Rickettsien

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Von Rickettsien verursachte Erkrankungen kamen schon im Altertum häufig vor. Auch etwa während der Kriege Napoleons starben mehr als 125.000 Soldaten an einem von Läusen übertragenen Fleckfieber. Rickettsiosen - von Rickettsien ausgelöste Infektionskrankheiten - treten heute oft im Zusammenhang mit Armut und schlechten hygienischen Verhältnissen auf.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Rickettsien?

Rickettsien sind gram-negative Stäbchenbakterien. Sie leben und vermehren sich in den Darmzellen von Überträgertieren (Vektoren). Das sind in der Regel Arthropoden (Läuse, Zecken, Milben und Flöhe). Die Krankheitserreger gehören zu den Bakterienarten, die sehr kurze DNA-Stränge (1,12 bis 1,6 Millionen Basenpaare) haben.

Rickettsien bilden eine eigene Familie (Rickettsiaceae) und sind Alphaproteobakterien. Benannt wurden sie nach ihrem Entdecker, dem US-amerikanischen Arzt H. T. Ricketts, der 1910 selbst von der Rickettsiose betroffen wurde. Rickettsien werden - je nachdem, welche Infektionen sie auslösen - in die Fleckfieber, Zeckenbiss-Fieber und Tsutsugamushi-Fieber-Gruppe eingeordnet.

Die befallenen Arthropoden setzen sich auf der Haut von Tieren und Menschen fest. Die Infektion mit den Rickettsiosen erfolgt nach dem Biss oder Stich über die Absonderung von Speichel. Auch das Einatmen von getrocknetem Floh-Kot kann zu einer Ansteckung führen.

Die verschiedenen Arten von Rickettsien bringen unterschiedliche Arten von Infektionskrankheiten hervor. Außerdem nutzen die Bakterien verschiedene Vektoren zu ihrer Verbreitung. So wird beispielsweise Rickettsia prowazekii meist von Kleiderläusen übertragen und verursacht das Epidemische Fleckfieber (Flecktyphus).

Die Stäbchenbakterien kommen vor allem in den wärmeren Regionen der Welt vor. In Deutschland sind die Erkrankungen öft eingeschleppt. In Mitteleuropa werden Rickettsiosen meist durch Zecken übertragen. Die von Zecken übertragenen Rickettsiosen haben meist eine geringere Morbiditäts- und Mortalitätsrate, als die von Läusen übertragenen Rickettsiosen.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Rickettsien werden je nach Art 0,3 bis 2 Mikrometer groß. Die gram-negativen Stäbchenbakterien haben eine sehr kurze DNA und leben in den Darm-Epithelzellen von Zecken, Läusen, Milben und Flöhen. Sie verursachen Krankheiten, die unter dem Oberbegriff Rickettsiosen zusammengefasst werden. Die Erreger kommen weltweit bevorzugt in warmen Klimazonen vor. In Deutschland konnten bislang vor allem Rickettsia rickettsii, Rickettsia conorii und Rickettsia helvetica nachgewiesen werden.

Mit der Diagnose der Rickettsiosen taten sich die Mediziner bis vor kurzem noch schwer, da die infizierten Patienten im Anfangsstadium der Erkrankung lediglich allgemeine Infektionssymptome zeigen. Erst in letzter Zeit rücken Zecken, die lange Zeit nur als Überträger der Borreliose und FSME galten, in den Mittelpunkt des Forscher-Interesses. Gemäß neuerer Untersuchungen sind 10% der in Deutschland vorkommenden Zecken mit Rickettsien infiziert, die auf den Menschen spezialisiert sind. Laut Robert-Koch-Institut (2009) tragen je nach Verbreitungsgebiet 50% bis 80% der Auwald-Zecken das Stäbchenbakterium Rickettsia helvetica in sich. Problematisch ist die schnelle Vermehrung der Auwald-Zecke.

