Ritalinabhängigkeit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 1. Juli 2017
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Im Medikament Ritalin ist der Wirkstoff Methylphenidat enthalten. Methylphenidat kann eine Sucht und Abhängigkeit erzeugen. Eine Ritalinabhängigkeit sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ritalinabhängigkeit?

Chemisch ist der Wirkstoff Methylphenidat eng mit dem Kokain verwandt. Ritalin hat eine anregende Wirkung. Deshalb wird es gerne missbräuchlich konsumiert. Der Wirkstoff steigert die Aufmerksamkeit und vertreibt Müdigkeitserscheinungen. Es setzt eine euphorisierende Wirkung ein, die es erlaubt, nächtelang feiern oder lernen zu können.

Unter Drogenabhängigen wird Methylphenidat als Ersatz Speed verkauft. Ritalin wird in Tablettenform eingenommen, durch die Nase als Pulver geschnieft und in Wasser gelöst gespritzt. Durch eine dauerhafte Einnahme verändert sich der Hirnstoffwechsel. Ritalin verstärkt die Dopamin Wirkung, da es ein Eiweiß in der Nervenzellenmembran blockiert.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine Toleranz gegen den Wirkstoff und es wird immer mehr der Substanz benötigt, um den gezielten Effekt zu erzielen. Nach dessen Absetzen führt dies zu einer Verstärkung der Symptomatik. Daher kann die Einnahme von Ritalin zu einer starken psychischen Abhängigkeit führen.

Ursachen

Eine Ritalinabhängigkeit beginnt häufig mit dem Einsetzen dieses Medikaments zur ADHS Behandlung. Es ist seit 1956 auf dem Markt. Bereits kurz nach der Markteinführung gab es Hinweise, dass Ritalin ein hohes Abhängigkeitspotential besitzt und süchtig machen kann. Die genauen Wirkungsmechanismen der Substanz sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Innerhalb der letzten fünf Jahre ist der Absatz von Ritalin um das 40igfache gestiegen. Die WHO stuft Ritalin als abhängig machendes Medikament ein. Von Wissenschaftlern wird es als legales Kokain bezeichnet, da es von den Ärzten gerne verschrieben wird. Immer häufiger wird die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätssyndrom gestellt.

ADHS wird nicht mehr nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen diagnostiziert. Diese Störung äußert sich durch Hyperaktivität, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und verstärkter Impulsivität. Es wird vermutet, dass diese Störungen mit dem Botenstoff Dopamin zusammenhängen. Dieser ist bei den betroffenen Personen verändert. Dopamin ist im Gehirn für die Denkvorgänge und Bewegungsabläufe wichtig.

Ritalin verbessert die Symptomatik bei ADHS Patienten deutlich. Untersuchungen an der Universität Stony Brook in New York zeigen, dass es bei einer Langzeiteinnahme zu Veränderungen im Nervensystem kommt. Die Dopamin Verfügbarkeit hatte in einigen Hirnarealen des Belohnungszentrums eine Zunahme von 24 Prozent erreicht. Wird Ritalin wieder weggelassen, werden die Symptome verstärkt. Dies führt wiederum zu einer Bedarfssteigerung des Wirkstoffes, der in Ritalin enthalten ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ritalin kann eine Vielzahl von Nebenwirkungen haben. Diese treten bei Abhängigkeit verstärkt auf, insbesondere wenn die Substanz abgesetzt wird. Als langfristige Nebenwirkungen sind Nervosität und Reizbarkeit bekannt. Durch die Überstimulierung bestimmter Nervenzellen im Gehirn erschöpft sich der Vorrat an Dopamin.

Mangelnde Impulskontrolle, Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen treten nach dem Absetzen von Ritalin stärker auf als vor Einnahme des Medikaments. Epileptische Anfälle können ausgelöst werden. Ritalin vermindert den Appetit. Dies führt zu Gewichtsverlust und Vitamindefiziten. Der Wirkstoff verringert die Gehirndurchblutung um bis zu 30 Prozent. Dadurch werden Blutzellen im Gehirn geschädigt.

Gehirnzellen können absterben. Dies kann dazu führen, dass sich das Gehirn verkleinert. Im Gehirn können sogenannte leere Stellen entstehen, die das Erinnerungsvermögen schädigen. Ritalin darf nicht von Menschen eingenommen werden, die unter Depressionen leiden. Bei diesen kann es zu Selbstmordgedanken und Suiziden führen.

Ebenso ist es nicht geeignet für Personen mit Herzrhythmusstörungen und Magersüchtige. Nehmen diese Personengruppen Ritalin missbräuchlich ein, sind die Symptome nach Absetzen des Mittels besonders gravierend.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Unter den Drogenabhängigen nimmt Ritalin den Platz eines billigen Kokains und Speeds ein. Es hat sich nach Haschisch zu einer der beliebtesten und leicht zugänglichen Droge entwickelt. Wird die Zufuhr des Wirkstoffes reduziert oder abrupt nach längerem Gebrauch abgesetzt, stellen sich die charakteristischen Entzugssymptome ein. Diese zeigen sich in einer depressiven Verstimmung, Erschöpfungszuständen und Schlafstörungen. Hinzu kommt ein starkes Verlangen, Ritalin wieder einzunehmen.

Behandlung & Therapie

Muss das Ritalin abgesetzt werden, kann dies nur unter sorgfältiger ärztlicher Beobachtung geschehen. Nach Absetzen der Substanz treten häufig starke Depressionen auf. Ebenso zeigen sich Effekte einer chronischen Überaktivität. Ein längerer Missbrauch von Ritalin, der zu einer psychischen Abhängigkeit geführt hat, kann während der Einnahme bereits zu Psychosen führen.

Das Risiko von Psychosen bleibt auch nach Absetzen der Substanz. Ein Ausschleichen des Medikaments bei gleichzeitiger psychotherapeutischer Behandlung ist möglich. Anschließend dürfen diese Personen Ritalin nicht mehr einnehmen. Methylphenidat bleibt eine genauso gefährliche Substanz wie Kokain und Heroin. Die Nebenwirkungen erreichen bei Abhängigen dieselben Ausmaße wie bei Crack.

In Amerika wird Ritalin als besonders gefährlich eingestuft. In der amerikanischen Armee wird Rekruten, die Ritalin einnehmen, die Aufnahme in den Militärdienst untersagt. Ebenso werden dort Personen als dienstuntauglich erklärt, die als Kind Ritalin aufgrund einer ADHS Symptomatik eingenommen haben.

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Vorbeugung

Da die Wirkung des Mittels Ritalin mit der Zeit nachlassen kann, sollte es nur kurzfristig und sehr vorsichtig eingesetzt werden. Bei einer kurzzeitigen Einnahme baut sich kein kontinuierlicher Wirkungsspiegel auf. Dann ist auch keine Absetzungssymptomatik zu erwarten.

Regelmäßig muss unter der Einnahme von Ritalin ein Differentialblutbild durchgeführt werden. Ebenso sollte in periodischen Abständen die Thrombozytenzahl bestimmt werden. Ritalin darf nicht allein aufgrund einzelner auffälliger Verhaltensmerkmale verschrieben werden.

Bei labilen Patienten und Personen mit einer Vorgeschichte mit Drogenabhängigkeit und Alkoholproblemen ist besondere Vorsicht angezeigt. Diese Personengruppen neigen dazu, die Ritalindosis eigenmächtig zu erhöhen.

Bücher über ADHS & ADS

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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