitere Duft- und Parfumstoffe, welche die Vaginalflora zusätzlich schädigen können.

Eine weitere häufige Infektionsquelle ist das Wischverhalten nach dem Stuhlgang. Frauen, die den Anus von hinten nach vorne abwischen, laufen Gefahr Bakterien aus dem Stuhl in Richtung Vagina zu verschmieren. Auch bei verschiedenen Sexualpraktiken können Darmbakterien in die Scheide verschleppt werden. Ein besonderes Risiko ist der ungeschützte Wechsel von Anal- zu Vaginalverkehr.

Immunologische Störungen wie Stress, eine gestörte Darmflora oder eine Immunsuppression durch Medikamente schwächen die natürliche Scheidenflora ebenfalls. Dasselbe gilt für orale Kontrazeptiva, Diabetes mellitus, lokale Kontrazeptiva und antibiotische oder antimykotische Therapien. Vaginale Dysbiosen können verschiedene Beschwerden und Erkrankungen verursachen. Eine häufige Erkrankung, die durch eine Fehlbesiedlung der Scheide verursacht wird, ist die unspezifische Kolpitis. Sie äußert sich durch Symptome wie Juckreiz, Rötungen oder dünnflüssigem Ausfluss mit fischartigem Geruch. Selten sind die Leistenlymphknoten geschwollen.

Die Folgen einer längerfristigen Dysbiose können aber auch drastischer sein. So nimmt beispielsweise bei einer vaginalen Dysbiose die Fruchtbarkeit ab. Auch Fehlgeburten treten häufiger auf. Vaginale Dysbiosen werden mit Antibiotika und floraaufbauenden Präparaten behandelt.

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