Samter-Trias

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Bei der Samter-Trias handelt es sich um ein Krankheitsbild, welches durch Nasenpolypen, Asthma bronchiale und eine Unverträglichkeit gegen nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) gekennzeichnet ist. Es tritt eine Überempfindlichkeit gegen Acetylsalicylsäure oder andere nichtsteroidale Antirheumamittel auf. Die Behandlung der Krankheit erfolgt nur symptomatisch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Samter-Trias?

Die Samter-Trias zeichnet sich durch das Bestehen eines Asthma bronchiale und Nasenpolypen sowie die Unverträglichkeit gegen nichtsteroidale Antirheumamittel (nichtsteroidalen Antiphlogistika) aus. Zu diesen Mitteln zählt auch Acetylsalicylsäure. Nach Einnahme dieser Mittel kommt es zu heftigen Atemwegsbeschwerden und allergieähnlichen Symptomen, die auch zum anaphylaktischen Schock führen können.

Es hat sich jedoch herausgestellt, dass diese Erkrankung nicht auf der Basis allergischer Reaktionen abläuft. Es ist eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID). Da ähnliche Reaktionen wie bei einer Allergie auftreten, wird von einer Pseudoallergie gesprochen. Die Samter-Trias wird auch als Morbus Samter oder Morbus Widal bezeichnet. Bereits im Jahre 1922 wurde der Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Unverträglichkeit gegen Acetylsalicylsäure entdeckt.

Es wurde weiterhin nachgewiesen, dass 8 bis 20 Prozent aller Patienten mit Asthma bronchiale und sechs bis fünfzehn Prozent aller Patienten mit Nasenpolypen diese Unverträglichkeiten aufweisen. Die Erkrankung ist nicht heilbar und schreitet auch ohne Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumamitteln immer weiter fort. Nur eine symptomatische Behandlung mit langfristiger Adaption an ASS ist möglich.

Ursachen

Für die Ausbildung einer Samter-Trias wird eine erblich bedingte Prädiposition vermutet. Wo jedoch genau der genetische Defekt vorliegt, ist bisher noch nicht bekannt. Allerdings konnte ein gestörter Abbau von Arachidonsäure nachgewiesen werden. Arachidonsäure ist eine semiessenzielle ungesättigte Fettsäure aus der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren, die in der Zellmembran vorkommt und eine wichtige Rolle bei der Synthese von Leukotrienen und Prostaglandinen spielt.

Diese Substanzen vermitteln im Rahmen von Immunreaktionen Entzündungsprozesse. Der Abbau der Arachidonsäure ist verlangsamt und wird zusätzlich durch den Einfluss von Acetylsalicylsäure (ASS) und verwandten Verbindungen gehemmt. So wird nach Einnahme von ASS oder anderen nichtsteroidalen Antiphlogistika der Abbau der Arachidonsäure völlig eingeschränkt. Gleichzeitig wird die Arachidonsäure angeregt zur Bildung von Prostaglandinen und Leukotrienen.

Das sind Entzündungsfaktoren, welche sofort zu den allergieähnlichen Symptomen führen. Die Arachidonsäure wird unter physiologischen Bedingungen durch das Enzym Cyclooxygenase abgebaut. Dieses Enzym wird wiederum durch ASS und seine verwandten Verbindungen inaktiviert, wodurch der Abbau von Arachidonsäure zum Erliegen kommt. Arachidonsäure reichert sich in der Zelle weiter an und veranlasst im verstärkten Maße die Bildung der Entzündungsfaktoren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Körper treten multiple Entzündungen auf, die durch die verstärkte Bildung von Prostaglandinen und Leukotrienen hervorgerufen werden. Die ohnehin bereits bestehenden Atembeschwerden verstärken sich drastisch. Es treten zahlreiche Bronchospasmen, Schleimhautschwellungen und Sinusitis auf. Der akute Schub der Erkrankung ist sehr gefährlich. Es kann zum anaphylaktischen Schock kommen.

Doch auch zwischen den akuten Phasen bestehen ständig Beschwerden. Die Enzymaktivität der Cyclooxygenase ist insgesamt eingeschränkt, sodass es in den ruhigen Abschnitten zu chronischen Atemwegsproblemen kommt. Asthma bronchiale und Nasenpolypen bestehen bereits seit frühester Kindheit. Die von ASS ableitbaren Salicylate kommen jedoch auch in geringen Konzentrationen in vielen Lebensmitteln vor. So enthalten viele Konservierungsmittel Salicylate.

