Rubella-Virus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Das Rubella-Virus befällt ausschließlich den Menschen und löst bei ihm die Röteln aus. Diese Kinderkrankheit ist stark ansteckend, führt mit ihrem Auftreten aber zu einer lebenslangen Immunität. Das Rubella-Virus (auch Röteln-Virus) verursacht charakteristische rote Hautflecken (Exantheme) im Gesicht und am Oberkörper sowie gegebenenfalls Fieber und Schwellungen der Lymphknoten. Der Erreger ist weltweit verbreitet. In Ländern mit einer hohen Impfrate von mehr als 90 Prozent aller Kinder (wie beispielsweise in Deutschland) tritt die Krankheit jedoch kaum noch auf. Gefährlich ist das Rubella-Virus allerdings bei einer Infektion in der Schwangerschaft. Hier kann eine Rötelnembryofetopathie zu schweren Fehlbildungen des Kindes sowie Fehlgeburten führen. Weltweit wird die jährliche Zahl der Kinder, die mit einer Rötelnembryofetopathie zur Welt kommen, auf rund 100.000 geschätzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Rubella-Virus?

Rötelnviren gehören zur Gattung Rubivirus. Sie sind dort der einzige Vertreter. Ihre Familie sind die Togaviridae (Togaviren), deren Genom typischerweise eine Einzelstrang-RNA positiver Polarität darstellt. Das Genom wird von einem zwanzigflächigen (ikosaedrischen) Kapsid umhüllt. Die drei strukturellen Proteine des Rubella-Virus werden von dem Kapsidprotein sowie den beiden Hüllproteinen (E1 und E2) gebildet. Die Viruspartikel der Togaviren weisen eine kugelförmige Gestalt auf. Sie werden von außen durch eine Lipidmembran, der Virushülle, geschützt. Die Struktur der Viren-Oberfläche ist uniform. Deshalb gibt es nur diesen einen Serotypen der Rubiviren.

Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektion weitergegeben. Wissenschaftler geben die Ansteckungskraft der Rubella-Viren mit mittelmäßig (50-prozentig) an. Die Viren greifen bevorzugt die Schleimhäute der oberen Atemwege an und dringen dort in den Körper ein.

Im lymphatischen Gewebe kommt es zur ersten großen Vermehrung. Die Viren werden im Anschluss daran in die Blutbahnen ausgeschüttet. Während der kritischen Phase einer Schwangerschaft kann das Virus nun über den Mutterkuchen zum ungeborenen Kind gelangen. Die Inkubationszeit dauert grundsätzlich zwei bis drei Kalenderwochen. Der Erkrankte gilt eine Woche vor und nach den ersten Hautrötungen als Ansteckungsherd.

Wenn die Inkubationszeit vorüber ist, entstehen gewöhnlich im Gesicht und oft auch hinter den Ohren gerötete Flecken (Effloreszenzen), die zunächst noch vereinzelt angesiedelt sind. Später weiten sie sich auf den Oberkörper und die Extremitäten aus. Zwei bis drei Tage darauf bilden sich diese Flecken wieder zurück. Parallel zu diesem Krankheitsverlauf stellt sich Fieber bis etwa 39 °C ein. Es kann darüber hinaus zu Beschwerden in den oberen Luftwegen, Bindehautentzündungen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schwellungen der Lymphknoten am Kopf kommen.

Die vom Rubella-Virus ausgelösten Auffälligkeiten lassen sich leicht mit andersartigen Erkrankungen verwechseln, die ebenso Fieber und Hautausschläge herbeiführen. Dazu gehören Drei-Tage-Fieber, Masern und Scharlach. Bei etwa 50 Prozent der Röteln treten die typischen Symptome nicht auf. Darüber hinaus ist der Nachweis der Rötelnviren nur in relativ aufwändigen Verfahren möglich, über deren Aussagekraft aus medizinischer Sicht noch größere Meinungsverschiedenheiten bestehen.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Wie alle Togaviren dockt Rubella über bestimmte spezifische Rezeptoren an der Zelloberfläche an. Es bildet sich ein sogenanntes Endosomvesikel, das die Virenkörper anzieht. Liegt der pH-Wert außerhalb der Zelle im neutralen Bereich, wird das E1-Protein von einem E2-Hüllprotein umgeben. Im Innenraum des Endosoms gelangen dann bei saurem pH-Wert die äußeren Abschnitte des E1-Proteins zur Freilegung. Alle notwendigen Vorbereitungen für die Fusion zwischen der Endosommembran und der Virushülle sind getroffen. Schließlich zerfällt das Kapsid und das Genom kann freigesetzt werden. Die komplizierte molekulare Vervielfältigung des Virus kann beginnen.

Bisher konnte die Wissenschaft noch nicht eindeutig herausfinden, nach welchem chemischen Prinzip eine Rötelnembryofetopathie während der Schwangerschaft funktioniert. Bestimmte Versuche legen die Vermutung nahe, dass das Rubella-Virus eine abtötende Wirkung auf spezielle Zelltypen haben könnte. Das macht eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft so besonders riskant. Während der ersten acht Wochen führt der Export des Rubella-Virus in den Bauchraum der Mutter sehr häufig zu Beeinträchtigungen des Embryos. In extremen Situationen kann es zu einer Fehlgeburt kommen. Auch gefährliche Frühgeburten treten immer wieder auf.

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Krankheiten & Beschwerden

In Folge einer Infektion des ungeborenen Kindes können sich verschiedenste Fehlbildungen realisieren. Hier kommen beispielsweise Herzfehler, Linsentrübungen der Augen und eine Schwerhörigkeit im Innenohr vor. Diese schwerwiegenden Folgen werden bei Infektionen im frühen Schwangerschaftsstadium (um die vierte Woche herum) verursacht. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft schwächen sich die möglichen Folgen eines Rubella-Befalls ab. In Frage kommen Konsequenzen wie ein verringertes Blutplättchenaufkommen, Leber- und Herzmuskelentzündungen, verminderter Kopfumfang und reduziertes Körpergewicht bei der Geburt.

Säuglinge mit angeborener Röteln-Infektion sollten in den ersten sechs Lebensmonaten so weitgehend wie möglich isoliert werden. Bei ihnen werden aus Gründen der Sicherheit regelmäßig spezielle Untersuchungen im Nasenrachensekret und auch im Urin durchgeführt.

Im Klinikbereich werden Patienten mit Röteln grundsätzlich isoliert. Dagegen ist ein Ausschluss an Röteln erkrankter Personen in Gemeinschaftseinrichtungen nicht zwingend erforderlich. Jedoch ist die Erkrankung allgemein meldepflichtig.

Schwangeren steht eine spezielle Impfung mit Immunglobulinen zur Verfügung, die jedoch im Zeitraum von drei Tagen nach einem mutmaßlichen Kontakt mit erkrankten oder infizierten Personen erfolgen sollte. Sicher vor einer Infektion schützen kann die Impfung aber nicht. Ein Antikörpertest auf das Rubella-Virus ermöglicht konkrete Maßnahmen, um spätere Schäden vom Baby abzuwenden.

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