SIRS (Systemisch inflammatorisches Response Syndrom)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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SIRS ist eine Abkürzung für das Systemisch inflammatorische Response Syndrom. Im Rahmen von Infektionen spricht die Medizin bei dieser immunologischen Ganzkörperentzündung auch von einer Sepsis. Die Ausräumung des Entzündungsfokus ist ein wichtiger Behandlungsschritt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist SIRS?

Entzündungsreaktionen sind Anzeichen für eine immunologische Aktivierung. Über immunologische Entzündungen will das Immunsystem Krankheitserreger oder andere Schadstoffe aus dem Organismus entfernen. Fremdstoffe, Antigene oder abnorme Gewebszustände lösen einen Reiz aus, der die immunologische Abwehrreaktion initiiert. Die jeweilige Entzündungsreaktion kann in betroffenen Organen und den umliegenden Geweben stattfinden oder systematisch den gesamten Körper betreffen.

Letztlich kann jeder Reiz über einem physiologisch normalen Maß eine Entzündung aktivieren. Das gilt für physikalische Reize genauso wie für mechanische Reize. Neben den thermischen, strahlungsbedingten und chemischen Ursachen können Entzündungen auch Allergene oder Autoallergene und tatsächliche Krankheitserreger wie Viren zur Ursache haben. SIRS steht für systemisch inflammatorische Response Syndrom und damit eine Entzündungsreaktion des gesamten Körpers.

Statt einer lokalen Entzündung liegt beim systemisch inflammatorischen Response Syndrom also eine systemische Entzündung vor, die sich von einem direkt betroffenen Gewebe aus im Körper ausbreitet. Das Krankheitsbild ähnelt der Blutvergiftung. Anders als bei einer Sepsis sind beim SIRS allerdings keine Infektionen nachweisbar.

Ursachen

Letztlich ist die Sepsis eine infektiöse Sonderform des SIRS. Das systemisch inflammatorische Response Syndrom kann somit durch noch mehr Umständen ausgelöst werden als die Sepsis, gleicht ihr aber in den Grundeigenschaften. Die systemische Entzündungsreaktion ohne nachweisbare Infektion kann immunologische Ursache haben. Das Krankheitsbild kann aber auch durch chemische Zusammenhänge verursacht werden.

So zum Beispiel bei einer akuten Pankreatitis, die Gallensäure in die Bauchspeicheldrüsengänge zurück staut und so das Epithel der Pankreas schädigt oder für verschiedene Substanzen permeabel macht. Auch thermische Auslöser kommen als Ursache eines SIRS in Frage. Hierzu zählen beispielsweise Verbrennungen ab einer bestimmten Größe und Schwere. Unter den mechanischen Auslösern zählen große Operationen zu den wichtigsten Ursachen des SIRS.

Insbesondere Eingriffe mit einem extrakorporalen Kreislauf werden als Auslöser für die Entzündungsreaktionen beobachtet. Neben Herzoperationen können aber auch große Wundflächen das SIRS verursachen. Ebenso kommen schwere Traumata, Blutungen, Ischämien oder Anaphylaxien als Auslöser in Frage. Schwere Erkrankungen wie eine nekrotisierende Pankreatitis sind eine ebenso denkbare Ursache für die systemisch inflammatorische Response des gesamten Körpers.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Verschiedene Parameter weisen auf das SIRS hin. An einem Patienten liegen gleichzeitig meist allerdings nur rund zwei davon vor. Zu den Kriterien der Diagnosestellung zählt zum Beispiel eine Körpertemperatur unter 36 oder über 38 Grad Celsius. Dasselbe gilt für eine Herzfrequenz über 90 pro Minute. Tachypnoen mit Atemfrequenzen über 20 pro Minute und einem paCO2 unter 32 mmHg oder Oxygenierungsindices unter 200 sind ebenso denkbar.

Auch eine Leukozytenzahl von unter 4000/mm3 oder über 12000/mm3 kommt als Anzeichen für ein SIRS in Frage. Dasselbe gilt für einen weniger als zehnprozentigen Anteil unreifer Leukozyten. Im Labor stellen sich die Hypophosphatämie und die Thrombozytopenie als zusätzliche Marker für das SIRS heraus. Auch ein drastischer Abfall des Fibrinogens oder der Faktoren II, V und X kann Hinweise auf das Krankheitsbild liefern.

