Riesenwuchs (Hypersomie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Früher wurden Menschen, die unter Riesenwuchs bzw. Hypersomie litten, häufig ausgegrenzt und als Attraktion zur Schau gestellt. Erst im vergangenen Jahrhundert hat sich diese Einstellung langsam verändert und Riesenwuchs wurde als Krankheit anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Riesenwuchs?

Als Riesenwuchs wird eine außergewöhnliche und enorm über dem Durchschnitt liegende Körpergröße bezeichnet. Grundsätzlich werden jene Menschen als riesenwüchsig angesehen, die zu den drei Prozent der Größten in ihrer Alters- und Geschlechtsklasse zählen.

Spezifischere Einteilungen beziehen sich auf die Ursache des enormen Wachstums. Ein hormonell bedingter Riesenwuchs wird beispielsweise als hypophysärer Riesenwuchs bezeichnet, ein genetisch bedingter hingegen als primordialer Hochwuchs. Weitere Bezeichnungen für Riesenwuchs sind Hypersomie und Gigantismus.

Eine besondere Form des Riesenwuchses ist die Akromegalie, bei der nur die Körperendglieder und die Akren des Körpers wie zum Beispiel Füße, Ohren, Augen oder Kinn vergrößert sind. Riesenwuchs ist in Deutschland ein sehr seltenes Phänomen. Jährlich erkranken von einer Millionen Menschen etwa drei bis vier neu.

Ursache

Die häufigste Ursache für Riesenwuchs ist ein aus dem Gleichgewicht geratener Hormonhaushalt. Dieses Ungleichgewicht kann verschiedene Auslöser haben. Während der Wachstumsphase kann die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die für die Produktion und Ausschüttung von Wachstumshormonen verantwortlich ist, gestört sein.

In diesem Fall schüttet sie zu viele Wachstumshormone aus, was zu einem unkontrollierten Wachstum des Körpers führt. Grund für diese Störung ist in den meisten Fällen ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangsdrüse. Tumore in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) können ebenfalls einen Effekt auf das Wachstum haben, da auch dort Wachstumshormone produziert werden.

Doch nicht immer sind Tumore für eine Hypersomie verantwortlich. Auch eine angeborene Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder eine Diabeteserkrankung der Mutter während der Schwangerschaft kann bei Säuglingen zu Riesenwuchs führen, weil auch dabei der Hormonhaushalt Störungen unterliegt. Zu den extrem seltenen Auslösern für Gigantismus zählen zudem Gendefekte wie das Klinefelter-Syndrom, bei dem Männer ein zusätzliches X-Chromosom haben.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Das offensichtlichste Symptom bei Riesenwuchs ist eine enorm überdurchschnittliche Körpergröße, die oft schon im frühen Kindesalter besteht. Daneben kommt es häufig zu starken Schmerzen beim Wachstum sowie zu heftigen Wachstumsschüben. Die Diagnose von Riesenwuchs wird anhand von Auswertungen der Blutwerte im Labor gestellt. Weisen diese ein starkes Ungleichgewicht bei den Hormonwerten auf, werden weitere Untersuchungen wie eine Kernspintomographie oder Röntgen angeordnet. Dadurch kann ein krankhafter Gigantismus von einem natürlichen, rein genetisch bedingten überdurchschnittlichen Wachstum unterschieden werden.

Der Krankheitsverlauf bei Riesenwuchs ist sehr unterschiedlich und stets abhängig von Ausprägung und Therapiemöglichkeiten. Am schwersten belastet das rasante und unkontrollierte Wachstum das Skelett und mit ihm die Knochen. Das Knochenwachstum verläuft oft nicht einheitlich und kann zu schwerwiegenden Fehlstellungen und Haltungsschäden führen, die oft mit starken Kopf- und Gelenkschmerzen einhergehen.

