Roemheld-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Das Roemheld-Syndrom ist eine Bezeichnung für Herzbeschwerden, die durch Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt entsteht. Es kommt zu Symptomen wie Herzklopfen oder Kurzatmigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Roemheld-Syndrom?

Das Roemheld-Syndrom wurde erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts vom Internisten Ludwig von Roemheld aus Gundelsheim beschrieben. Beim Roemheld-Syndrom treten Magen-Darm-Beschwerden auf. Diese werden durch Gasansammlungen im Darm und im Magen hervorgerufen. In schweren Fällen kann das Roemheld-Syndrom mit der Angina pectoris oder mit einem Herzinfarkt verwechselt werden.

Ursachen

Das Roemheld-Syndrom entsteht durch Gase im Gastrointestinaltrakt, die das Zwerchfell nach oben drücken. Dadurch kommt es zu einer Verkleinerung des Brustraumes. Die Organe des Brustraumes haben weniger Platz und werden verdrängt beziehungsweise eingeengt. Für die gesteigerte Gasbildung gibt es wiederum mehrere Ursachen. Üppige Mahlzeiten können insbesondere in Kombination mit einer Verdauungsschwäche zu Gasbildung führen.

Auch funktionelle Störungen des Magen-Darm-Trakts können Ursache eines Roemheld-Syndroms sein. Funktionelle Magen-Darm-Beschwerden sind Krankheitszeichen oder Symptome, die ohne erkennbare organische Ursache auftreten. Ebenso kann es aber auch durch eine Entzündung im Magen-Darm-Bereich zu einer vermehrten Gasbildung kommen. Häufiger Grund für Gase im Magen-Darm-Trakt sind zudem Nahrungsmittelintoleranzen. Am häufigsten finden sich Intoleranzen gegen Laktose oder Fruktose. Ursache dieser Unverträglichkeiten ist meist ein Enzymmangel.

Auch bei einer Störung der Gallenblasenfunktion kann es zum Roemheld-Syndrom kommen. Wenn die Gallensäfte nicht richtig fließen, kann aufgenommenes Nahrungsfett im Darm nicht verdaut werden. Die Folge sind Fäulnis- und Gärungsprozesse. Ein eher seltener Grund für das Roemheld-Syndrom ist die sogenannte Hiatushernie. Diese wird auch als Zwerchfellhernie bezeichnet, da ein Teil des Magens durch das Zwerchfell in den Brustraum eintritt. Das Roemheld-Syndrom kann zudem nach Einnahme von Säureblockern mit Natriumbicarbonat auftreten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Durch die Luftansammlung in Magen und Darm wird das Zwerchfell nach oben gedrückt. Dort übt es direkten oder indirekten Druck auf das Herz aus. Die Folge sind verschiedene Herzbeschwerden. Es kommt zu Herzklopfen, eventuell sogar zu Extrasystolen. In einigen Fällen tritt auch eine Sinusbradykardie auf. Eine Sinusbradykardie ist eine Herzfrequenz von weniger als 60 Schlägen pro Minute.

Sie geht vom Sinusknoten, einem Schrittmacher im Herzen, aus. Die Symptome des Roemheld-Syndroms ähneln der Angina pectoris und sogar auch dem Herzinfarkt. Die Betroffenen leiden unter anfallsartigen Schmerzen in der Brust. Diese können Sekunden, Minuten und selten auch Stunden dauern. Die Patienten beschreiben diese Schmerzen oft als ein Brennen. Nicht selten werden die Symptome mit dem Sodbrennen verwechselt.

Die Schmerzen können in die Brustkorbseiten, in die Schultern, die Oberarme, den Oberbauch, den Hals und den Unterkiefer ausstrahlen. Zusätzlich treten beim Roemheld-Syndrom Hitzewallungen und Schwindel auf. In schweren Fällen werden die betroffenen Patienten sogar ohnmächtig.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der Diagnose des Roemheld-Syndroms gilt es in erster Linie, organische Herzerkrankungen als Ursache für die Beschwerden auszuschließen. Dafür wird zunächst ein EKG angefertigt. Das EKG zeichnet die elektrischen Aktivitäten der Herzmuskelfasern auf. Auch ein Langzeit-EKG wird in der Regel durchgeführt. Dabei wird die Herzstromkurve über einen Zeitraum von 24 Stunden aufgezeichnet.

Bringt das EKG noch keinen Aufschluss, erfolgen weitere Untersuchungen des Herzens. Mittels kardialer Computertomographie können die Herzkranzgefäße hochauflösend dargestellt werden. Eventuelle Verengungen oder Thrombosierungen können so festgestellt werden. Eine bessere Beurteilung des Gefäßzustandes erlauben allerdings die Echokardiografie und die Linksherzkatheteruntersuchung. Eventuell wird bei den betroffenen Patienten zudem eine Kardio-MRT durchgeführt.

