Ringelröteln (Erythema infectiosum)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. September 2017
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Die zu den Kinderkrankheiten gehörenden Ringelröteln (Erythema infectiosum) sind eine von mehreren möglichen Manifestationen einer Infektion durch den Erythrovirus (Parvovirus B19). Nicht zu verwechseln sind die relativ harmlosen Ringelröteln mit den Röteln (Rubella).

Inhaltsverzeichnis

Was sind Ringelröteln?

Ringelröteln sind eine häufige und hoch ansteckende Erkrankung vornehmlich in der Kindheit, an der auch Erwachsene erkranken können. Charakteristisch für die Ringelröteln ist der markante, sich schmetterlingsförmig über die Wangen ausbreitende, hochrote Gesichtsausschlag.

Die historische Bezeichnung der Ringelröteln als „fünfte Krankheit“ ist heute vor allem im englischen Sprachraum gebräuchlich und stammt aus der ursprünglichen Katalogisierung von Kinderkrankheiten, die mit einem Hautausschlag verbunden sind. Bei den meisten Kindern ist der Krankheitsverlauf der Ringelröteln mild und erfordert wenig Behandlung, kann bei einer Erkrankung im Erwachsenenalter jedoch erhebliche Komplikationen auslösen.

Typischerweise sind vor allem Kinder im Alter von 5-15 Jahren betroffen. Bis zum Erreichen des Erwachsenenalters ist davon auszugehen, dass die Hälfte der Heranwachsenden über einen Kontakt mit Ringelröteln immunisiert ist.

Ursachen

Verursacht werden die Ringelröteln durch den menschlichen Erythrovirus. Dieses humanpathogene Virus ist so klein, das es lediglich aus einem DNA-Strang besteht. Es konnte erst 1981 als Auslöser der Ringelröteln verifiziert werden. Das Erythrovirus vermehrt sich im Knochenmark über sogenannte Vorläuferzellen roter Blutkörperchen und wird über Sekrete der Atemwege (Speichel oder Nasenschleim) übertragen.

Eine Ansteckung mit Ringelröteln kann auch durch direkten Kontakt mit infizierten Personen ausgelöst werden. Die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten von Symptomen (Inkubationszeit) liegt bei Ringelröteln in der Regel zwischen 4 und 21 Tagen. Ansteckungsgefahr besteht vor allem in den Tagen vor Ausbruch der Symptome.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Kinder leiden häufig an Ringelröteln

Die meisten Menschen mit Ringelröteln haben keine Anzeichen oder Symptome. Wenn Symptome auftreten, variieren sie stark in Abhängigkeit vom Alter der erkrankten Person.

Frühe Anzeichen und Symptome der Ringelröteln bei Kindern können Halsschmerzen, leichtes Fieber, Magenverstimmung, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Juckreiz sein. Einige Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome der Ringelröteln kann ein ausgeprägter leuchtend roter Ausschlag im Gesicht erscheinen, der sich in der Regel auf beide Wangen erstreckt.

Im weiteren Verlauf erstreckt sich der rosafarbene und leicht erhabene Ausschlag auf Arme, Rumpf, Oberschenkel oder Gesäß und läutet bereits die letzte Phase der Ringelröteln ein. Der leicht flüchtige Hautausschlag kann mehrere Wochen in Erscheinung bleiben. Erwachsene mit Ringelröteln entwickeln den charakteristischen Wangenausschlag in der Regel nicht. Stattdessen treten vor allem Gelenkschmerzen in den Händen, Handgelenken, Knien oder den Knöcheln auf, die mehrere Wochen anhalten können.

Komplikationen

Bei gesunden Menschen sind nur selten Komplikationen bei einer Ringelrötel-Erkrankung zu befürchten. Gefahr besteht jedoch mitunter für schwangere Frauen und Menschen, die unter Immunschwäche leiden.

Eine mögliche Komplikation des Erythema infectiosum ist eine Beteiligung der Gelenke. Bemerkbar macht sie sich durch schmerzhafte Gelenkentzündungen, die insbesondere an den kleinen Gelenken auftreten. Besonders betroffen von dieser Auswirkung sind junge Frauen und Mädchen. Die Dauer der Symptome schwankt zwischen zwei Wochen und einigen Monaten. Im weiteren Verlauf bilden sie sich auch ohne eine Therapie wieder zurück.

Einige Komplikationen der Ringelröteln entstehen dadurch, weil die Viren es speziell auf Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und deren Vorläuferzellen abgesehen haben. Leidet ein Patient zur selben Zeit unter einer hämolytischen Anämie (Blutarmut), drohen aplastische Krisen. In deren Verlauf kann das Knochenmark des Betroffenen zeitweilig keine roten Blutzellen mehr herstellen. Verantwortlich dafür ist das Parvovirus B19. Oftmals gilt die aplastische Krise als erstes Indiz für eine Kugelzellenanämie.

Liegen angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Immunsystemdefekte vor, hat dies eine Störung beim Auslöschen des Ringelrötelvirus zur Folge. Die Auswirkung davon ist oftmals eine chronisch rezidivierende Anämie. Als typischer Hinweis gilt, dass sich bei den betroffenen Personen keine spezifischen Antikörper, die sich gegen das Parvovirus B19 richten, nachweisen lassen.

Gefahr besteht auch in der Schwangerschaft. So befällt in einem Drittel aller Schwangerschaften das Virus den Mutterkuchen, sodass seine Übertragung auf das ungeborene Kind erfolgt und eine schwere Blutarmut droht.

Behandlung & Therapie

Da die Ringelröteln eine relativ harmlose Erkrankung sind, ist bei Erkrankung im Kindesalter in der Regel kein Arztbesuch notwendig. In diesem Fall ist eine Selbstbehandlung der Ringelröteln zu Hause ausreichend und dient in erster Linie der Linderung der Symptome. Da Kinderkrankheiten einen wichtigen Entwicklungsschub mit sich bringen, sollte sichergestellt werden, dass das Kind ausreichend trinkt und viel Ruhe hat. Bei höherem Fieber oder Schmerzen helfen lauwarme Wadenwickel oder die Gabe von Paracetamol.

Leidet das Kind oder jemand in der Familie an einer schweren Grunderkrankung, die das Risiko von Komplikationen infolge der Ringelröteln erhöhen kann, muss kurzfristig ein Arzt konsultiert werden. Da die Ringelröteln auslösenden Viren vor allem die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen befallen, sind Menschen mit Anämie besonders gefährdet. Im schlimmsten Fall kann eine aplastische Krise ausgelöst werden. Diese Patienten müssen eventuell stationär aufgenommen werden und erhalten Bluttransfusionen.

Erkrankte Personen mit einem geschwächten Immunsystem (z.B. AIDS oder nach Organtransplantationen) erhalten über Immunglobulin-Injektionen Antikörper, um die Ringelröteln zu behandeln. Eine Infektion mit Ringelröteln in der ersten Hälfte der Schwangerschaft kann mit einer direkten Bluttransfusion zum Fötus oder Medikamenten, die die Plazenta passieren, behandelt werden.

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Vorbeugung

Infolge einer Infektion mit Ringelröteln wird eine lebenslange Immunität erworben. Da es keine vorbeugende Impfung gegen Ringelröteln gibt, sind die üblichen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen oder der Gebrauch unbenutzter Taschentücher zur Prävention angezeigt.

Bücher über Kinderkrankheiten

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011

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