SCS (Sinus-cavernosus-Syndrom)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » SCS (Sinus-cavernosus-Syndrom)

Das Sinus-cavernosus-Syndrom, auch als SCS bekannt, ist durch einen Ausfall der Hirnnerven III, IV und V1 sowie V2 gekennzeichnet. Der Ausfall macht sich meist in Blicklähmungen bemerkbar. Als Ursache kommen neben Raumforderungen, Thrombosen und Aneurysmen auch Traumata in Frage.

Inhaltsverzeichnis

Was ist SCS?

Die Organe des Menschen werden von arteriellen Blutleitern mit Blut versorgt. Venöse Blutleiter führen das zirkulierende Blut zum Herzen zurück. Der Sinus cavernosus ist ein venöser Blutleiter mit Versorgungsgebiet im Gehirn. Der Seine Zuflüsse stammen aus dem Sinus sphenoparietalis und der Vena ophthalmica superior sowie der Vena ophthalmica inferior. Er fließt über den Sinus petrosus inferior ab und mündet damit in den Bulbus superior venae jugularis.

In der seitlichen Wand der Vene verlaufen die Hirnnerven III, IV und V1 sowie V2. Der sechste Hirnnerv verläuft nicht in der seitlichen Wand der Vene, sondern zieht sich durch den venösen Blutleiter hindurch. Das Sinus-cevernosus-Syndrom ist ein neurologischer Symptomkomplex, der durch den Ausfall dieser fünf Hirnnerven gekennzeichnet ist. Die Folge sind multiple Lähmungserscheinungen. Eine Lähmung der Augenbewegung gilt als Hauptmerkmal der Erkrankung. Auch Sensibilitätsverluste der Hornhaut und der oberen Gesichtsbereiche oder Bewusstseinsstörungen sind charakteristisch für SCS.

Ursachen

Der ursprüngliche Auslöser des Sinus-cavernosus-Syndroms liegt in einer Druckschädigung der vorderen Schädelbasis. Diese Schädigung bedingt einen gleichzeitig Teil- oder Vollausfall des Nervus oculomotorius, des Nervus trochlearis und des Nervus abducens. Machmal ist auch der Nervus trigeminus mit betroffen. Die Druckschädigung entspricht meist einer Hirnnervenkompression, die verschiedene Gründe haben kann.

Neben einer septische oder aseptische Sinus-cavernosus-Thrombose können zum Beispiel Tumoren oder zystische Raumforderungen die Kompression bedingen. Auch zerebrale Aneurysmen der Arteria carotis interna kommen als Primärursache in Frage. Andere denkbare Auslöser sind Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel oder Hämorrhagien. Letztere können zum Beispiel in Folge von Traumata oder Apoplexien auftreten. Das Sinus-cavernosus-Syndrom ist außerdem ein charakteristisches Symptom des Tolosa-Hunt-Syndroms, dem eine entzündliche Schädigung zugrunde liegt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten des Sinus-cavernosus-Syndroms klagen häufig über starke Kopfschmerzen im Bereich des Sinus cavernosus. Das klinische Bild ist ferner von einer Oculomotoriusparese, einer Trochlearisparese und einer Abduzensparese geprägt. Das heißt, dass die Betroffenen in aller Regel an einer Blicklähmung leiden. Die Augen verrollen, können sich nicht mehr nach außen drehen oder weisen hohe Druckwerte auf.

Häufig liegen zusätzlich Sensibilitätsstörungen über der oberen Gesichtshälfte vor, die dem Ausfall der Trigeminiusäste V1 und V2 zu schulden sind. Die Ausprägung der Symptomatik variiert mit der zugrunde liegenden Ursache. Sowohl unilaterale, als auch bilaterale Fälle sind bekannt. Abhängig vom primären Auslöser des können sich außerdem Symptome wie ein pulsierender Exophthalmus einstellen.

Auch Fieber oder Bewusstseinsstörungen können ursachenabhängig auftreten. Teilweise leiden die Betroffenen zusätzlich an einer heteronymen Hemianopsie. Das gilt vor allem nach einer Druckschädigung des Chiasma opticum, die mit einem Hypophysentumor in ursächlichem Zusammenhang steht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Sinus-cavernosus-Syndroms wird über eine neurologische Befundung gestellt. Diese Befundung ankert in einer Funktionsprüfung der Hirnnerven und Trigeminusdruckpunkte. Schon die Sichtbefundung der Ausfälle kann wichtige Informationen liefern und eine Oculomotoriusparese, eine Trochlearisparese oder eine Abduzensparese vermuten lassen. In der Regel erhärtet eine Ophthalmoplegie oder ein Ausfall des Kornealreflexes den Verdacht auf das neurologische Syndrom.

