Rituximab

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Rituximab ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Zytostatika. Es handelt sich dabei um einen monoklonalen Antikörper, der überwiegend in der Behandlung von malignen Lymphomen eingesetzt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Rituximab?

Rituximab wurde in den 1990er Jahren von Lee Nadler am Dana-Farber Cancer Institute entwickelt. Es war der erste Antikörper, der zur Behandlung von Krebserkrankungen weltweit zugelassen wurde. In der EU wird Rituximab von Roche unter dem Handelsnamen MabThera® vertrieben.

Der biotechnologisch hergestellte Arzneistoff wird in der EU überwiegend zur Krebsimmuntherapie genutzt. Er ist aber auch zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen zugelassen. Nebenwirkungen treten bei der Einnahme von Rituximab recht häufig auf. So kommt es bei mehr als der Hälfte der Krebspatienten zu Fieber, Hautausschlägen oder Atembeschwerden. Von Patienten mit rheumatoider Arthritis wird die Substanz besser vertragen. Schwere Nebenwirkungen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse treten eher selten auf.

Pharmakologische Wirkung

Rituximab ist ein monoklonaler Antikörper. Das IgG-kappa-Immunglobulin richtet sich gegen das Oberflächenantigen CD20. Dieses Oberflächenantigen findet sich zum Großteil auf der Oberfläche von B-Lymphozyten. CD20 ist bei nahezu allen B-Zell-Neoplasien zu finden. Eine Anwendung von Rituximab bei Krebserkrankungen ist nur dann sinnvoll, wenn die Krebszellen über das Oberflächemolekül CD20 verfügen. Bei diesen Zellen bindet sich Rituximab an CD20. Dadurch entsteht ein Komplex, der die körpereigene Immunantwort mobilisiert.

Über drei verschiedene Wirkmechanismen wird eine Vernichtung der exprimierenden Zellen eingeleitet. Zum einen wird bei den betroffenen Zellen der programmierte Zelltod (Apoptose) eingeleitet. Dabei lösen sich zunächst die Zellen aus dem Gewebeverband. Sie verfärben sich zunehmend eosinophil und werden kleiner. An der Zellmembran bilden sich Bläschen. Der Zellkern wird ebenfalls zunehmend dichter und kleiner. Am Ende der Apoptose bleibt ein kleines Apoptosekörperchen übrig, welches durch Phagozytose entfernt wird. Beim programmierten Zelltod kommt es zu keinen Entzündungsreaktionen.

Neben der Apoptose entwickelt sich auch eine komplementabhängige B-Zell-Lyse. Dabei reagieren die verschiedenen Faktoren des Komplements. Das Komplementsystem ist ein kaskadenartiges System von Plasmaproteinen. Diese lösen am Ende der Kaskade eine Antikörperantwort aus, bei der die betroffenen Zellen attackiert werden. Es folgt eine Entzündungsreaktion mit schlussendlicher Zerstörung der Zellen.

Der dritte Wirkmechanismus beruht auf der antikörperabhängigen zellulären Zytotoxizität. Rituximab lockt Makrophagen, Granulozyten und natürliche T-Killerzellen an, die die betroffenen Zellen eliminieren.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Rituximab wird hauptsächlich zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt. Der Arzneistoff gehört zur Standardtherapie von niedrig malignen und follikulären Non-Hodgkin-Lymphomen. Als Non-Hodgkin-Lymphome werden alle bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems bezeichnet, die kein Morbus Hodgkin sind. Die Lymphome äußern sich durch nicht schmerzhafte Lymphknotenvergrößerungen, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß oder eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Rituximab wird in diesen Fällen meist zusammen mit einer konventionellen Chemotherapie kombiniert. Häufig kommt dabei das CHOP-Schema zum Einsatz. Es umfasst die Arzneimittel Cyclophosphamid, Daunorubicin, Vincristin und Prednisolon. Studien zeigen, dass die Kombination des CHOP-Protokolls mit Rituximab die Prognose günstig beeinflusst.

Rituximab ist auch einer der wichtigsten Arzneistoffe zur Behandlung von transplantationsassoziierten Lymphomen. Es handelt sich dabei um lymphomartige bösartige Erkrankungen, die nach Organ- oder Stammzelltransplantationen auftreten.

Rituximab wird in Kombination mit dem Arzneistoff Bendamustin auch zur Behandlung der fortgeschrittenen chronischen lymphatischen Leukämie eingesetzt. Neuere Studien weisen allerdings darauf hin, dass sich die Therapieergebnisse bei der Kombination von Rituximab mit Cyclophosphamid und Fludarabin verbessern.

Wenn die Standardmedikamente und der initiale TNF-α-Hemmer versagen, wird Rituximab auch zur Therapie der rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische Entzündung der Gelenke, die früher auch als chronische Polyarthritis bezeichnet wurde. Meist sind die Fingergelenke betroffen. Bei vielen Patienten kann mit zwei Infusionen innerhalb von zwei Wochen eine gute Verbesserung der Beschwerden über einen Zeitraum von einem Jahr erreicht werden. Es wird ein Therapieintervall von sechs Monaten empfohlen. Weitere Infusionen können den Behandlungserfolg erhalten oder verbessern.

Eine weitere Indikation für den Einsatz von Rituximab ist die membranöse Glomerulonephritis. Die chronisch entzündliche Erkrankung der Nierenkörperchen beruht auf einer Antikörperbildung gegen die Proteine von Nierenzellen.

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Risiken & Nebenwirkungen

In der Onkologie entwickeln mehr als 50 Prozent der Patienten unerwünschte Wirkungen. Dazu gehören Fieber, Atembeschwerden, Hautausschläge und Schüttelfrost. Die starken Beschwerden werden vermutlich durch den massenhaften Zerfall von zerstörten Krebszellen hervorgerufen. Bei diesem Zerfall werden viele Zytokine freigesetzt. Zytokine sind Proteine, die eine wichtige Rolle bei immunologischen Reaktionen und bei entzündlichen Prozessen spielen. Die Symptome, die bei dem Zerfall entstehen, werden deshalb auch unter dem Begriff Cytokine release-Syndrom zusammengefasst. Das Syndrom tritt vor allem bei Patienten mit einer großen Tumormasse auf. Im Verlauf der Behandlung bessern sich diese Nebenwirkungen meist.

Bei einzelnen Krebspatienten kann sich im Laufe der Behandlung eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) entwickeln. Dabei wird das Gehirn aufgrund einer Immunschwäche von dem JC-Virus befallen. Die opportunistische Virusinfektion verläuft immer tödlich. Die Mehrzahl der PML-Fälle tritt bei Patienten mit Lymphknotenkrebs und bei der gleichzeitigen Behandlung mit immunsuppressiven Zytostatika auf. Auch bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen sind PML-Fälle bekannt.

Schwere Nebenwirkungen wie das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse treten bei weniger als 0,01 Prozent der behandelten Patienten auf.

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