Darüber hinaus hat der gestörte Hormonhaushalt auch Auswirkungen auf die inneren Organe wie die Nieren oder die Leber. In vielen Fällen sind von Riesenwuchs betroffene Kinder vorzeitig geschlechtsreif. Sekundäre Geschlechtsmerkmale beginnen sich dann schon vor dem zehnten Lebensjahr zu entwickeln. Trotz besserer Behandlungsmöglichkeiten liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen mit Riesenwuchs noch immer deutlich unter der von normalgroßen Menschen.

Komplikationen

Eine der größten Komplikationen von Riesenwuchs sind Haltungsschäden. Das rasante und unkontrollierte Wachstum belastet die Knochen erheblich und führt in der Folge zu Fehlstellungen, die oft mit starken Kopf- und Gelenkschmerzen verbunden sind. Typisch sind auch die charakteristischen Wülste und die Vergrößerung der Nase. In Folge der Makroglossie, also der Vergrößerung der Zunge, kommt es zu einer undeutlichen Aussprache.

Diese Auffälligkeiten haben oft auch psychische Leiden zur Folge. So geht Riesenwuchs meist mit Minderwertigkeitskomplexen und Depressionen einher. Der gestörte Hormonhaushalt überlastet die inneren Organe wie Nieren und Leber. Kinder mit Riesenwuchs kommen zudem verfrüht in die Geschlechtsreife und haben zudem eine verringerte Lebenserwartung. Liegt der Hypersomie ein Hyphophysentumor zugrunde, können weitere Beschwerden wie Sehstörungen, Gesichtsfeldausfälle und neurologische Störungen hinzukommen.

Selten verläuft die Tumorerkrankung tödlich. Bei der Behandlung von Riesenwuchs kann es, abhängig vom gewählten Therapieverfahren, zu vielgestaltigen Komplikationen kommen. Eine Chemotherapie kann Spätfolgen wie Organschäden und Hormonstörungen nach sich ziehen. Auch die Hormontherapie kann Störungen des Hormonhaushalts bedingen und bei Frauen zu einer verfrühten Menopause führen. Ein operativer Eingriff ist grundsätzlich mit Risiken (zum Beispiel Verletzungen und Blutungen) verbunden.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung von Riesenwuchs ist eine erfolgreiche Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung erforderlich. Der häufigste Auslöser, der Hypophysentumor, kann durch verschiedene Methoden behandelt werden. Da Operationen in der Nähe des Gehirns große Risiken bergen, wird oft zunächst versucht, den Tumor durch Bestrahlung oder eine Chemotherapie zu bekämpfen.

Ist der Tumor hingegen in einem der sehr seltenen Fälle bösartig, ist ein neurochirurgischer Eingriff unumgänglich. Ähnlich wird bei einem Tumor in der Bauchspeicheldrüse verfahren. Zusätzlich zur Behandlung des Tumors wird häufig eine Hormontherapie verordnet, um das Wachstum zu hemmen. Bei weiblichen Patienten werden dann Östrogene und Gestagene eingesetzt, bei männlichen Testosteron. Ist das Risiko für einen Riesenwuchs durch eine Schwangerschaftsdiabetes bei der Mutter erhöht, muss diese während der gesamten Schwangerschaft optimal behandelt werden, um ein übermäßiges Wachstum des Embryos zu verhindern.

Grundsätzlich gilt: je eher die Behandlung des Auslösers beginnt, desto größer sind die Chancen für einen unkomplizierten Verlauf der Erkrankung. Erfolgt eine Behandlung erst in einem fortgeschrittenen Stadium oder nach Beendigung der Wachstumsphase, können bleibende Haltungsschäden oft nicht mehr abgewendet werden. In diesem Fall kann ein Orthopäde nur noch versuchen, die bereits bestehenden Leiden zu therapieren.

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Vorbeugung

Da sich sowohl die Einstellung gegenüber Menschen mit Riesenwuchs als auch die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahrzehnten stark verbessert haben, können Betroffene heute viel effizienter und erfolgreicher behandelt werden. Dennoch bleibt eine frühzeitige Erkennung das Wichtigste, weshalb schon bei geringen Anzeichen von Riesenwuchs ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Bücher über Hochwuchs

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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