Um die Ursache für den Symptomkomplex abzuklären, ist eine Blutabnahme zur Labordiagnostik erforderlich, die gegebenenfalls erhöhte Entzündungsparameter zum Vorschein bringt und so auf das Tolosa-Hunt-Syndrom verweist. Auch eine Lumbalpunktion zur Liquordiagnostik kann wertvolle Hinweise zur Sicherung der Diagnose und Ursachenabklärung liefern. Bildgebende Verfahren wie das CT, das MRT oder eine zerebrale Angiographie können ursächliche Raumforderungen ausschließen oder gegebenenfalls bestätigen.

Komplikationen

Die Betroffenen leiden beim Sinus-cavernosus-Syndrom an einer Reihe unterschiedlicher Beschwerden und Komplikationen. In erster Linie kommt es dabei allerdings zu sehr starken und vor allem sehr häufigen Kopfschmerzen. Diese Schmerzen breiten sich dabei auch in andere Regionen des Körpers aus. Vor allem in der Nacht kann es dadurch zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Gereiztheit des Betroffenen kommen.

Viele Patienten leiden auch an Sehstörungen und an einer Blicklähmung. Aufgrund dessen wird eventuell die Entwicklung des Betroffenen eingeschränkt und verlangsamt. Auch Störungen der Sensibilität treten krankheitsbedingt auf. Die Lähmungen werden häufig im Gesicht verspürt und können damit auch zu Schluckbeschwerden führen. Dadurch ist eine gewöhnliche Einnahme von Nahrung und Flüssigkeit für den Patienten in der Regel nicht mehr möglich.

Weiterhin leiden die Betroffenen häufig an Fieber und an starken Störungen des Bewusstseins. Auch die Entstehung von Tumoren wird von dem Sinus-cavernosus-Syndrom begünstigt. In der Regel werden beim Sinus-cavernosus-Syndrom nur die Symptome behandelt. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Eine vollständige Einschränkung der Beschwerden ist allerdings nicht möglich. Eventuell wird durch das Syndrom auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung des Sinus-cavernosus-Syndroms richtet sich nach der Ursache. Wenn eine Thrombose des venösen Blutleiters als Ursache identifiziert wurde, dann steht diese in den meisten Fällen mit einer hämatogenen Verschleppung von bakteriellen Erregern in den Sinus cavernosus in Zusammenhang. Das kann zum Beispiel durch Hautverletzungen an der Oberlippe passiert sein. Die so entstandene Thrombose des Sinus cavernosus wird durch die intravenöse Gabe von Antibiotika behandelt.

Wenn als Ursache dagegen das Tolosa-Hunt-Syndrom vorliegt, findet statt einer Antibiotikagabe eine intravenöse Behandlung mit hochdosierten Koritkosteroiden statt. Bei Fisteln, Tumoren oder Zysten und Aneurysmen reicht eine Medikamentengabe zur ursächlichen Behandlung des Symptomkomplexes nicht aus. Bei diesen Primärerkrankungen muss in aller Regel eine neurochirurgische Intervention zur Entfernung der Raumforderung stattfinden. Zerebrale Aneurysmen nehmen hierbei eine Sonderposition ein, da ihre Behandlung wegen der großen Risiken als umstritten gilt.

Die Gefahr für Blutungen während des Eingriffs ist relativ groß. Aneurysmen mit einer Größe von unter sieben Millimetern werden daher meist nicht behandelt. Nur wenn die Lokalisation und die Größe des Aneurysmas sowie der Allgemeinzustand und das Alter des Patienten es vergleichsweise risikoarm zulassen, findet in diesem Fall eine Intervention durch einen Neurochirurgen statt. Falls dem Sinus-cavernosus-Syndrom statt einem Aneurysma eine Blutung in Folge von Traumata zugrunde liegt, lässt sich diese Blutung unter Umständen medikamentös stillen oder zumindest verringern.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Dem Sinus-cavernosus-Syndrom lässt sich kaum vorbeugen, da der Symptomkomplex im Rahmen zahlreicher und grundverschiedener Phänomene auftreten kann. Gerade auslösende Traumata im Rahmen von Unfällen sind durch Vorbeugemaßnahmen kaum zu vermeiden, ohne an Lebensqualität zu verlieren.

Bücher über Augenentzündung & Augenkrankheiten

Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: