Rinderbandwurm-Infektion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Die Wahrscheinlichkeit, in Europa an einer Rinderbandwurminfektion zu erkranken, ist relativ gering. Schätzungen zufolge sind etwa 1,5% der Rinder von dem Parasiten befallen. Eine wesentlich höhere Infektionsgefahr besteht im Nahen Osten und in den Staaten südlich der Sahara. Dort gehen Schätzungen von 18% bis 80% infizierter Rinder aus.

Inhaltsverzeichnis

Definition Rinderbandwurm-Infektion

Der Rinderbandwurm ist ein Parasit, der im tierischen und menschlichen Darm lebt und zur Gruppe der Bandwürmer gehört. Er wird bis zu 10 Meter lang und ist deutlich gegliedert. Er produziert monatlich etwa 400 reife Glieder, von denen jedes bis zu 100.000 Eier enthält. Die reifen Glieder stößt er täglich gruppenweise ab. Sie zeigen eine deutliche Eigenbewegung und können den Wirt aktiv verlassen.

Als Zwischenwirt benötigt er das Rind. Die Eier werden von den Tieren beim Fressen aufgenommen. Im Magen-Darm-Trakt des Rindes lösen sich die Eihüllen auf, die Wurmembryonen bohren sich durch die Wand des Dünndarmes und wandern mit dem Blut zu den Muskeln. Dort setzen sie sich fest. Zur weiteren Entwicklung brauchen sie dann den Menschen als Wirt.

Ursachen

Bei den Ursachen für eine Infektion mit dem Rinderbandwurm muss man zunächst in Erreger und Übertragungsweg unterscheiden. Wie bereits erwähnt, sind die Erreger die Larven (Finnen) des Rinderbandwurmes. Diese können sich im Muskelgewebe, also dem Fleisch des Rindes befinden und so vom Menschen verzehrt werden.

Der Übertragungsweg vom Rind zum Menschen gestaltet sich wie folgt: Das Rind frisst Gras, welches von unter Umständen von Kuhfladen mit Eiern des Rinderbandwurms kontaminiert ist. Die Larven schlüpfen sodann im Dünndarm des Rindes und bohren sich durch die Darmwand in die Blutadern. Auf diesem Weg gelangen sie dann in die Muskulatur. Hier bilden sie Finnen, die im Verlauf zu geschlechtsreifen Bandwürmern heranwachsen und Eier legen. Diese Eier werden dann von der Kuh bzw. dem Rind ausgeschieden. So beginnt der Kreislauf von vorn.

Wird ungeprüftes Rindfleisch in den Handel gebracht, so kann sich nun der Mensch selbst mit dem Rinderbandwurm infizieren. Meist geschieht dies bei Hackepeter bzw. Gehacktem, da hierbei das Fleisch roh ist. Gekochtes oder gebratenes Fleisch ist weniger anfällig auf Rinderbandwurm, da hier meist alle Finnen durch die Hitze abgetötet werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Es gibt keine typischen Anzeichen und Beschwerden bei einer Infektion mit dem Rinderbandwurm. Manche Patienten berichteten jedoch von folgenden Symptomen:

Gelegentlich soll es sich im Bauch (besonders im Bereich um den Bauchnabel) anfühlen, als wühlte etwas darin herum.

Diagnose & Verlauf

Bandwürmer leben als Parasiten im Darm des Menschen oder anderer Wirbeltiere. Es gibt viele verschiedene Bandwurmarten. Jede Art kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, wobei nur weniger Arten für den Menschen zur Gefahr werden könne. Im Bild, der Kopf eines Bandwurmes. Klicken, um zu vergrößern.

Das Krankheitsbild bei einer Rinderbandwurminfektion ist uneinheitlich. Es reicht von Kopfschmerzen über Juckreiz in der Aftergegend bis zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Manche Menschen leiden unter krampfartigen Leibschmerzen, andere unter allgemeiner Schwäche oder extremer Müdigkeit.

Auch Schwindelgefühle können auftreten. Häufige Übelkeit und Erbrechen können ebenfalls ein Hinweis auf eine Rinderbandwurminfektion sein. Von der Aufnahme der Wurmeier bis zum Ausbruch der Infektion vergehen üblicherweise vier bis zehn Wochen.

Die Erkrankung verläuft meistens nicht lebensbedrohlich. Sehr selten kann eine Rinderbandwurminfektion zu einer akuten Blinddarmentzündung, zu einer Gallenblasenentzündung oder zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung führen.