Komplikationen

Aufgrund des Roemheld-Syndroms leiden die Betroffenen an Beschwerden im Bereich des Magens, des Darms und auch des Herzens. Im schlimmsten falle kann das Roemheld-Syndrom auch zum Tode des Betroffenen führen, falls keine Behandlung eingeleitet wird. Die Betroffenen leiden dabei an einem starken Druck im Bauch, sodass auch das Herz einem Druck ausgelastet wird.

Dadurch kann die Herzfrequenz deutlich absinken, sodass es zu Schwindelgefühlen oder auch zu einem Ohnmachtsanfall kommen kann. Die Betroffenen sind dabei in vielen Fällen auf einen Herzschrittmacher angewiesen, um weiterhin überleben zu können. Es treten starke Schmerzen in der Brust auf und die Patienten leiden an einem brennenden Gefühl im Hals oder im Bereich des Herzens.

Auch die Arme oder die Schultern können dabei von den Schmerzen betroffen sein, da sich diese ausbreiten. Die Lebensqualität des Betroffenen wird dabei deutlich eingeschränkt. Die Behandlung des Roemheld-Syndroms richtet sich in der Regel immer nach der Grundursache. Dabei kann diese mit Hilfe von Antibiotika stattfinden und Entzündungen bekämpfen. Komplikationen treten dabei nicht auf. Auch das Trinken von Tees kann die Blähungen im Bauch deutlich reduzieren. Bei einer erfolgreichen Behandlung wird die Lebenserwartung des Patienten nicht beeinflusst.

Therapie & Behandlung

Die Therapie ist abhängig von der Ursache. Bei Laktoseintoleranz sollten Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Käse oder Quark gemieden werden. Je nach Schweregrad der Intoleranz müssen die Patienten eine laktosearme oder eine laktosefreie Diät einhalten. Das fehlende Enzym Lactase kann zudem als Tablette zugeführt werden. Damit vertragen die Patienten einige laktosehaltige Lebensmittel wieder.

Die Behandlung der Fruktoseintoleranz besteht aus einer sorbitfreien und einer fruktosearmen Ernährung. Liegt dem Roemheld-Syndrom eine Gastroenteritis zugrunde, so muss diese je nach Erreger eventuell mit Antibiotika behandelt werden. Ausgeprägte Zwerchfellhernien müssen operativ beseitigt werden. Zusätzlich zur Behandlung der Grundursache können beim Roemheld-Syndrom Antikarminativa zum Einsatz kommen.

Antikarminativa sind Mittel gegen Blähungen. Karminativ wirken insbesondere pflanzliche Arzneidrogen mit ätherischen Ölen. Zu den karminativen Pflanzen gehören Anis, Fenchel, Kümmel, Pfefferminze, Kamille und Koriander. Diese Öle wirken entkrampfend auf die glatte Darmmuskulatur und haben einen antimikrobiellen Effekt. Die Durchblutung der Darmschleimhaut wird zudem gesteigert. Diese Wirkungen führen zu einer verringerten Bildung von Gärungsgasen.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung des Roemheld-Syndroms sollten blähende Lebensmittel und Getränke vermieden werden. Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, Nüsse und einige Fruchtsorten wirken genauso blähungstreibend wie Stärke, Tiefkühlkost und künstliche Süßstoffe. Auch Kohlensäure in Getränken kann zu Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt führen. Gemüse sollte nur in Ausnahmen roh verzehrt werden.

Es empfiehlt sich, das Gemüse vor dem Verzehr kurz zu dünsten. So können die Enzyme im Verdauungstrakt das Gemüse besser aufspalten. Es kommt zu weniger Gärungs- und Fäulnisprozessen. Neuere Studien zeigen, dass die regelmäßige Einnahme von Probiotika Gasbildung im Darm Magen-Darm-Trakt vorbeugen kann. Insbesondere die Bakterienart Lactobacillus scheint hier eine Rolle zu spielen.

Empfehlenswert ist auch eine Kur mit Apfelessig. Dafür einfach dreimal täglich einen Teelöffel Apfelessig mit einem halben Glas Wasser auf nüchternen Magen trinken. Die Kur sollte über drei Wochen durchgeführt werden. Um dem Roemheld-Syndrom vorzubeugen, sollten zudem üppige Mahlzeiten vermieden werden. Besser als wenige große Mahlzeiten sind fünf bis sechs kleine Portionen, die über den Tag verteilt gegessen werden.

Bücher über das Roemheld-Syndrom & Herzschmerzen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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