Rot-Grün-Schwäche

Letzte Aktualisierung am 25. Februar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Bezeichnungen Rot-Grün-Schwäche, Rot-Grün-Sehschwäche oder Rot-Grün-Blindheit sind die Fachbegriffe für die häufigsten Farbfehlsichtigkeiten, die umgangssprachlich als Farbenblindheit bekannt sind. Die Rot-Grün-Blinden sind, entgegen der allgemeinen Auffassung, nicht zwangsläufig unfähig, diese beiden Farben zu erkennen, es kann auch eine Unterscheidungsschwäche vorliegen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rot-Grün-Schwäche?

Die Rot-Grün-Schwäche ist ein Netzhautdefekt, der circa acht bis neun Prozent der männlichen und nur circa ein Prozent der weiblichen Bevölkerung betrifft. Es liegt ein Defekt an einem, zwei oder allen der für die Farbvermittlung zuständigen Rezeptoren des Auges vor, der zu einer generellen Farbenblindheit oder der häufigsten Farbensehschwäche, der Rot-Grün-Blindheit, führt.

Die Rot-Grün-Sehschwäche, die nach ihrem Entdecker John Dalton auch Daltonismus genannt wird. Betroffene leiden also unter einer einigeschränkten Farbsichtigkeit. Sie sind nicht in der Lage, die Farben rot und grün zu unterscheiden, zudem kann es auch bei der Differenzierung verschiedener anderer Farbtöne zu Problemen kommen, wenn diesen grün oder rot zugesetzt wurden.

Die Krankheit kann in verschiedenen Ausprägungen auftreten und wird von Betroffenen in der Regel als nicht hinderlich erlebt. Insbesondere bei der Berufswahl stellt eine vorliegende Rot-Grün-Sehschwäche ein Hindernis dar, Betroffene dürfen einige Berufe wie Seemann, Polizist, Taxifahrer oder Pilot nicht ausüben.

Die Rot-Grün-Sehschwäche kann jedoch auch ein Vorteil für die Betroffenen sein, die sensibler auf Helligkeitsabstufungen reagieren, wodurch sie eine grundsätzlich bessere Nachtsichtigkeit aufweisen, und Khakitöne sowie Formen und Konturen besser unterscheiden können als Nicht-Farbenfehlsichtige. Das Militär arbeitet gerne mit Farbenblinden, um die Wirksamkeit von Tarnanzügen zu überprüfen.

Ursachen

Die Ursache der Rot-Grün-Blindheit ist eine genetisch bedingte Veränderung der Zapfen der Netzhaut. Durch Fehler bei der Übertragung von Erbinformationen auf die Chromosomen werden falsche Genkombinationen erzeugt, durch die es zu Störungen der Zapfenfunktion kommt.

Die genauen Abläufe, die zu einer Rot-Grün-Schwäche führen, sind sehr kompliziert und können in einschlägigen Medizinlexika nachgelesen werden. Wichtig zu wissen ist, dass eine Rot-Grün-Schwäche stets angeboren ist und sie rezessiv vererbt wird.

Wissenschaftler vermuten neben der Störung der Zapfenfunktion eine verringerte Anzahl an Zapfen auf der Netzhaut bei erhöhter Stäbchenzahl. Die Stäbchen der Netzhaut sind für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlich, was die gegenüber Normalsichtigen erhöhte Fähigkeit des Nachtsehens erklären würde. Bislang konnte diese These jedoch nicht bewiesen werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom beim Vorliegen einer Rot-Grün-Schwäche stellt die verminderte Fähigkeit zum entsprechenden Farbensehen dar. Betroffen ist hier die Fähigkeit, die Farben Rot und Grün zu unterscheiden. Allerdings sind hier zahlreiche Abstufungen vorhanden. So ist eine Rot-Grün-Schwäche nicht zwingend eine Farbenblindheit.

Vielmehr kann es auch zum schlechteren Unterscheiden von Rot und Grün kommen. Dies kann in Abhängigkeit des genauen Farbtons geschehen. So kann es sein, dass bestimmte Nuancen von Rot und Grün für den Betroffenen nicht zu unterscheiden sind, während andere Nuancen sich für ihn deutlich unterscheiden. Durch die Einschränkung beim Sehen von Rot und Grün ergibt sich für die Betroffenen, dass sie deutlich weniger verschiedene Farbtöne wahrnehmen.

Desto stärker sich die wahrgenommenen Wellenlinien in den entsprechenden Zapfen der Augen überlappen, desto schwieriger ist es auch für die Betroffenen, Rot und Grün zu unterscheiden. Die Farben werden von den meisten Betroffenen als Grau- oder Braunabstufungen bezeichnet. Es sind in jedem Falle beide Augen betroffen und die Krankheit besteht ein Leben lang.