CRP und BSG sind in der Regel hoch positiv und das Procalcitonin befindet sich in permanentem Anstieg. Auch ansteigendes IL-6 und IL-8 ist ein Indiz, da es sich dabei um die hauptsächlichen Vermittler der Akute-Phase-Reaktion handelt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt stellt die Diagnose auf ein SIRS anhand der genannten Parameter. Mindestens zwei der obenstehenden Kriterien müssen für die Diagnostizierung erfüllt sein. Die Kombination von Fieber und abnormer Leukozytose ist die häufigste Kombination bei der Diagnostizierung des SIRS und verweist auf eine angemessene oder auch überschießende Immunreaktion.

Eine Körpertemperatur unter 36 Grad Celsius wird in Kombination mit einer Leukopenie auch ein kaltes SIRS genannt und spricht für eine Abwehrschwäche. Wenn zwei oder mehr der genannten Kriterien Wird das SIRS von einer nachweisbaren Infektion begleitet werden, ist nicht mehr vom systemisch inflammatorischen Response Syndrom, sondern von einer Sepsis die Rede. Der Verlauf hängt stark vom Krankheitsbild im Einzelfall ab. Eine möglichst frühe Behandlung verbessert die Prognose. Die Therapieeinleitung vor dem Nachweis von möglichen Erregern gilt als empfohlener Standard.

Komplikationen

Im Verlauf der Erkrankung kann SIRS eine Reihe von Beschwerden und Komplikationen verursachen. Die Ganzkörperentzündung ruft zunächst eine Überhitzung des Körpers hervor – es kommt zu Beschwerden wie Fieber und Hyperventilation. Steigt die Körpertemperatur auf über 41 Grad Celsius, kann es zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Beschwerden kommen. Bei fehlender Behandlung kommt es schließlich zum Kreislaufkollaps oder zu Herzversagen.

Auch Begleitsymptome wie Dehydration und Mangelerscheinungen können unbehandelt einen tödlichen Verlauf nehmen. Aufgrund der Abwehrschwäche besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Dadurch können im gesamten Körper Entzündungen auftreten, die im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung nach sich ziehen. Sind die inneren Organe oder die Haut betroffen, stellen sich weitere Komplikationen ein, zum Beispiel Niereninsuffizienz und Abszesse.

Die Behandlung ist ebenfalls mit Risiken verbunden. So kann es bei der Gabe von Antibiotika zu Magen-Darm-Beschwerden, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen und Hautirritationen kommen. Auch Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen sind nicht auszuschließen. Im Rahmen eines operativen Eingriffs kann es zu Infektionen, Blutungen und Verletzungen von Nerven kommen. Auch allergische Reaktionen auf die verwendeten Stoffe und Materialien können in manchen Fällen auftreten.

Therapie & Behandlung

Zur Therapie des SIRS muss zunächst eine Identifizierung des Entzündungsfokus erfolgen. Wenn der Fokus der inflammatorischen Reaktion detektiert wurde, erfolgt eine chirurgische Intervention, die der Sanierung des Fokus dient. Die Gabe von Antibiotika erfolgt initial und entspricht einer breiten Abdeckung nach Verdacht. Dieser Schritt lässt sich als kalkulierte Therapie bezeichnen. Ein Antibiogramm wird erstellt, um eventuelle Resistenzen aufzuklären.

Danach wird gegebenenfalls auf eine spezifizierte Antibiotikatherapie gewechselt. Die medikamentösen und chirurgischen Schritte werden durch eine Volumenzufuhr abgerundet, die einen ZVD über acht bis zwölf mmHg und einen arteriellen Mitteldrucks über 65 mmHg herstellt. Wenn die Volumengabe zur Werterreichung nicht genügt, wird so zeitig wie möglich eine Behandlung mit Vasopressoren oder positiv inotropen Substanzen wie Noradrenalin in Erwägung gezogen.

Die Therapie verfolgt eine zentralvenöse Sauerstoffsättigung von mehr als 70 Prozent, die im weiteren Therapieverlauf gehalten wird. Zusätzlich wird eine ideale Hb-Konzentration mit einem Hämatokrit über 24 bis 30 Prozent angestrebt. Dieser Wert lässt sich gegebenenfalls durch Erythrozytenkonzentratgabe erreichen. Die Beatmung mit einem tidalen Volumen von sechs Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht dient der Lungenprotektion, wobei das Open-Lung-Konzept mit einem PEEP über dem Inflektionspunkt verfolgt wird.

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Vorbeugung

Das SIRS ist eine relativ natürliche Reaktion. Schweren Verlaufsformen kann gegebenenfalls durch eine rasche Behandlung vorgebeugt werden. Vor allem die zeitige Ausräumung des Entzündungsfokus lässt sich als Vorbeugemaßnahme bezeichnen.

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Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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