Riedel-Thyreoiditis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Als Riedel-Thyreoiditis wird eine seltene Entzündung der Schilddrüse bezeichnet. Dabei kommt es zur Zerstörung des Schilddrüsengewebes.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Riedel-Thyreoiditis?

Die Riedel-Thyreoiditis ist auch als Riedel-Struma bekannt. Gemeint ist damit eine Schilddrüsenentzündung. Als Namensgeber der Erkrankung diente der deutsche Chirurg Bernhard Riedel (1846-1916). Der Mediziner beschrieb die Thyreoiditisvariante zum ersten Mal im Jahr 1896 in einem Buch.

Die Riedel-Thyreoiditis stellt eine Form der Autoimmunthyreoiditis dar. Zu ihren typischen Merkmalen zählt ein harter bindegewebiger Schilddrüsengewebeumbau. Das Riedel-Struma tritt nur selten auf. So zeigt es sich bei 100.000 Einwohnern lediglich ein oder zwei Mal. Besonders betroffen sind Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Bei vier von fünf Patienten handelt es sich um Frauen.

Ursachen

Wovon die Riedel-Thyreoiditis ausgelöst wird, ließ sich bislang noch nicht ermitteln. Die Erkrankung gehört zu den chronischen Schilddrüsenentzündungen. Dabei wird gesundes Gewebe der Schilddrüse im Verlauf der Krankheit mehr und mehr von dichtem fibrotischen Gewebe verdrängt.

Weil dieser Umbau nicht allein auf die Schilddrüse begrenzt bleibt, erfolgt ein Übergreifen auf benachbartes Gewebe. Aus diesem Grund bildet sich eine eisenharte Struma. Bei rund zwei Dritteln aller Patienten sind Schilddrüsenautoantikörper zu verzeichnen. Deshalb vermuten einige Mediziner, dass ein Zusammenhang zwischen der Riedel-Thyreoiditis sowie Morbus Basedow und der Hashimoto-Thyreoiditis besteht.

Neuen Studien zufolge handelt es sich bei dem Riedel-Struma um die organische Ausprägung einer systemischen IgG4-assoziierten Erkrankung. Unter IgG4 wird eine Unterklasse der Immunglobuline G verstanden. Typisch für eine IgG4-assoziierte Erkrankung ist der fibrotisch-sklerotische Umbau von multiplen Organen und Geweben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Als charakteristisches Merkmal der Riedel-Thyreoiditis gilt die zunehmende Vergrößerung der Schilddrüse. Diese ruft wiederum eine Verengung der Luftröhre hervor, die Atembeschwerden auslösen kann. Außerdem leiden die betroffenen Personen unter einer Lähmung ihrer Stimmbänder, Heiserkeit und Beschwerden beim Schluckvorgang.

Dadurch, dass die Schilddrüse mit dem benachbarten Halsgewebe verwächst, besteht zudem das Risiko von Bewegungseinschränkungen. So sind manche Patienten nicht mehr in der Lage, ihren Kopf wie gewohnt in sämtliche Richtungen zu bewegen. Des Weiteren haben die Betroffenen das Gefühl, einen Fremdkörper im Hals zu haben oder leiden unter Läsionen der Nerven.

Aufgrund der zunehmenden Zerstörung des gesunden Schilddrüsengewebes tritt im weiteren Verlauf der Riedel-Thyreoiditis eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) ein, die mit entsprechenden Symptomen einhergeht. Dazu gehören unter anderem eine raue Stimme, Verstopfung, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Appetitlosigkeit, Zunahme an Gewicht und Müdigkeit.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf eine entzündete Schilddrüse, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dieser nimmt nach der Erfassung der Krankengeschichte (Anamnese) eine körperliche Untersuchung vor, in deren Verlauf sich eine eisenharte Vergrößerung der Schilddrüse ertasten lässt. Als typische Hinweise gelten örtliche Probleme durch die Struma wie das Einengen von Halsgefäßen und Luftröhre.

Darüber hinaus können die Halsnerven derart verdrängt werden, dass dies zu einer Parese des Kehlkopfnervs führt. Außerdem lässt sich die Schilddrüse beim Schlucken nicht mehr verschieben, was dem Arzt einen Hinweis auf eine Verwachsung liefert. Schmerzempfindlichkeit besteht dagegen nur selten.

Die weitere Untersuchung setzt sich aus einer Sonographie (Ultraschalluntersuchung) zusammen, mit der sich infiltriertes Halsgewebe sowie knotige Veränderungen ermitteln lassen. Des Weiteren kann der Arzt eine Szintigraphie durchführen, um die Schilddrüsenfunktionen sowie die Lage bestimmter Organbereiche zu untersuchen. Im Rahmen der Szintigraphie wird zumeist eine niedrigere Technetium-Aufnahme festgestellt.

Lassen sich kalte Knoten bei der Untersuchung ermitteln, besteht Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom. Aus diesem Grund erfolgt eine chirurgische Entfernung, um eine Krebserkrankung entweder auszuschließen oder zu bestätigen. Histologisch lässt sich die Diagnose auch definitiv durch die Entnahme von Gewebe (Biopsie) erstellen.

Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Differentialdiagnose, um die Riedel-Thyreoiditis von der Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenkrebs abzugrenzen. Die Funktionslage der Schilddrüse wird durch das Riedel-Struma in den meisten Fällen nicht eingeschränkt. Jeder dritte Patient leidet allerdings im weiteren Verlauf der Krankheit unter einer Schilddrüsenunterfunktion.

Behandlung & Therapie

Die Riedel-Thyreoiditis zählt zu den chronischen Schilddrüsenentzündungen, bei denen nur selten eine spontane Abheilung stattfindet. Aufgrund der bislang unklaren Autoimmunprozesse kann sich die Therapie des Riedel-Strumas als schwierig gestalten. So gibt es bislang keine kausale Behandlung der Riedel-Thyreoiditis.

Da die Krankheit durch eine weiter zunehmende Verhärtung lebensgefährliche Ausmaße annehmen kann, gilt das frühzeitige operative Entfernen der Struma als sinnvollste Option. Zur Verlangsamung des fibrotischen Umbaus lassen sich auch Glukokortikoide verabreichen, was jedoch meist nur einen Aufschub bewirkt. Darüber hinaus liegen keine gesicherten Erkenntnisse über erfolgreiche konservative Behandlungen einer Riedel-Thyreoiditis vor.

Ein operativer Eingriff an einem Riedel-Struma wird als schwierig eingestuft. So leiden die Patienten oftmals unter Komplikationen wie einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus). Das Entfernen der Schilddrüse erfolgt im Rahmen einer Thyreoidektomie. Dabei nimmt der Chirurg einen Querschnitt zwischen fünf und sieben Zentimetern Länge über der Drosselrinne (Jugulum) vor.

Nach dem Entfernen von Haut und Fettgewebe erfolgt das Teilen und Verschieben der Halsmuskulatur. Danach ist die Schilddrüse frei zugänglich und lässt sich vom Operateur entfernen. Im Anschluss an das Einlegen einer Wunddrainage lässt sich die Haut mit einer intrakutanen Nahttechnik verschließen. Durch das Entfernen der Schilddrüse muss die betroffene Person für den Rest ihres Lebens Schilddrüsenhormone einnehmen.




Vorbeugung

Die Ursachen für die Riedel-Thyreoiditis konnten noch nicht festgestellt werden. Maßnahmen, die zur Vorbeugung der Schilddrüsenentzündung dienen, sind daher nicht bekannt.

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