Die meisten Erkrankten suchen einen Arzt eher wegen eines allgemeinen Unwohlempfindens auf, was die Diagnose anfänglich schwierig macht.

Eine Diagnose nur anhand von Symptomen ist nicht möglich. Auch bei einer Blutuntersuchung ergeben sich meist keine aussagekräftigen Werte. Daher ist zur Feststellung, ob eine Rinderbandwurminfektion vorliegt, unbedingt die Untersuchung einer Stuhlprobe notwendig. Unter dem Mikroskop können Rinderbandwurmeier dann von anderen Wurmeiern unterschieden werden.

Komplikationen

In den meisten Fällen kann eine Rinderbandwurm-Infektion relativ einfach behandelt werden. Komplikationen treten dabei nur dann auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird und sich im gesamten Körper ausbreiten kann. Die Patienten leiden dabei in erster Linie an einem Juckreiz am After. Auch Schmerzen am Bauch oder im Magen können dabei auftreten und wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus.

Die meisten Betroffenen leiden aufgrund der Rinderbandwurm-Infektion an Störungen der Verdauung und mitunter an einer Appetitlosigkeit. Es kommt zu einem Gewichtsverlust und zu Übelkeit. Auch eine allgemeine Schwäche und Abgeschlagenheit tritt bei dieser Erkrankung auf. Im weiteren Verlauf kann es durch die Rinderbandwurm-Infektion zu einer Entzündung der Gallenblase oder des Blinddarmes kommen. Auch die Bauchspeicheldrüse kann sich hierbei entzünden, wobei diese Entzündung im schlimmsten Falle zum Tode führen kann.

Die Behandlung der Rinderbandwurm-Infektion kann mit Hilfe von Medikamenten erfolgen und führt relativ schnell zu einem positiven Krankheitsverlauf. Komplikationen treten dabei nicht auf und die Beschwerden können mit Hilfe der Behandlung vollständig gelindert werden. In der Regel wird auch die Lebenserwartung des Patienten von einer Rinderbandwurm-Infektion nicht negativ beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Steht die Diagnose fest, ist die Behandlung einer Rinderbandwurminfektion unkompliziert. Normalerweise reicht die einmalige Einnahme von Tabletten, sogenannten Antihelminthika, aus.

Die Anzahl der Tabletten richtet sich dabei nach dem Alter des Patienten. Die Standardmedikamente bei einer Rinderbandwurminfektion sind Niclosamid, Parziquantel oder Mebendazol.

Um den Kreislauf Tier – Mensch zu unterbrechen, ist es nötig, sich den Verbreitungsweg genauer anzusehen. Die erste Frage in diesem Zusammenhang lautet: Wie kommt das Wurmei von den Ausscheidungen auf die noch nicht infizierte Kuhweide?

Als Hauptverbreitungsweg kann hier das Einleiten von ungeklärten oder schlecht geklärten Abwässern in Bäche oder Flüsse genannt werden. Treten die Gewässer nach starken Niederschlägen über die Ufer, sind Wiesen und Weiden verseucht. Die Eier bleiben auf Wiesen bis zu 160 Tage lebensfähig.

Auch die einfache Bewässerung von Weiden oder das Tränken der Tiere aus einem Bach kann so zum Risiko werden.

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Vorbeugung

Die zweite Frage ist: Wie verhindert der Einzelne die Aufnahme lebensfähiger Bandwurmeier? Beim Erhitzen von Fleisch auf 70 Grad Celsius sterben die Wurmeier innerhalb weniger Minuten. Die Gefahr, an einer Rinderbandwurminfektion zu erkranken, ist durch den Verzehr von rohem oder halb gegartem Fleisch am größten.

Auch Kälte tötet die Eier ab. Fleisch, das bei mindestens -18 Grad Celsius aufbewahrt wird, gilt als unbedenklich. Die Hygiene in der Küche trägt ebenfalls dazu bei, eine Rinderbandwurminfektion zu verhindern. Wer alle Utensilien nach der Zubereitung von Rindfleisch heiß abwäscht und auch auf gründliches Händewaschen nicht vergisst, schützt sich und andere am besten.

Obwohl Rinderbandwurminfektionen in unseren Breiten nicht mehr allzu häufig auftreten, ist das Wissen um Ansteckung, Verlauf und Behandlung dennoch wertvoll.

Wer einige Wochen nach einer Urlaubs- oder Geschäftsreise Veränderungen an sich wahrnimmt, die ihn an das hier Gelesene erinnern, findet so vielleicht schneller den Weg zu einem Arzt.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

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