Dadurch, dass die meisten Betroffenen das korrekte Farbensehen gar nicht erlebt haben, ergeben sich kaum Einschränkungen. Die sonstige Sehkraft ist nicht eingeschränkt. Auch können Betroffene einer Rot-Grün-Schwäche ihr eingeschränktes Farbensehen kompensieren. Dies gelingt über die Einordnung der wahrgenommenen Braun- oder Grautöne oder durch das schiere Wissen darum, welche Farbe ein Objekt haben sollte.

Diagnose & Verlauf

Der Selbsttest auf Rot-Grün-Sehschwäche ist seit der Einführung des Euro in der Europäischen Union problemlos möglich, wie Physiker an der Universidad de Extremadura in Cáceres herausfanden: Wer die 5- und 20-Centmünzen farblich nicht unterscheiden kann, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit rot-grün-blind.

Da Betroffene auch Farbtöne nicht unterscheiden können, in denen sich ein hoher roter oder grüner Anteil befindet, ist ihnen die objektive Unterscheidung dieser beiden Münzen nicht möglich.

Augenärzten stehen aber natürlich weitreichendere Diagnosemethoden zur Verfügung, um nicht nur die Rot-Grün-Schwäche, sondern auch deren Schweregrad zu diagnostizieren. Am häufigsten zum Einsatz kommen die Ishihara-Farbtafeln, der Farnsworth-Test und der Spektralfarbenmischapparat. Aufgabe am Spektralfarbenmischapparat ist die Einstellung eines gelben Kreises anhand von Farbmischungen, wobei Farbfehlsichtigkeiten schnell zu Tage treten.

Dieser komplexe Test ist der typische Berufseignungstest. Einfacher ist die Testung auf Fähigkeit zur Farbenunterscheidung mit den Ishihara-Farbtafeln, auf denen in bunten Farbklecksen Zahlen dargestellt sind, und mit Hilfe des Farnsworth-Testes, der dem Probanden die Aufgabe der Farbzuordnung stellt.

Komplikationen

Echte Komplikationen im medizinischen Sinne gibt es beim Vorliegen einer Rot-Grün-Schwäche nicht. Es handelt sich um einen Ist-Zustand im Auge, der keine organische Beeinträchtigung bedeutet und auch keine erhöhten Risiken für etwaige Krankheiten im Augenbereich bedeutet.

Komplikationen im weitesten Sinne ergeben sich für die Betroffenen nur, wenn ihre Farbsehschwäche sie konkret einschränkt. Dies kann etwa bei der Berufswahl der Fall sein, wo das korrekte Farbsehen beispielsweise als Pilot oder im Zuge labortechnischer Untersuchungen notwendig ist. Ob dies die Betroffenen nennenswert beeinträchtigt, ist eine individuelle Frage.

Die meisten Betroffenen können sich allerdings sehr gut mit ihrer Rot-Grün-Schwäche arrangieren - schon deshalb, weil sie es nicht anders kennen. Beim nächtlichen Autofahren kann eine Rot-Grün-Schwäche allerdings ein erhöhtes Unfallrisiko bedeuten. Schließlich sind auf rot stehende Ampeln bei schlechtem Licht für Menschen mit einer Rot-Grün-Sehschwäche sehr schwierig wahrzunehmen.

Weiterhin ergeben sich gelegentlich ganz konkrete Probleme im Alltag. Beispielsweise werden die Farben rot und grün häufig zur Unterscheidung oder Markierung von Elementen verwendet (Text, Bild, Spielzeug etc.), Ausschilderungen und zahlreiche Gegenstände des alltäglichen Bedarfs ebenso.

Behandlung & Therapie

Da Betroffene der Rot-Grün-Sehschwäche ihr Leben sehr gut meistern können und sich nur selten in der Ausübung ihres Alltags eingeschränkt erleben, ist in der Regel keine Therapie nötig. Es wurden daher bislang keine beim Menschen anwendbaren Behandlungsmöglichkeiten entwickelt.

Ein weiterer Grund der fehlenden Therapiemöglichkeiten ist das Interesse der Wissenschaft an Farbenblinden, da mit ihnen Theorien zur Entwicklung der menschlichen Sehkraft überprüft werden können.

Im Jahre 2009 gelang es britischen Forschern, bei rotgrüneblinden Totenkopfaffen mit Hilfe einer Gentherapie die Fähigkeit zur Erkennung des gesamten Farbspektrums hervorzurufen. Das Forscherteam verspricht sich von diesen Ergebnissen Therapieansätze zur Heilung von Farbsehschwächen und womöglich sogar Blindheit.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung von Rot-Grün-Schwäche ist zur Zeit nicht bekannt, da es sich um eine angeborene Störung handelt. Andererseits gilt die Rot-Grün-Schwäche auch nicht als Krankheit oder Beschwerdebild, die ein normales und gesundes Leben stark behindern können. Aus dieser Sichtweise heraus, ist eine Vorbeugung von Rot-Grün-Schwäche nicht nötig.

Bücher über Sehstörungen

Quellen

  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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