Sanfilippo-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Als Sanfilippo-Syndrom wird eine angeborene Stoffwechselerkrankung bezeichnet, die nur sehr selten vorkommt. Sie zählt zu den Mukopolysaccharidosen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Sanfilippo-Syndrom?

Beim Sanfilippo-Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung des Glykosaminoglykan-Stoffwechsels, die autosomal-rezessiv vererbt wird. Die Krankheit trägt auch die Bezeichnung Mukopolysaccharidose Typ III und gehört zur Gruppe der Mukopolysaccharidosen.

Je nachdem welcher Gendefekt beim Sanfilippo-Syndrom besteht, unterscheiden Mediziner zwischen den vier Untertypen A bis D. Das Sanfilippo-Syndrom tritt nur sehr selten auf. So liegt seine Häufigkeit bei 1:60.000. Bei der Geburt des betroffenen Kindes zeigen sich noch keine auffälligen Beschwerden. Bemerkbar macht sich die Mukopolysaccharidose im Alter zwischen drei und vier Jahren durch sehr unruhiges und aggressives Verhalten sowie das Verzögern der geistigen Entwicklung.

Ab dem zweiten Lebensjahrzehnt treten neben den Verhaltensstörungen des Patienten spastische Lähmungen zutage, deren Intensität zunimmt. Im Unterschied zu den anderen Mukopolysaccharidosen werden die Organe, abgesehen vom Gehirn, jedoch weniger in Mitleidenschaft gezogen. So zeigen sich nur wenige Auffälligkeiten am Skelett und die Patienten verfügen in der Regel über einen normalen Körperwuchs.

Benannt wurde das Sanfilippo-Syndrom nach dem amerikanischen Kinderarzt und Biologen Sylvester Sanfilippo. Dieser beschrieb die Erkrankung erstmals im Jahr 1963.

Ursachen

Hervorgerufen wird das Sanfilippo-Syndrom durch vererbte Defekte von vier unterschiedlichen Enzymen. Diese haben normalerweise die Aufgabe, das Glykosaminoglykan Heparansulfat abzubauen. Betroffen sind die Enzyme SGHS (N-Sulfoglucosamin Sulfohydrolase), NAGLU (N-alpha-Acetylglucosaminidase), HGSNAT (Heparan-alpha-Glucosaminid N-Acetyltransferase) und GNS (N-Acetylglucosamin-6-Sulfatase).

Das Heparansulfat wird durch den Gendefekt nicht abgebaut, sodass es sich in den Lysosomen abspeichert. Dabei handelt es sich um die funktionellen Subeinheiten der Zellen, die von einer eigenen Membran umgeben werden. Da es zu einer zunehmenden Überladung der Nervenzellen kommt, führt dies zu Störungen der Funktionsfähigkeit der Lysosomen, was wiederum Beschwerden nach sich zieht. Die Knochen sowie die weiteren Organe werden von den Störungen nicht so stark beeinträchtigt wie bei anderen Mukopolysaccharidosen, weil die Heparansulfatspeicherung bei ihnen niedriger ausfällt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei sämtlichen vier Formen des Sanfilippo-Syndroms zeigt sich ein einheitliches Bild von Behinderungen. So treten bei den Betroffenen erhebliche Veränderungen an der Physis sowie der Psyche wie Demenz oder Verhaltensstörungen auf. Darüber hinaus kann es zu weiteren Störungen wie Hepatomegalie (Lebervergrößerung) kommen.

Äußerlich bemerkbar macht sich das Sanfilippo-Syndrom durch eine Vergrößerung der Zunge, volle Lippen, eine flache Nasenwurzel sowie das Hervortreten von groben Gesichtszügen. Das Haupthaar fällt sehr struppig aus. Außerdem sind die Augenbrauen, die ineinander übergehen, dicht und buschig. Die betroffenen Kinder werden immer verhaltensauffälliger und aggressiver. Nicht selten neigen sie zu einem destruktiven Verhalten.

Da sie ihr Sprachverständnis einbüßen, hören sie mit dem Sprechen auf. Stattdessen bevorzugen sie Gestik und Mimik. Als weitere mögliche Anzeichen kommen eine höhere Anfälligkeit für Infekte, Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit, Leisten- und Nabelhernien sowie Schlafprobleme in Betracht. In manchen Fällen liegt auch eine Sehnervenatrophie vor.

