Salivation (Speichelproduktion)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Februar 2017
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Die Speichelproduktion oder Salivation erfolgt in der Mundhöhle durch die zahlreichen kleinen Speicheldrüsen in der Mundschleimhaut und drei ebenfalls im Mundraum befindliche große Speicheldrüsen. Da der Speichel neben seinen physikalischen Funktionen auch wichtige biochemische Aufgaben hinsichtlich Verdauungseinleitung (Zucker), Infektionsabwehr und Linderung von Schmerzempfindungen wahrnimmt, ist die Speichelproduktion in der optimalen Menge und Zusammensetzung enorm wichtig. Gesteuert wird die Speichelproduktion vom vegetativen Nervensystem.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Salivation?

Die Speichelproduktion und Sekretion in den Mundraum geschieht in den ca. 600 bis 1.000 in der Mundschleimhaut verteilten „kleinen Speicheldrüsen“ (Glandulae salivariae minores), die zu den Gaumendrüsen gezählt werden, und den drei jeweils paarig angelegten „großen Speicheldrüsen“, der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis), der Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis) und der Unterzungendrüse (Glandula sublingualis).

Der Mundspeichel besteht zwar zu 95 % aus Wasser und nur zu 0,5 % aus gelösten Stoffen, jedoch werden die im Speichel gelösten Stoffe von den einzelnen Speicheldrüsen in unterschiedlicher Konzentration und Zusammensetzung beigesteuert, so dass es wichtig ist, dass alle Speicheldrüsen funktionstüchtig sind und zur optimalen Menge und Zusammensetzung des Speichels beitragen können.

Die kleinen Speicheldrüsen produzieren, besonders im Bereich des weichen Gaumens und des Zäpfchens, ein schleimiges Sekret, während die von der paarig angelegten Ohrspeicheldrüse sezernierte Flüssigkeit aus einer wässrigen Lösung besteht, in der Proteine und Enzyme (vor allem Amylase zum Abbau bestimmter Kohlenhydrate) und Immunglobuline zur Abwehr von Infektionen gelöst sind. Auch zahlreiche Elektrolyte und Mineralien wie Magnesium, Kalium, Calcium, Eisen und viele andere sind im Speichel nachweisbar.

Die ebenfalls paarig angelegten Unterkieferspeicheldrüsen produzieren (sezernieren) den Hauptteil des Mundspeichels. Es handelt sich um seromuköse Drüsen, die sowohl Enzyme und Proteine beisteuern wie auch schleimiges Sekret. Das Sekret der Unterzungendrüsen ist rein mukoserös, es besteht aus dickflüssigem Speichel.

Funktion & Aufgabe

Die Hauptaufgabe und Funktion der Speichelproduktion besteht darin, Speichel in der optimalen Menge und Zusammensetzung zum optimalen Zeitpunkt im Mundraum zur Verfügung zu stellen. Im Durchschnitt produzieren die Speicheldrüsen 0,5 bis etwa 1,5 Liter Speichel täglich. Selbst, wenn keinerlei Nahrungsaufnahme erfolgt, wird eine Grundmenge von etwa 0,5 Liter sezerniert.

Der Speichel selbst sorgt einerseits durch seinen Schleimanteil dafür, dass Vorgänge wie Schlucken, Sprechen, Schmecken und Riechen möglich werden, andererseits beugt der Speichel durch sein Gehalt an körpereigenen antibakteriellen und antimykotischen Enzymen und Hormonen Infektionen vor. Verdauungsenzyme wie Amylasen leiten bereits die Aufspaltung von Kohlenhydraten ein.

Der leicht basische Charakter des Speichels in Verbindung mit Spuren von Fluorid und Rhodanid vermindert das Kariesrisiko und trägt zum Erhalt des Zahnschmelzes bei. Im Speichel wurden auch Opiorphine, körpereigene opioide schmerzstillende Substanzen, nachgewiesen.