Vor kurzem gelang es Wissenschaftlern, einen höchst effizienten, spezifischen und dennoch einfach durchzuführenden molekular-genetischen Schnelltest zu entwickeln, mit dem einzelne Rickettsiosen zweifelsfrei identifiziert werden können. Dabei entdeckten die Mediziner in bestimmten Dermacentor-Zecken sogar noch eine völlig unbekannte Bakterienart (Rickettsia raoultii).

Der Test kann auch in einer herkömmlichen Arztpraxis eingesetzt werden. Zur Diagnose von Rickettsiosen wird normalerweise der ELISA oder der indirekte Immunfluoreszenz-Nachweis aus dem Blutserum eingesetzt. Bei dem im Abstand von 3 Wochen durchgeführten Test werden die Proben 2-fach auf IgM und IgG-Antikörper untersucht. Dann wird ein Antibiogramm angefertigt, anhand dessen die verursachende Erreger-Art festgestellt wird. Die Behandlung der Rickettsiose erfolgt meist mit einem bewährten Borreliose-Mittel, dem Antibiotikum Doxycyclin.

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Krankheiten & Beschwerden

Der durch den Stich oder Biss eines Vektors infizierte Patient weist anfangs nur unspezifische Entzündungssymptome auf. Kurz nach dem Einstich/Biss entsteht am Entzündungsherd unter der Hautoberfläche ein kleines Geschwür. Europäische Zecken hinterlassen eine von einer schwärzlichen Kruste bedeckte, zirka erbsengroße Infektionsstelle. Danach kommt es zu Lymphknotenschwellungen, Benommenheit, Fieber, Kopfschmerzen und zu dem für Rickettsiosen typischen rötlichen Hautausschlag (makulösen Exanthem), das von den Hand- und Fußflächen ausgeht. Es entsteht durch den Austritt von roten Blutkörperchen aus geschädigten Kapillar-Gefäßen. Die Ausschläge zeigen außerdem erhabene Papeln und winzige Einblutungen (Petechien).

Der Infizierte hat keinerlei Schmerzen. Im weiteren Krankheitsverlauf kann es jedoch zu Komplikationen wie Lungen-, Herz- und Gehirnschäden kommen. So entwickeln manche Patienten mit Rickettsiosen ein Lungenödem, andere wiederum Herzrhythmusstörungen und Gehirnentzündungen (Enzephalitis). In besonders schweren Fällen kommen auch Magen-Darm-Blutungen und Thrombosen hinzu.

Beim RMSF (Rocky Mountain Spotted Fever, Felsengebirgsfleckfieber), das durch Rickettsia rickettsii verursacht wird, beträgt die Inkubationszeit 2 bis 14 Tage. Die Mortalität der von Dermacentor- und Rhipicephalus-Zecken übertragenen Erkrankung liegt bei 20%. Rickettsia helvetica - ursprünglich nur in der Schweiz nachgewiesen, mittlerweile aber auch in Frankreich und Slowenien vorkommend - kann Herzbeutelentzündungen (Perikarditis) auslösen und ist mit Schwäche, Myalgien (Muskelschmerzen), lang anhaltendem Fieber und Kopfschmerzen verbunden.

Der Erreger Rickettsia conorii verursacht das Mittel-Fleckfieber und wird von Schildzecken übertragen, die im gesamten Mittelmeergebiet vorkommen. Rickettsia slovaca infiziert mit TIBOLA (Tick-borne Lymphadenopathie-Syndrom). TIBOLA ist eine Lymphknoten-Erkrankung mit Muskel- und Kopfschmerzen sowie Fieber. An der Einstichstelle am Kopf entsteht oft Kahlheit. Kinder unter 10 Jahren und Patienten mit ohnehin geschwächtem Immunsystem zeigen oft einen schlimmeren Krankheitsverlauf. Impfungen gegen die von Zecken verursachte FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sind gegen Rickettsiosen unwirksam.

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