Im weiteren Verlauf des Sanfilippo-Syndroms zeigen sich Lähmungserscheinungen. Dabei bewegen sich die erkrankten Kinder immer unsicherer und büßen ihre Gehfähigkeit schließlich komplett ein. Außerdem sind Schluckstörungen und epileptische Anfälle im Bereich des Möglichen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf ein Sanfilippo-Syndrom, bestimmt der behandelnde Arzt die Glykosaminoglykane im Urin. Es ist allerdings möglich, dass sich deren Menge auch bei der Mukopolysaccharidose Typ III nur wenig erhöht. Um eine sichere Diagnose zu erhalten, wird aus diesem Grund eine Elektrophorese vorgenommen.

Durch deren Anwendung lässt sich das verstärkte Ausscheiden von Heparansulfat eindeutig erkennen. Außerdem kann die Diagnose durch das Bestimmen der Enzymabläufe innerhalb der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) oder in den Fibroblasten erfolgen. Der Verlauf des Sanfilippo-Syndroms ist individuell unterschiedlich.

Je nachdem wie hoch der Schweregrad der Erkrankung ausfällt, kommt es im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt zum Tode des Patienten. In den meisten Fällen erfolgt zuvor ein erheblicher Verlust der motorischen und geistigen Fähigkeiten. Eine sinnvolle Kontaktaufnahme mit den behinderten Kindern ist kaum möglich. Verursacht wird der Tod des Betroffenen zumeist durch eine Lungenentzündung.

Komplikationen

In der Regel leiden die Betroffenen beim Sanfilippo-Syndrom an einer Reihe verschiedener Behinderungen. Diese wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus, sodass diese in vielen Fällen auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Leben angewiesen sind. Auch eine Demenz oder verschiedene Verhaltensstörungen können dabei auftreten und somit auch die Entwicklung des Betroffenen deutlich einschränken.

Mitunter führt das Sanfilippo-Syndrom zu einer Vergrößerung der Leber und damit möglicherweise zu Schmerzen. Aufgrund der groben Gesichtszüge kommt es bei dem Syndrom häufig auch zu Mobbing oder zu Hänseleien, sodass die Patienten auch an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen erkranken können. Auch eine höhere Infektanfälligkeit oder Schlafbeschwerden treten dabei häufig auf und führen zu starken Einschränkungen im Alltag.

Ebenso leiden viele Betroffene an Schluckbeschwerden und damit an Beschwerden bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeit. Aufgrund epileptischer Anfälle ist eventuell die Lebenserwartung des Betroffenen erheblich verringert. Die Behandlung kann leider nur symptomatisch erfolgen und richtet sich nach den Beschwerden. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Weiterhin sind oft auch die Angehörigen oder die Eltern von den psychischen Beschwerden betroffen.

Therapie & Behandlung

Eine Behandlung der Ursachen ist beim Sanfilippo-Syndrom nicht möglich, weil es sich um eine erblich bedingte Krankheit handelt. Seit 2014 finden Studien zu einer Enzymersatztherapie für die Mukopolysaccharidose IIIa statt. Zur Behandlung der Mukopolysaccharidose II wird eine spezielle Gentherapie erprobt. Bei bestimmten Formen der Mukopolysaccharidose gilt eine Knochenmarktransplantation als hilfreich, die die Erkrankung lindern kann, sofern sie bereits vor dem Beginn der Skelettveränderungen stattfindet.

Im Unterschied zu anderen Mukopolysaccharidosen liegt noch keine zugelassene Enzymersatztherapie für das Sanfilippo-Syndrom vor. Um die Erkrankung symptomatisch zu behandeln, werden gegen die Schlafstörungen sowie die Hyperaktivität Medikamente verabreicht. Die Wirkungen der Arzneimittel fallen jedoch von Kind zu Kind unterschiedlich aus. So besteht das Risiko, dass die eingesetzten Präparate ihre positive Wirkung nach einer gewissen Zeit wieder verlieren. Oft ist es deshalb erforderlich, eine individuell geeignete Therapieform für den Patienten herauszufinden.

Leiden die betroffenen Kinder unter starkem, aggressivem oder hyperaktivem Verhalten, müssen in ihrer häuslichen Umgebung oft Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um Verletzungen zu verhindern. Bei Schluckstörungen wird der Umstieg auf eine breiige Nahrung empfohlen. In manchen Fällen ist auch der Einsatz einer Magensonde erforderlich.

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Vorbeugung

Das Sanfilippo-Syndrom wird zu den erblich bedingten Erkrankungen gezählt. Aus diesem Grund gibt es keine wirksamen Vorbeugemaßnahmen gegen die Krankheit.

Bücher über Mukopolysaccharidose & Humangenetik

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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