Die Speichelproduktion oder Salivation erfolgt in der Mundhöhle durch die zahlreichen kleinen Speicheldrüsen in der Mundschleimhaut und drei ebenfalls im Mundraum befindliche große Speicheldrüsen.

Teilweise nutzt der Körper die Speichelproduktion dazu, über das Lymphsystem Abfallstoffe oder unschädlich gemachte Substanzen aus dem Körper auszuschwemmen. Besondere emotionale Situationen wie Stress, Freude, Zorn und Angst lassen sich im Speichel über die Konzentration bestimmter Hormone nachweisen. So steigt zum Beispiel bei Stresssituationen der Cortisolgehalt im Speichel stark an.

Auch Steroidhormone – so auch Sexualhormone – lassen sich im Speichel nachweisen. So können z. B. Küsse bei sexueller Erregung stimulierend auf die Partnerin oder den Partner wirken, da geringe Mengen an Sexualhormonen gegenseitig übertragen werden. Es kommt zu einem sich selbst verstärkenden Regelkreis, wenn der Vorgang nicht bewusst von einem der beiden Partner abgebrochen wird.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Hauptbeschwerden im Zusammenhang mit der Speichelproduktion können in einer Über- oder Unterproduktion von Speichel liegen. Das kann prinzipiell an Fehlfunktionen oder Erkrankungen der Drüsen selbst liegen oder durch zu schwache oder zu starke Signale des vegetativen Nervensystems verursacht werden. Eine Überproduktion des Speichels (Hypersalivation) kann viele Ursachen haben. Häufig tritt die krankhaft vermehrte Speichelproduktion in Verbindung mit neurologischen Krankheiten wie Morbus Parkinson und der amyotrophe Lateralsklerose (ALS) auf. Auch Erkrankungen wie Schizophrenie und manische Depressionen werden in der Regel von Störungen der Speichelproduktion begleitet. Für eine Vielzahl von Medikamenten wird vermehrter Speichelfluss als Nebenwirkung aufgeführt. Eine ähnliche Wirkung können toxische Stoffe hervorrufen, die mit parasympathischen Störungen in Zusammenhang gebracht werden.

Eine zu geringe Speichelproduktion (Hyposialie) kann durch Flüssigkeitsmangel, durch spezielle Erkrankungen wie z. B. durch das Sjögrensyndrom, durch Medikamente oder durch Bestrahlung im Kopfbereich ausgelöst werden. Eine Hyposialie macht sich durch unangenehme Mundtrockenheit (Xerostomie) bemerkbar.

Die gestörte Speichelproduktion kann auch die Folge einer direkten bakteriellen oder virösen Erkrankung der Speicheldrüsen wie Mumps sein oder die Folge von Entzündungen der Drüsen. Ebenso können sich Grunderkrankungen wie die erworbene Immunschwäche (zB AIDS), erhöhter Blutzuckerspiegel und Hormonstörungen auswirken.

In seltenen Fällen kann der Abfluss des Speichels aus den Drüsen aufgrund von Speichelsteinen behindert sein. Speichelsteine bilden sich meist aus Kalziumapatit. Auch Eiweiß- und Vitaminmangel, Alkohol- und Nikotinabusus haben Einfluss auf eine gestörte Speichelproduktion.

Besonders in den Ohrspeicheldrüsen können sich Tumore ausbilden, die allerdings in etwa Dreiviertel der Fälle benign, also gutartig, sind. Typischerweise wachsen die Tumore nur langsam und verursachen anfänglich nur geringe Beschwerden. Die selteneren Tumore, an einer der beiden Unterkieferspeicheldrüsen oder an einer oder mehreren der kleinen Speicheldrüsen, sind häufig bösartig und machen sich meist durch Schmerzen, Gesichtsnervenlähmungen und durch sicht- und tastbare Knoten im Mund- und Halsbereich bemerkbar.

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