Mit Konservierungsstoffen haltbar gemachte Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Wurstwaren, Käse und vieles mehr tragen dabei viel zum chronischen Krankheitsbild der Samter-Trias bei. Wenn bereits bei sehr geringen ASS-Konzentrationen massive Beschwerden auftreten, kann die heftige Reaktion bei direkter Konfrontation mit hohen Konzentrationen zum möglicherweise tödlich verlaufenden anaphylaktischen Schock führen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnostik einer Samter-Trias ist oftmals nicht ganz einfach. Zunächst ist eine umfassende Anamnese der Krankengeschichte notwendig, bei welcher auch nach Zusammenhängen von Beschwerden mit Ernährung und medikamentöser Behandlung gefragt werden muss. Die vorliegenden Symptome kommen auch bei klassischen allergischen Reaktionen vor. Daher ist es auch wichtig, eine intensive allergologische Untersuchung durchzuführen.

Der Verdacht auf eine Samter-Trias verdichtet sich, wenn besonders Asthmaanfälle nach dem Kontakt mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAIDs) auftreten, ein negativer Allergietest vorliegt, viele Nasenpolypen vorhanden sind und schwerste Asthmaanfälle auftreten. Im CT kann eine morphologische Nasennebenhöhlenentzündung (Pansinusitis) nachgewiesen werden.

Komplikationen

In den meisten Fällen leiden die Betroffenen bei der Samter-Trias an starken Atembeschwerden. Diese werden dabei von der Einnahme der Medikamente noch weiter verstärkt, sodass der Betroffene im schlimmsten Fall das Bewusstsein verlieren und sich möglicherweise verletzen kann. Auch Schwellungen der Schleimhaut können dabei auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken.

Ebenso kann es schon in der frühen Kindheit zu Asthma und zu anderen Beschwerden bei der Atmung kommen. Viele Betroffene leiden dabei an lauten Atemgeräuschen und Schnarchen. Im Falle eines Schocks kann der Betroffene auch versterben. Weiterhin führt die Erkrankung auch zur Unverträglichkeit vieler Nahrungsmittel und damit zu starken Einschränkungen in der Ernährung des Betroffenen.

In der Regel kann die Erkrankung nicht kausal behandelt werden. Die Betroffenen sind damit auf eine strenge Diät angewiesen, um die Symptome und Beschwerden vollständig zu vermeiden. Damit können alle Komplikationen in der Regel vermieden werden. Im Falle eines Asthmaanfalles sollte direkt ein Notarzt gerufen werden. Ob es aufgrund der Krankheit zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten kommt, kann nicht universell vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Samter-Trias ist sehr langwierig und kann nur erfolgreich begonnen werden, wenn die Ursache vollständig abgeklärt ist. Eine ursächliche Behandlung der Erkrankung ist derzeit noch nicht möglich. Die Störung des Abbaus der Arachidonsäure ist wahrscheinlich erblich bedingt. Das erforderliche Enzym wird zusätzlich durch den Kontakt mit NSAIDs gehemmt.

Zunächst ist darauf zu achten, dass der Kontakt mit ASS und den NSAIDs vermieden wird, um keinen lebensbedrohlichen Asthmaanfall zu provozieren. Allerdings haben Untersuchungen in den letzten Jahren ergeben, dass der Körper schrittweise auch an höhere Dosen dieser Substanzen, insbesondere an ASS, adaptiert werden kann. Das ist deshalb möglich, weil der Stoffwechselweg beim Abbau von nichtsteroidalen Antiphlogistika noch Modulationsspielräume besitzt.

So kann langfristig also ein etwas abgewandelter Abbaupfad für ASS entwickelt werden. Es wurde festgestellt, dass 24 bis 72 Stunden nach der Ersteinnahme von ASS eine weitere Applikation keine Unverträglichkeitsreaktion hervorruft. Auf der Grundlage dieser Erkenntnis können langsame Anpassungen durchgeführt werden, um den Körper an höhere Dosen zu gewöhnen.

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Vorbeugung

Die die Samter-Trias bereits von Geburt an besteht, gibt es keine Empfehlung zu ihrer Prophylaxe. Lediglich den asthmatischen Anfällen kann durch konsequentes Meiden des Kontaktes mit ASS und den NSAIDs vorgebeugt werden.

Bücher über Asthma bronchiale

Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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